Himmel und Erde (1)
Himmel und Erde Seite 1- Botschafter des Heils 1880
„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde." Der Schauplatz der göttlichen Handlung war ein zweifacher; dies wird auch in „der Verwaltung der Fülle der Zeiten" der Fall sein: Gott wird Sich aufs neue sowohl im Himmel, als auch auf der Erde offenbaren. Ich möchte meine Betrachtung über diesen göttlichen Gegenstand mit1. Mose 1-47 beginnen. Diese Kapitel stellen uns, wie ich glaube, in treffender Weise den Herrn vor, wie Er teils im Himmel, teils auf der Erde tätig ist;
an ihrem Schluß finden wir beide vereinigt, und zwar in einer Weise, die uns vorbildlich zeigt, wie sie in der kommenden Verwaltung der Fülle der Zeiten verbunden und doch wieder getrennt sein werden. — Möchten unsere Betrachtungen immer Seiner Wahrheit und Seinem Geiste unterworfen sein! Möchten wir sie auch jetzt beginnen in der Stimmung von Anbetern!
1. Mose 1 und 2. Es war allein die Erde, über die Adam zum Herrn gesetzt wurde. Der Garten war sein Wohnsitz und er sollte die Erde erfüllen und sie sich unterwürfig machen. Das waren die Grenzen seines Erbes und seines Besitzes. Er kannte den Himmel nur insoweit, als er ihn über sich sah und als die Lichter an ihm seinen Tag und seine Nacht voneinander schieden. Aber er hatte keine Gedanken, die ihn persönlich mit dem Himmel verbanden.
Kapitel 3. Adam übertrat jedoch das Gebot Gottes und mußte den Garten Eden verlassen. Er wurde ein Sklave und ein Knecht auf der Erde, statt ihr glücklicher Herr zu sein. Von ihren Früchten mußte er jetzt ein dürftiges Dasein fristen, bis er sich selbst auf ihr zum Tode niederlegte.
Kapitel 4 und 5. Der Zustand Adams war also auf diese Weise völlig verändert. Jetzt an der Erde zu hangen als seiner Wonne und seinem Teil, hieß in frecher Verwerfung des Herrn des Gerichts handeln. Ein solcher Geist beseelte Kain und seine Familie. Er betrachtete die Erde als gut genug für Gott, und für sich selbst wünschte er nichts besseres. Er brachte Gott die Frucht der Erde dar; auf ihr baute er für sich eine Stadt und füllte sie mit allen begehrenswerten Dingen an, ohne durch den Gedanken an das Blut, mit dem seine eigene Hand sie befleckt
hatte, und an die Gegenwart des Herrn, dem er den Rücken gewandt hatte, beunruhigt zu werden. Ihm glich weder Adam, noch Seth, noch Noah, noch jene ganze Reihe von Anbetern, die „den Namen des Herrn anrufen." Für sie ist die Erde nur eine Grabstätte. Doch da die Gnade für sie .als Sünder ein Heilmittel vorgesehen hat, und die Gerechtigkeit sie von einer verfluchten Erde abgesondert hat, so glauben sie an dieses Heilmittel und suchen weder .einen Platz, noch ein Gedächtnis auf der Erde. Der Herr aber gibt ihnen ein höheres und reicheres Erbe, und zwar bei Sich in den Himmeln, wie dies in der Aufnahme Henochs angedeutet wird.
Kapitel 6—9. Aber obschon der Herr auf diese Weise den Schauplatz Seiner Ratschlüsse und der Hoffnungen Seiner Auserwählten von der Erde in den Himmel verlegt hat, ist die Erde dennoch nicht aufgegeben. Sie ist, wie wir wissen, bestimmt, sich bald „der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes", oder, wie ich schon oben bemerkte, „der Verwaltung der Fülle der Zeiten" zu erfreuen (Eph 1, 9. 10). Diesen Vorsatz hat der Herr zu gewissen Zeiten ans Licht gestellt und erläutert, wie z. B. hier in der Geschichte Noahs.
