Himmel und Erde (2)

Himmel und Erde Seite 2 - Botschafter des Heils 1880 
©EPV
Pergamus. „Dem, der überwindet, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben, und ich werde ihm einen weißen Stein geben, und auf den Stein einen neuen Namen geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt". 
Eine neue Quelle der Freude wird hier vor uns aufgeschlossen, der Genuß der persönlichen Zuneigung und Liebe des Herrn, eine Gemeinschaft mit Ihm, wie sie nur von Herzen erkannt und verstanden wird, die in jenen Freuden und Erinnerungen, in die sich kein Fremder mischen kann, auf das engste miteinander verbunden sind. Davon wird hier zu dem treuen Überrest in Pergamus gesprochen. Er hatte den Glauben an Ihn inmitten der Schwierigkeiten bewahrt und an Seinem Namen festgehalten. Seine Belohnung besteht in den köstlichen Zeichen persönlicher Zuneigung, die das süße Bewußtsein und die bestimmte Überzeugung wecken, daß das Herz des Herrn mit ihm verbunden ist. Er wird den Gläubigen „küssen mit den Küssen seines Mundes". Es ist das verborgene Manna, von dem der Gläubige sich hier nährt, und der Stein, der ihm gegeben wird, tragt einen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt. Dies drückt persönliche Zuneigung aus. Es handelt sich hier nicht um öffentliche Freude, sondern um die Wonne, die das Herz fühlt in dem bewußten Besitz der Liebe des Herrn. Welch ein herrlicher Charakter der Freude! In Ephesus und Smyrna sahen wir den Besitz des Lebens in Überfluß und in Ehre, hier in Pergamus begegnen wir dem gesegneten Bewußtsein der persönlichen Zuneigung des Herrn.
Thyatira. „Und wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben;
und er wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe; und ich werde ihm den Morgenstern geben".
Hier kommen wir zu öffentlichen Szenen, in denen sich Macht und Herrlichkeit entfalten. Die Heiligen sollen die Gefährten des Herrn sein, wenn Er erscheinen wird, um Seine Feinde zu dem Schemel Seiner Füße zu machen, oder — um mit den Worten des 2. Psalms zu reden — sie mit eisernem Zepter zu zerschmettern und wie Töpfergefäße zu zerschmeißen. Er wird Seine Macht entfalten, wenn Er die Herrschaft übernimmt. Er wird alles ausrotten, was mit dem Reiche nicht in Übereinstimmung ist. Er wird das Schwert um Seine Hüfte gürten wie David, ehe Er den Thron besteigt gleich Salomo (PS 45). Er wird richten und Krieg führen in Gerechtigkeit, ehe das tausendjährige Reich beginnt (Offb 19). Und in dieser Ausübung Seiner Macht und Entfaltung Seiner Herrlichkeit werden 
die Heiligen, wie uns hier mitgeteilt und verheißen wird, bei Ihm sein. Dies ist gesegnet an seinem Platze und wird uns zu seiner Zeit gegeben werden, denn nach dem Leben und der persönlichen, verborgenen Freude beginnt die Einführung der öffentlichen Herrlichkeiten.
Sardes. „Sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens und werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln".
Dies geht noch einen Schritt weiter in die Szenen der Herrlichkeit hinein. Die Rache ist vollzogen, das Schwert dessen, der auf dem weißen Pferde sitzt, hat sein gerechtes Werk vollbracht, die Töpfergefäße sind zerschmettert, und das Reich ist gekommen. Hier verheißt Jesus Seinen Getreuen, daß Er sie bekennen will vor Seinem Vater und Seinen Engeln. Es handelt sich hier nicht um die Errettung von dem Gericht, oder um die Erlösung ihrer Seelen, sondern um ihre öffentliche Anerkennung vor den versammelten Würdenträgern des Reiches. Der Herr verheißt ihnen, daß sie wandeln sollen mit Ihm in weißen Kleidern, „denn sie sind es wert". Die Hand, die jetzt in Gnade ihre Füße wäscht, wird sie dann bekleiden; der Herr Selbst wird in inniger, vertrauter Gemeinschaft mit ihnen die Reiche der Herrlichkeit durchwandeln.