Die himmlische Familie starb der Erde und auf der Erde. Wohl konnte sie von dem Gericht wie von der Segnung reden, die über die Erde kommen sollte. Henoch weissagte von dem Gericht und Lamech von der Segnung (Jud 14; 1. Mo 5, 29);
aber keiner von ihnen befand sich inmitten der Szenen, von denen sie redeten. Noah ist jedoch wieder ein Mann der Erde. In seinen Tagen erscheint die Erde aufs neue als ein Schauplatz der Sorge und des Wohlgefallens Gottes. Gott hat wieder Gemeinschaft auf ihr mit dem Menschen. Sie ist durch das Gericht der Wasser hindurchgegangen, und Gott macht einen Bund mit der Erde und hat einen Propheten, Priester und König auf ihr, der für ihre Ordnung und göttliche Regierung Sorge zu tragen hat. Noahs Verbindung mit der Erde war ganz anderer Art als diejenige Kains oder Seths. Er erfüllte und genoß sie nicht, wie Kain, in Verwerfung Gottes, noch nahm er sich, gleich Seth, nur einen Begräbnisplatz auf ihr, sondern er erfreute sich ihrer ganzen Fülle in Unterwürfigkeit unter dem Herrn. Der Herr heiligte seine Herrschaft über sie, sein Erbteil und seine Freude an ihr.
Kapitel 10 und 11. So ist nun die Erde wieder ein Gegenstand der Sorge des Herrn. Doch von neuem wird sie vor Ihm verderbt. Wie Adam/ so beginnt auch Noah diese traurige Geschichte, und die Erbauer Babels, gleich einer zweiten Familie Kains, vollenden den Abfall und suchen die Erde, in Unabhängigkeit von Gott, mit sich selbst anzufüllen. Sie waren „gewaltige Jäger vor dem Herrn" — sie durchstreiften die Erde, als wollten sie in ihrem ungläubigen Hochmut fragen: „Wo ist der Gott des Gerichts?"
Kapitel 12—36. Eine solche Handlungsweise konnte Gott in keinem Falle dulden, und es kommt infolgedessen ein anderes Gericht über sie. Sie werden überallhin zerstreut, und die ganze menschliche Gesellschaft wird .auf eine schreckliche Weise aufgelöst. Allein Abraham wird berufen, getrennt von der Welt eine Verbindung mit Gott zu finden. Seine Familie wohnte in Mesopotamien, jenseits des Euphrat. Er entstammte dem Geschlecht Sems, war aber, wie alle damaligen Völker, ein Götzendiener. Jedoch eine unumschränkte Gnade sonderte ihn ab, und der Gott der Herrlichkeit rief ihn .aus seinem Lande, aus seines Vaters Hause und aus seiner Verwandtschaft.
Diese Berufung beeinträchtigte indessen durchaus nicht die Ordnung der Erde, noch die Regierung unter den Nationen. Abraham wird berufen, ein Fremdling auf der Erde zu sein, nicht aber ein Nebenbuhler der „Gewaltigen", oder ein neu gebildeter Herrscher irgendeines Volkes. Er wandelt mit Gott, als dem Gott der Herrlichkeit; Gott nimmt hier einen höheren Charakter an, als wenn Er Sich als Der offenbart, „durch den die Gewaltigen eingesetzt sind." Abraham war ein Pilger und ein Fremdling auf der Erde und wandelte als ein himmlischer Mensch. Er besaß die Verheißung, daß sein Same und sein Erbe auf der Erde einst miteinander verbunden werden sollten, und doch wohnten sowohl er als auch Isaak und Jakob das ganze Leben hindurch in Zelten.
Wir haben hier also wiederum ein himmlisches Volk — himmlisch in dem Charakter seines Wandels, 'und, gleich Henoch und Lamech, himmlisch in seinem Verständnis der zukünftigen Geschichte der Erde und der Verheißungen in betreff des Erbes, das seinem Samen zu seiner Zeit zuteil werden sollte. — Doch wir finden in der Geschichte des Mannes, der nach Abraham, Isaak und Jakob auf den Schauplatz trat, noch tiefere und bedeutungsvollere Geheimnisse.
Kapitel 36—47. Joseph wird durch die Bosheit seiner Brüder, wie wir alle wissen, von dem Schauplatz des ihm verheißenen und durch einen Bund zugesicherten Erbes entfernt, wird nach vielen Leiden Gatte, Vater und Fürst inmitten eines ferne wohnenden Volkes und versorgt und beherrscht zuletzt nicht nur seine Brüder, die ihn einst haßten, sondern auch alle Bewohner der Erde m Gnade und Weisheit.
Nichts kann bezeichnender sein als dies alles. Es ist eine treffende Erläuterung des großen Ratschlusses, den Gott Sich vorgesetzt hat „m der Verwaltung der Fülle der Zeiten". Joseph wird unter die Nationen versetzt und dort, nach Trübsal und Knechtschaft, wird er erhöht und wird das Haupt und der Vater einer Familie, und zwar mit einer solchen Freude, daß sein Herz eine Zeitlang imstande ist, seine Verwandten nach dem Fleische zu vergessen. In gleicher Weise ist Christus nach Seinen Leiden in den Himmel erhoben, und idfe Kirche oder Versammlung, aus den Nationen genommen, ist zu Seiner Gefährtin und Freude während der Zeit Seiner Entfremdung von Israel gemacht. Aber im Laufe der Zeit wird Joseph zum Wahrer und Spender der Hilfsmittel der Welt; seine Brüder müssen sich so gut wie alle anderen ihm unterwerfen; er nährt und erhält sie zu seiner Freude. Ganz in gleicher Weise wird auch Christus handeln, wenn er wieder auf der Erde erscheinen wird. Nachdem Israel zur Buße umgekehrt und in den schönsten Teil der Erde versetzt ist, nachdem alle die Nationen unter Christi Zepter vereinigt sind, wird Er sie in Weisheit regieren und aus Seinem Vorrat nahren; in Frieden und Gerechtigkeit wird Er sie wieder in ihr Erbe einsetzen.
Unzweifelhaft erblicken wir hier vorbildlich die Himmel und die Erde, wie sie einst in Wirklichkeit in „der Verwaltung der Fülle der Zeiten" gesehen werden, wenn alle Dinge, sowohl im Himmel als auf der Erde, zusammen in Christo vereinigt sind. Sicherlich haben wir hier eine vorbildliche Darstellung des großen Endresultats; der Himmel und die Erde erzählen miteinander das Geheimnis Gottes.
Ich kann nicht umhin, 'einen Augenblick bei der willigen, nicht murrenden Unterwerfung der Ägypter unter Joseph zu verweilen. Er sendet sie hierhin und dorthin, er leitet sie, wie es ihm beliebt — sie sind mit allem zufrieden; ebenso wird An den Tagen des Königreichs die ganze Welt bereitwillig ausrufen:
„Jesus hat alles wohlgemacht". Alles wird sich willig und freudig Ihm unterwerfen. Sein Zepter wird gebilligt und bewillkommnet werden von allen, über die es seine Macht äußern wird.
Und doch .steht die ganze Macht Josephs in völliger Übereinstimmung mit der Oberherrschaft Pharaos. Das Volk, das Vieh und die Länder werden alle von Joseph für Pharao gekauft. Es ist noch immer Pharaos Königreich, wenn auch unter der Herrschaft Josephs. So wird auch im Königreich des Herrn „jede Zunge bekennen, daß Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters."
Diese Züge geben dem Gemälde seinen klaren Ausdruck und Charakter. Aber es enthält auch noch einen anderen Zug (den Zug von der Hand eines Meisters, möchte ich ehrerbietig sagen), 'der an Bedeutung und Schönheit wohl keinem der anderen nachsteht. Ich meine, daß an dieser ganzen Einrichtung der Erde Asnath, Josephs Weib, und die Kinder keinen Anteil haben. Sie werden durchaus nicht erwähnt. Jakob erhält Gosen, aber Asnath, Ephraim und Manasse bekommen nichts. Wo ist der Grund zu dieser merkwürdigen Erscheinung? Werden vielleicht das Weib und die Kinder weiniger geliebt als der Vater und die Brüder? Sicherlich nicht, das kann nicht sein. Der Grund ist, wie ich denke, folgender: Asnath und die Kinder sind himmlisch, und ihr Teil ist in und mit Ihm, Der der Herr und Spender aller dieser Dinge ist; sie können nicht mit den Interessen und den Einrichtungen der Erde vermischt werden. Selbst Gosen, der fetteste und beste Teil des Landes, ist ihrer unwürdig. Sie bilden die Familie des Herrn selbst. Sie genießen seine innigsten Zuneigungen; sie teilen die Wohnung und die Gegenwart dessen, der das glückliche und ehrenvolle Haupt dieser ganzen herrlichen Szene ist.