Welch ein neuer, herrlicher Charakter der Freude ist dies! In wie mannigfaltiger Weise schildert uns der Geist Gottes die zukünftigen Freuden der Gläubigen! Das Leben, die Liebe, die Herrlichkeit, der Baum und die Krone des Lebens, der weiße Stein, das Unterpfand der innigen Liebe des Herrn, Gemeinschaft mit dem König der Herrlichkeit auf Seinen Wanderungen durch die glückseligen, herrlichen Gefilde Seiner Herrschaft, alles das ist für sie aufbewahrt. Doch noch mehr als das hat der Geist den Versammlungen zu sagen.
Philadelphia. „Wer überwindet, den werde ich zu einer Säule machen in dem Tempel meines Gottes, und er wird nicht mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen". 
Wir haben soeben den Erben des Reiches als den Begleiter des Herrn gesehen, wandelnd mit Ihm in weißen Kleidern und anerkannt vor dem Vater und vor den Engeln; hier finden wir die Verheißung/ daß der Getreue seinen Platz in dem System der Herrlichkeit selbst haben soll. Er soll zu jener herrlichen Ordnung von Königen und Priestern gehören, die der ganzen Szene ihren Charakter geben werden, indem jeder von ihnen eine Säule in dem Tempel ist und als zu der Stadt gehörend bezeichnet wird. Welche hohen und heiligen Würden! Ein jeder der Gläubigen füllt seinen Platz aus in dem Tempel und in der Stadt, ein jeder ist ein Glied jenes königlichen Priestertums, das in den Himmeln, dort wo das neue Jerusalem ist und sein Licht ausstrahlt, errichtet wird. Welch eine Ehre wird dem verachteten Häuflein zuteil! Jeder von ihnen trägt einen Teil der Herrlichkeit in sich selbst; jedes Gefäß ist nötig zu dem vollkommenen Ausdruck des Lichtes des neuen Jerusalem und bildet einen notwendigen Bestandteil der Fülle Dessen, Der alles in allem erfüllt. Als König und Priester hat jeder einzelne seinen besonderen Platz und Rang in dem Tempel und der Stadt, dem Salem des wahren Melchisedek. Welch ein erhabener, würdevoller Platz! Wahrlich, die Liebe findet ihre Wonne darin, zu zeigen, was sie tun kann und tun will. Hätten wir nur Herzen, die diese Dinge zu schätzen verständen! Sie erzählen uns von jener Liebe, die solche Ratschlüsse in bezug auf uns gefaßt hat. Wenn Gottes Liebe uns sehen lassen will, was sie für ihre Auserwählten tun will, dann zeigt sie uns die Herrlichkeit in all ihrer Größe und Schönheit. Ist das nicht ein beglückender Gedanke?
Laodicäa. „Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron".
Diese Verheißung erreicht, obwohl sie scheinbar die erhabenste ist, nicht die Höhe der vorhergehenden. Sie entspricht dem Zustand der Versammlung in Laodicäa. Wohl verheißt sie dem, der überwindet, einen Platz in der himmlischen Herrlichkeit, ja, zu sitzen auf dem Thron des Herrn Selbst, aber sie enthält nichts von dem innigen, persönlichen Vertrautsein mit Jesu, von dem Wandel mit Ihm in weißen Kleidern oder von dem bevorzugten Platz in dem Tempel und der Stadt Gottes. Immerhin aber ist es eine herrliche, köstliche Verheißung. 
Außerordentlich große Dinge sind bei der Betrachtung dieses wunderbaren Teils der Schrift vor unseren Augen vorübergegangen: Der Baum und die Krone des Lebens — das verborgene Manna und der weiße Stein — der Morgenstern — der Wandel mit Jesu durch die herrlichen Räume des Himmels — das Wohnen in dem Tempel und der Stadt und endlich das Sitzen auf Seinem Thron. Sicher, wenn Jesus hochgeschätzt wird, so werden auch alle diese Dinge kostbar für uns sein. Und wie schon oben bemerkt, wenn wir in den Besitz dieser Dinge gelangen werden, dann wird auch eine Verbindung zwischen den höheren und niederen Regionen bestehen; wir werden in bewußter königlicher Würde und in vollkommener priesterlicher Heiligkeit die Geschäfte des Reiches versehen.