Stellt uns dies nicht das große Endresultat im Kleinen oder im Vorbilde dar? Entdecken wir in diesem allem nicht jene verheißene „Verwaltung der Fülle der Zeiten", in welcher Gott beides, sowohl die Dinge in den Himmeln, als auch die Dinge auf der Erde unter ein Haupt in dem Christus zusammen-
bringen wird? Treten uns in jener Szene nicht der Himmel und die Erde in ihrer Ordnung im tausendjährigen Reich entgegen? - Ich denke nicht, daß ein einsichtsvoller Leser des Wortes dieses in Abrede stellen wird.
Folgen wir jetzt dem Lauf der göttlichen Verwaltungen, so entfalten sich immer mehr irdische und himmlische Szenen und Beispiele vor unseren Augen. Nach den im ersten Buch Mose erzählten Ereignissen wird Israel das Zeugnis Gottes und ein irdisches Volk. Ein Teil der Erde wird wieder zum Besitztum und Wohnplatz Gottes geheiligt. Wie die Sündflut sie in den Tagen Noahs gänzlich für die göttliche Macht und Gegenwart gereinigt hatte, so reinigt jetzt das Schwert Josuas einen Teil der Erde für dieselbe Macht und Gegenwart Gottes in Israel. Gott hat Sein Heiligtum und Seinen Thron im Lande Kanaan; Er wird zu Jerusalem angebetet, und von dort geht Sein Gesetz aus. Die Herrlichkeit findet sich wieder auf der Erde. Als Herr der Erde richtet und regiert Gott wieder auf ihr. Aber von neuem wird alles vernichtet. Kanaan wird durch den Abfall Israels verderbt, wie die Erde zu Noahs Zeiten durch den Turm zu Babel. Hesekiel, der wie ein Wächter in die Tage dieses Abfalls gesetzt wurde (Hes 3, 17), sieht daher die Herrlichkeit Gottes auf ihrem Wege von Jerusalem zum Himmel. Sie sucht keinen anderen Platz auf der Erde, sondern, durch die Verderbnis des Volkes aus Jerusalem vertrieben, zieht sie sich in den Himmel zurück (Hes 11).
Bis zu den Tagen Hesekiels stand die Herrlichkeit in Macht mit Israel in Verbindung. Es war eine Herrlichkeit oder eine göttliche Gegenwart, die einst Ägypten gerichtet, das Heer durch die Wüste geführt, die Völker Kanaans vernichtet, ihr Land unter die Stämme verteilt und endlich sich selbst in den Tempel und auf den Thron in Jerusalem gesetzt hatte. Dies alles war die Herrlichkeit in Macht. Aber, wie wir gesehen haben, verscherzte Israel diese Herrlichkeit, und sie kehrte infolgedessen zum Himmel zurück. Jedoch sollte sie in einem anderen Charakter wieder erscheinen. Dieselbe Herrlichkeit oder göttliche Gegenwart, ja Gott selbst kehrte, verhüllt in der Erscheinung Jesu, zurück. Als ein verworfener Galiläer, als der Sohn des Zimmermanns, der nicht hatte, wohin Er Sein Haupt legen sollte und also in der Welt noch schlimmer dran war als
die Vögel und die Füchse, erscheint die Herrlichkeit in dem Lande Israel in der vollkommensten Gnade, heilend und predigend, arbeitend und wachend, arm und doch andere bereichernd, hungrig und durstig und doch Tausende speisend, und bei jeder Gelegenheit ebenso einfach und bestimmt sich für die Herrlichkeit ausgebend, wie es geschah, als sie die Wasser des Jordan teilte oder die Mauern Jerichos umstürzte. Nur war es jetzt die Herrlichkeit in ihrer Gnade, während es damals die Herrlichkeit in ihrer Macht gewiesen war. Dennoch verwirkte Israel oder die Erde die Herrlichkeit auch in dieser Form; jedoch verließ sie die Erde nicht auf dem gleichen Wege wie früher. Als sie einst in ihrer Macht verworfen wurde, entfernte sie sich freiwillig, indem sie in gerechtem Zorn die Beschimpfung ahndete, die ihrer Majestät angetan war und im Gericht diese Erde verließ (Hes 1—11); später aber, verworfen in ihrer Gnade, wurde sie gleichsam weggeschickt, bevor sie sich selbst entfernt hatte. In beiden Fällen, mögen wir die Herrlichkeit betrachten in Macht oder in Gnade, hat die Welt sie verworfen, und sie ist jetzt in den Himmeln verborgen (s. Apg 7, 55).
Das ist die Geschichte der Herrlichkeit von Hesekiel 11 bis zur Himmelfahrt Christi. Die Herrlichkeit ist gegenwärtig wiederum da, wohin der Prophet Gottes sie in jenem Kapitel gehen sah, nämlich im Himmel. Allein jetzt ist sie dort beschäftigt, die Fülle der Nationen zu sammeln und bei sich „die heiligen Brüder, die Genossen der himmlischen Berufung" zu empfangen. Der Heilige Geist ist herabgekommen, um auf Erden von der Herrlichkeit droben zu zeugen und ihr Teil zu unserem Teil zu machen. Das ist jetzt der Platz und die Tätigkeit der Herrlichkeit.
Jedoch können wir ihre Geschichte noch von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachten. Hesekiel sieht sie (Hes 45) an denselben Ort zurückkehren, von dem sie sich entfernt hatte. Sie hatte niemals einen anderen Aufenthaltsort auf der Erde gesucht. Wenn Zion nicht für Jesum vorbereitet ist, dann muß die Erde Ihn entbehren. Denn von Zion allein hat Er gesagt: „Dort ist meine Ruhe für immer und ewiglich." Doch die Herrlichkeit kehrt wieder zurück, wie wir in dem 43. Kapitel des Propheten Hesekiel sehen. Und wenn das geschieht, dann wird jene Ordnung der Dinge eintreten, die man gewöhnlich „das tausendjährige Reich" zu nennen pflegt, wo Jesus der herrliche Mittelpunkt sein wird, die wahre Leiter, die Jakob einst sah, der Erhalter aller Dinge im Himmel und auf der Erde, der jetzt alles durch Sein Blut versöhnt hat und dann alles in Seiner eigenen Person vereinigen wird, um Seine Herrlichkeit über alles auszubreiten.
So haben die beiden Teile des zukünftigen Königreichs, der himmlische und der irdische, von Anfang an wieder und wieder eine vorbildliche Darstellung gefunden; ein Zeugnis nach dem anderen hat, wie wir gesehen haben, von den göttlichen Ratschlüssen erzählt; das tausendjährige Reich wird die Bestätigung aller dieser Unterpfänder und die Erfüllung der Verheißungen dieser himmlischen und irdischen Zeugnisse sein.
Für mein Herz ist es immer sehr köstlich gewesen, an den Umgang zu denken, den der Himmel mit der Erde im Laufe ihrer mannigfaltigen und wunderbaren Geschichte gepflogen hat, und der sich in den Gesichten, den Träumen und den Besuchen der Engel, die zu Zeiten das Volk Gottes erfreuten, und in dem Hören göttlicher Offenbarungen kundgab. Alle diese Dinge zeigen uns deutlich, daß die Himmel Zugang zu der Erde hatten und daß sie nur durch einen dünnen Schleier von ihr getrennt waren.
So lange die Erde noch unbefleckt war, ging Gott der Herr in den Garten. Und nachher, wenn auch in gewisser Beziehung von der Erde entfremdet, war Er doch stets bereit, sie um Seiner Auserwählten willen zu besuchen, wie dies die Geschichte Abrahams, Josuas, Gideons und anderer zeigt. Die Leiter, die Jakob im Traum sah, deren Spitze in den Himmel reichte, während ihr Fuß auf der Erde stand — das Hin- und Hergehen Moses zwischen dem Herrn und dem Volke — das Hinaufsteigen der Ältesten zu dem Gott Israels, den sie über dem Firmament sahen (2. Mo 24, 9—11) — alles das sind Vorbilder und Merkmale des Umgangs zwischen den Himmeln und der Erde in den Tagen des Königreichs. Dahin gehört auch jene herrliche und denkwürdige Stunde, als Jesus auf dem Berge der Verklärung vor den Augen Seiner drei Jünger verwandelt wurde und Er mit Mose und Elia Seinen Ausgang besprach, den Er in Jerusalem erfüllen sollte.