Auch wird die Herrlichkeit in uns geoffenbart werden (Röm 8); jeder Heilige wird ein Träger oder ein Gefäß der Herrlichkeit, jeder ein Kind des Lichts, ein Kind des Tages und ein Sohn der Herrlichkeit sein, verherrlicht zusammen mit Christo, um in Verbindung mit Ihm über die Schöpfung hienieden ein Licht auszustrahlen, welches das Licht der Sonne oder des Mondes weit übertrifft, so daß das gegenwärtige, sehnsüchtige Harren der Kreatur in der dann erfüllten „Offenbarung der Söhne Gottes" seine völlige Befriedigung gefunden haben wird.
„Und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein" (Offb 22, 4). Sie werden in innigem, vertrautem Verkehr mit Ihm stehen und mit Ihm reden von Angesicht zu Angesicht, wie ein Freund zum Freunde spricht, ohne Furcht oder Mißtrauen; denn ihr Recht dazu wird gleichsam von Seiner eigenen Hand gezeichnet und versiegelt sein. Er wird sie mit Sich Selbst verbunden haben; und sie werden dieses wissen, weil Sein Name an ihren Stirnen ist. Sie werden, gleichsam innerhalb aller Vorhänge, in dem himmlischen Tempel wandeln, ihren Herrn anschauen. Ihn lieben und bewundern.
Außerdem wird dann, wenn wir so sprechen dürfen, alles nach unserem Sinn sein; alles wird recht sein in unseren Augen, alles unser gleichmäßiges und völliges Wohlgefallen erregen und gerade so sein, wie wir es zu haben wünschen. Wir sehen dies im Buch der Offenbarung, in dessen Verlauf die himmlische Familie, wo sie auch immer vor unser Auge tritt, stets in der vollkommensten Übereinstimmung mit den geschilderten Vorgängen erscheint. In Kapitel 4 wird der Thron zum Gericht vorbereitet. Blitze, Donner und Stimmen gehen aus ihm hervor;
doch die Ältesten und die vier lebendigen Wesen erheben ihre Stimmen, um den Namen des Herrn Gott, des Allmächtigen, Der da sitzt und alles leitet, zu preisen. In Kapitel 5 nimmt das Lamm das Buch, und dies gibt ihnen wiederum Ursache zur Freude; sie nehmen ihre Harfen, um Ihn zu verherrlichen, und erfreuen sich an der Aussicht, die dieser Anblick vor ihnen eröffnet. In Kapitel n kündigt der siebente Engel Gericht an, aber dies verursacht nur, daß sie auf ihr Angesicht niederfallen und anbeten und danksagen. In Kapitel 12 ist der Krieg in dem Himmel und sein Ausgang ganz in Übereinstimmung mit ihren Gedanken, mit lauter Stimme verkündigen sie „Heil". In Kapitel 15 sind die Werke und Wege Gottes, Seine Ratschlüsse und Seine Macht der Gegenstand ihres Gesanges. In Kapitel 19 ruft das Gericht des Weibes, das die Erde verdarb, wieder und wieder das Halleluja der verherrlichten Familie wach. So ist alles, von Anfang bis zu Ende, ausnahmslos und völlig richtig in ihren Augen, alles 'ist genau so, wie sie es zu haben wünschen. Sie triumphieren ebenso laut, wenn der Herr erscheint als der Rächer (Offb 19), wie wenn Er Sich in Seinem Charakter als der Erlöser offenbart (Offb 5). Alles ist für sie schön zu seiner Zeit. Die Hochzeit des Lammes ist ebenso völlig in Übereinstimmung mit ihren Gedanken, wie das Gericht der großen Hure.
Alles das ist sehr verschieden von dem, was der Gläubige jetzt fühlt. Wenn er geistlich ist, so ist nichts um ihn her für lihn völlig richtig. Und dies wird immer mehr der Fall sein, je weiter die Welt auf der Bahn ihrer Erfindungen fortschreitet und je mehr sie sich in ihrem Hochmut und ihrer Anmaßung erhebt. Dies sollte in bezug auf die Stärke unserer Zuneigungen eine ernste Prüfung in uns hervorrufen. Fragen wir uns selbst, inwieweit wir durch die Sucht, die sich besonders in den letzten Jahrzehnten steigert, die Welt zu verschönern und zu vervollkommnen, beeinflußt werden? Wünschen wir uns Glück, zu einer solchen Zeit zu leben? Erfreuen uns jene weltlichen Bestrebungen, oder stimmen sie unsere Herzen zur Traurigkeit? Dies ist ein Prüfstein für den Zustand unserer Seele, ob wirklich Christus der Gegenstand unserer Herzen ist oder nicht. Der große Turm in den Ebenen von Sinear mochte der Ruhm eines Nimrod sein; Abraham aber würde sich von ihm abgewendet haben, um zu weinen. Ebenso ist das, was die Trauer und Wehklage der Kaufleute der Erde hervorruft, die Ursache des Jubels der Himmel (Offb 18).

Die wichtige Frage für uns besteht darin: Ist Christus der Gegenstand unserer Herzen, das, wonach wir uns sehnen? Gerade das wird der erhabenste und herrlichste Teil unserer reichen Segnungen im Himmel sein, daß Er unser ist, daß Er in unserer Nähe, bei uns weilt. Das, was für das Herz, bereitet wird, ist stets der köstlichste Gedanke, mit dem wir uns beschäftigen können. So war es mit Adam im Anfang. Er wurde in den Besitz jenes herrlichen Gartens gestellt, der alles in sich schloß, was die Sinne befriedigen konnten. Es gab dort Bäume und Früchte, die für Auge und Gaumen gleich angenehm waren. Die Wünsche des einen wie des anderen, ja aller Sinne und Fähigkeiten des Menschen, konnten in heiliger Weise befriedigt werden, da der Baum der Erkenntnis noch nicht berührt worden war. Gott nahm den ersten Platz ein, das Geschöpf wurde nicht höher gehalten und mehr verehrt als der Schöpfer. Alle Sinne konnten in richtiger Weise ihre Befriedigung finden, da der göttliche Pflanzer des Gartens für sie Vorsorge getroffen hatte (1. Mo 2, 9). Und mehr als das. Adam empfing aus derselben Hand die Herrschaft. Wie Gott in den höheren Welten die Sterne bei ihren Namen nannte, so gab Er auf der Erde dem Menschen das Recht, den Tieren des Feldes und den Vögeln des Himmels Namen zu geben, und machte ihn so zum Herrn der Schöpfung. Für sein Auge, sein Ohr, seinen Geschmack und sein Verlangen nach Würde und Herrschaft war in göttlicher und vollkommenster Weise Vorsorge getroffen. Doch das Herz war bis dahin unbefriedigt. Der Tag der Krönung Adams war nicht der Tag seiner Heirat. Doch der Herr kannte ihn. Er kannte das Geschöpf, das Er in Seiner Liebe und Vollkommenheit gebildet hatte. „Es ist nicht gut", sagt Er, „daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen". Und Adam empfängt Eva aus derselben Hand, die ihm den Garten Eden mit seinen Früchten und die Herrschaft über die Erde gegeben hatte. Bei dieser Gelegenheit öffnen sich seine Lippen. „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund". „Diese ist einmal Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleische", sagt Adam und drückt dadurch seine volle Befriedigung aus. Jetzt brauchte er nichts mehr. Eden mit all seinen Erfrischungen für das Auge und den Gaumen, die Herrschaft in ihrer weiten, unbegrenzten Ausdehnung, nichts konnte das in ihm bewirken, was der Anblick Evas hervorbrachte. Sie entlockte seinen Lippen das Bekenntnis, daß er jetzt befriedigt war. So wird es mit uns sein, wenn wir Jesum besitzen und für immerdar in unserem himmlischen Eden sein werden.

Es ist sehr gesegnet, diese und ähnliche durch das Wort hin zerstreuten Nachrichten über den Himmel einer eingehenden Betrachtung zu unterwerfen. Der Heilige Geist, der das Unterpfand unseres Erbes genannt wird, macht diese Mitteilungen lebendig für unsere Seelen. Und gerade diese Nachrichten und Bemerkungen sind es, die uns in einem göttlichen Sinn zu Fremdlingen und Pilgern hienieden machen. Abraham wurde nicht deshalb ein Fremdling auf der Erde, weil er in Mesopotamien Not und Elend fand, — wir lesen nichts davon —, sondern weil der Gott der Herrlichkeit in der Sprache der „Verheißung" zu ihm geredet hatte. Er verließ seine Heimat, seine Verwandtschaft und das Haus seines Vaters im Blick auf das, was vor ihm stand, aber er wurde nicht ausgetrieben durch das, was hinter ihm lag. Es war eine göttliche Fremdlingschaft hienieden.