Ferner die Tat sache, daß Christus nach Seiner Auferstehung hier und da Seinen Jüngern erschien, und das Gesicht Petrus, das er in Joppe auf dem Dach des Hauses Simons sah (Apg 10). Die himmlischen Dinge enthüllen sich in solchen Augenblicken vor dem menschlichen Auge und geben uns köstliche Zeichen von ihrer Nähe. Wir bemerken diese Nähe in dem gegenwärtigen Augenblick nicht, da die Herrlichkeit sich noch nicht an ihrem tausendjährigen Platz über der Stadt der Juden befindet, aber der Glaube liest diese Andeutungen über ihre Nähe und versteht sie. Der Glaube in Elisa wünschte nicht für sich, sie zu bemerken; er bat nur, daß seinem Diener die Augen geöffnet werden möchten, aber in bezug auf seine eigene Person konnte er dies alles glauben und brauchte nicht um ein geöffnetes Auge zu bitten. Er wußte, daß der Herr der Heerscharen nahe, und daß die Berge rund um ihn her mit den Wagen und Rossen des Himmels bedeckt waren. Aber im tausendjährigen Reich wird dies alles sichtbar sein. Die himmlische Herrlichkeit und die Herrlichkeit der goldenen Stadt wird über dem Jerusalem des Landes Israel leuchten und wie eine Decke über alle ihre Wohnungen ausgebreitet sein. Die Leiter wird gleichsam aufgerichtet sein, mit ihrer Spitze in dem Himmel und ihrem Fuß auf der Erde; derselbe gesegnete Herr wird den Mittelpunkt aller Dinge bilden und, wie in den verschiedenen Teilen eines Tempels, so wird der Dienst des Lobes und der Freude begangen werden.
Jedoch sind es in diesem Verkehr stets die Himmel, welche die Erde besuchen — das Volk des Himmels wird herniederkommen zu dem Volk der Erde, nicht umgekehrt — das irdische Volk wird nur die himmlischen Besucher zu empfangen und zu bewillkommnen haben. Im Reich der Natur ist es ebenso. Die Erde gibt dem Himmel nichts, empfängt aber alles von ihm;
der Sonnenschein und der Regen kommen hernieder, um die Erde zu segnen, die Erde aber gibt dafür nichts zurück.*)
*) Die Heiligen der gegenwärtigen Zelt sollten, da sie in ihrer Berufung himmlisch sind, auch in dem Geiste ihrer Gesinnung himmlisch sein und sich stets bewußt bleiben, daß sie nur als Fremdlinge auf der Erde weilen und hier keine Heimat haben. Sie sollten ein Volk sein, das nicht von der Erde zum Himmel hinaufblickt, sondern das von dem Himmel zur Erde herniederschauf
Doch in diesem kommenden Verkehr zwischen den Himmeln und der Erde, wenn das himmlische Volk die geheimnisvolle oder tausendjährige Leiter auf- und niedersteigen wird, scheint mir — und die Schrift selbst leitet mich zu dem Gedanken — ein Wechsel der Kleidung oder ein gewisses Verhüllen der den himmlischen Heiligen angehörenden Herrlichkeit stattzufinden, sobald sie herniederkommen, um Gemeinschaft mit den Bewohnern der Erde zu machen. Die Erscheinung des Herrn nach Seiner Auferstehung aus den Toten liefert uns eine Darstellung hiervon. Er konnte zu jener Zeit eine Gestalt annehmen, wie sie für das Werk paßte, das Er gerade zu tun hatte, so die Gestalt des Gärtners bei Maria, die eines Reisegesellschafters bei den beiden Jüngern, die nach Emmaus gingen, oder die Gestalt eines freundlichen Fremden an den Ufern des Sees von Tiberias. In solchen Erscheinungen wird Er nicht in dem Himmel gesehen;
aber Er konnte Sich so verhüllen, wenn das Werk, welches Er zu tun hatte, es erforderte. So war von alters Mose in der Gegenwart Gottes unverhüllt, während er vor den Augen Aarons und der ganzen Versammlung eine Decke auf sein Angesicht legte. Eine Art von Kleidung war passend für den Himmel, eine andere für die Erde. So hatten auch die Priester, wenn sie innerhalb des Heiligtums waren, eine Kleidung, wie sie sich für diesen Platz geziemte, und eine andere, sobald sie außerhalb des Heiligtums erschienen. Sie kleideten sich für die Gegenwart Gottes anders, als für die Gegenwart des Volkes. (Vergl. 3. Mo 6, n; 16, 4. 25. 24; Hes 42,14; 44,19.)
Außerdem sehen wir in alten Zeiten diese sich oft ändernde Erscheinung des Sohnes Gottes. Er hatte mannigfaltige Gestalten, worin Er Sich zeigte und in welche Er die glänzendere Herrlichkeit, die nur für höhere Regionen passend war, einhüllte. Er erschien in einer Feuerflamme inmitten eines Dornbusches am Berge Horeb, in einer Wolken- und Feuersäule in der Wüste, und in Gestalt eines bewaffneten Kriegers vor den Mauern Jerichos. Er erschien in einer Weise, die dem Werk entsprach, das Er zu tun hatte. Dies alles sind Zeichen der wechselnden Bekleidung und Gestalt, in der alle, die „den zukünftigen Erdkreis" regieren und die Angelegenheiten des irdischen Königreiches ordnen sollen, ihres Dienstes hienieden warten werden, um dann wieder zurückzukehren und un-
verhüllt in den ihnen gehörenden himmlischen Örtern zu erscheinen.
Doch in Verbindung mit dieser Lehre von den himmlischen und irdischen Örtern und Völkern in den Tagen der zukünftigen Herrlichkeit, und in Verbindung mit der Wahrheit, daß dann ein gesegneter und wunderbarer Verkehr zwischen beiden bestehen wird, gibt es noch Freuden und Herrlichkeiten, die einem jeden derselben besonders angehören; und auf einige dieser Herrlichkeiten möchte ich hier noch aufmerksam machen.
Auferstehen und dem Herrn in der Luft zu begegnen, ist die Hoffnung, die am unmittelbarsten vor dem Herzen des Gläubigen steht. Dann ist es das Eingehen in die Wohnungen des Vaterhauses mit Ihm, Der hingegangen ist, die Wohnungen zu bereiten, wie Er zu Seinen Jüngern sagte, bevor Er von ihnen schied: „Ich werde wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß, wo ich bin, auch ihr seid". Und jenes Haus wird allen den familiären Zuneigungen, die das Herz so wohl versteht, Gelegenheit zur Ausübung geben. Der Vater wird dort sein und der Erstgeborene unter vielen Brüdern und diese vielen Brüder selbst. Und um diese Beziehungen noch inniger zu gestalten und die Zuneigungen in vollkommenem Maße zu erwecken, wird dort die Hochzeit gefeiert und die jetzt verlobte Kirche oder Versammlung wird das Weib des Lammes werden (Offb 19).
Doch es gibt im Verein hiermit noch andere herrliche Szenen und Gelegenheiten zu unvermischter Freude. „Das heilige Jerusalem" wird in den Himmeln sein, die Wohnung der Heiligen, als eines Volkes von Königen und Priestern, der Ort der Regierung und Anbetung — jene herrliche Stadt, in welcher der Baum des Lebens grünt und der Strom des Lebens seine erquickenden Wasser ergießt, in der sich das Licht, der Thron Gottes und das Lamm befinden. Die Heiligen werden dort singen und spielen, und zwar nicht mit Zymbeln und Lauten, die durch menschliche Kunst hergestellt und nur geeignet sind, irdische Freuden zu wecken (PS 98), sondern sie werden „Harfen Gottes" in ihren Händen halten, Instrumente von göttlicher Arbeit, und geeignet, Melodien wachzurufen, die des Himmels selbst würdig sind. Die Ältesten werden auf ihren Thronen
sitzen und ihre Kronen niederwerfen vor dem Thron des Lammes; die Engel werden ihre höchste Wonne darin finden, alle ihre Macht und Herrlichkeit dem Lamme zu geben, das geschlachtet ist (Offb 5).
Und bei diesem allem wird nichts sein, das die Freude stören oder hindern könnte. So wie in jenen Tagen nichts auf der Erde „den Berg der Heiligkeit Jehovas" antasten wird, so wird auch in den Himmeln nichts Eingang finden, was unrein ist. Kein Feind kann sich dort erheben, denn alle sind gerichtet; die List der Schlange ist zu Ende, denn der Same des Weibes hat ihr den Kopf zertreten. Keine Müdigkeit des Herzens oder Kälte, oder Mißmut der Seele und Mattigkeit des Geistes wird mehr sein. Die Diener werden dienen unaufhörlich und ohne Tadel; Nacht und Tag wird die Stimme der Anbetung erschallen: „Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger!"
Der Himmel wird zugleich der Schauplatz der Ruhe oder des Sabbaths Gottes sein, und die Heiligen, die nach ihrem Maße dieselbe Erquickung genießen, werden inmitten 'dieser Ruhe wohnen in Leibern, die dem verherrlichten Leibe Christi gleichgestaltet sind. Sie werden Ihm gleich sein in Seiner Herrlichkeit und Ihn sehen, wie Er ist. Sie werden leuchten „wie die Sonne" in dem Reiche ihres Vaters. Und dann werden sie die ganzen herrlichen Offenbarungen Gottes sehen und verstehen, nicht wie durch einen Spiegel, im Rätsel, sondern wie von Angesicht zu Angesicht; sie werden erkennen, wie sie selbst erkannt sind. Der weiße Stein wird sich dort finden und das verborgene Manna, der Morgenstern und die weißen Kleider, um darin vor dem Thron Gottes zu stehen und mit dem Lamme zu wandeln und auf Thronen zu sitzen (Offb 2. 5). Alle diese Dinge werden unser sein.
Das 2. und 3. Kapitel der Offenbarung enthalten eine Fülle von Ankündigungen himmlischer Freuden und Herrlichkeiten. Die darin gemachten Verheißungen enthüllen vor unseren Augen in heiliger und genauer Ordnung die Dinge, die in den zukünftigen Tagen das Teil der himmlischen Heiligen sein werden.
Ephesus. „Dem, der überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baume des Lebens, der in dem Paradiese Gottes ist".
Dies ist die einfachste Form der Verheißung. Sie sagt dem Heiligen, daß er sich, wenn wir so sprechen dürfen, von dem Kern oder dem Mark des ewigen Lebens nähren wird. Denen, die außerhalb sind, werden die Blätter .desselben Baumes zur Heilung dienen (Offb 22), doch die himmlischen Heiligen sollen mehr besitzen. Ihr Teil ist die Frucht des Baumes selbst, 'die ihnen nicht gebracht wird, sondern welche sie sich gleichsam mit eigenen Händen inmitten des Gartens Gottes sammeln. Dies deutet, wie ich nicht zweifle, auf die stete Frische dieses Lebens hin. Jesus sagt: „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben". Die himmlischen Heiligen nehmen, wie in der Verheißung an Ephesus ausgedrückt wird, unmittelbar Anteil an dem Baum des Lebens. Das ist ihr besonderes Teil, sie .empfangen Leben aus der Quelle selbst und nähren .sich von ihr.
Smyrna. — „Sei getreu bis zum Tode, und ich werde dir die Krone des Lebens geben . . . Wer überwindet, wird nicht beschädigt werden von dem zweiten Tode".
Diese Verheißung geht über die vorhergehende in etwa hinaus. Dort wurde das Leben betrachtet als in seiner reichsten Form mitgeteilt, hier bei Smyrna sehen wir es gewonnen. Die Versammlung von Smyrna wurde schwer geprüft. Einige wurden ins Gefängnis geworfen, alle befanden sich in großer Drangsal. Sie hatten vieles zu leiden, aber es wird ihnen, wenn sie treu sind bis zum Tode, die Krone des Lebens verheißen. Jakobus spricht hiervon in ähnlicher Weise: „Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben" (Kap. 11, 12). Hier wird die Krone des Lebens denen verheißen, welche die Prüfung erdulden. Es ist die Freude des Herrn, den Glauben Seiner Heiligen anzuerkennen. Wenn sie gezeigt haben, daß sie in dieser Welt ihr Leben nicht liebten, so wird es sein, als wenn sie 'es An der zukünftigen gewonnen hätten. Das Leben wird dort für sie eine Krone sein, der herrliche Lohn dafür, daß sie es hier nicht Bebten... weiterlesen
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