Steht es auch so in unserer Seele, mein lieber christlicher Leser, oder wünschen wir, daß es so sein möchte? Betrachten wir stets die vor uns liegende, herrliche Aussicht und suchen wir die verschiedenen Andeutungen, die uns in betreff ihrer gemacht worden sind, zu erforschen? Das sind Fragen, die unsere Seelen beleben und leiten sollten. Eine aufrichtige Prüfung wird vielleicht Demütigung und Selbstgericht in uns hervorrufen, aber sie wird außerordentlich heilsam sein.
Um uns gleichsam eine völlige Herzensfreudigkeit zum Genuß des Himmels, der einst unser Teil sein wird, zu geben, hat der Herr uns belehrt, daß wir dort in gewissem Sinne notwendig sind, so unwichtig wir in unseren eigenen Augen auch sein mögen. Ein jeder soll, wie wir schon oben bemerkten, ein Gefäß der Herrlichkeit sein. Das eine Gefäß mag mehr enthalten als das andere, aber ein jedes hat die Fülle und ist notwendig in jenem Hause der Herrlichkeit. Unsere Gedanken sind gewöhnlich damit beschäftigt, wie notwendig der Herr für uns ist. Aber es ist ebenso wahr — zum Preise der Reichtümer der Gnade — daß wir notwendig sind für Ihn. „Das Weib ist des Mannes Herrlichkeit". Sicherlich sind wir unwichtig, wenn es sich um Leben und Errettung handelt, Er ist notwendig für das Leben, wie für die Freude, für die Errettung, wie für die Herrlichkeit; aber wir sind erforderlich, wenn Seine Freude und Herrlichkeit infrage kommt.
Gott trug Sorge für die Freude Adams, als Er beschloß, die Eva zu bilden. Sicher war Adam für Eva ein Gegenstand der reinsten und vollkommensten Freude; aber dennoch war es die Absicht Gottes, daß Adam in Eva sein Glück finden sollte. So ist es auch in der Jetztzeit, dem Zeitalter des Evangeliums. Für den wahren Adam wird jetzt Sorge getragen. „Das Reich der Himmel ist einem Könige gleich geworden, der seinem Sohne Hochzeit machte". Ebenso wird es in dem Zeitalter der Herrlichkeit sein. Die Hochzeit, die dort gefeiert wird, wird „die Hochzeit des Lammes" genannt, nicht „die Hochzeit der Kirche oder des Weibes des Lammes", sondern des Lammes, als wenn dieses der einzige Hauptteilhaber jener Freude wäre. Und so ist es auch. Die Versammlung wird ihre Freude an Christo haben, aber Christus wird eine noch größere Freude an der Versammlung haben. Für alle Ewigkeit wird Seine erlöste Brauf der Gegenstand Seiner höchsten Wonne sein. Wie in allen Dingen, so muß Er auch hierin den Vorrang haben. Seine Freude an ihr wird größer sein, als ihre Freude an Ihm.
Und alle zuvorerkannten, himmlischen Gläubigen (keiner darf fehlen) werden die Eva jenes Adam bilden und die Brauf oder das Weib darstellen, das bestimmt ist, die Freude und Herrlichkeit des Mannes zu sein. Alle sind jetzt wohl zusammengefügt und verbunden durch jegliches Gelenk der Darreichung", und ebenso werden auch dann alle erforderlich sein. Wie köstlich ist es, daß der Herr nicht allein den Himmel, sondern auch das Herz in einer Weise zubereitet, daß wir den Himmel mit völliger Freudigkeit genießen können, indem wir sehen, daß wir selbst einen notwendigen Teil der Herrlichkeit bilden. So tröstete einst Joseph seine Brüder, indem er ihnen sagte, daß Gott ihn vor ihnen her nach Ägypten gesandt habe, um sie am Leben zu erhalten. Es ist wahr, ihre verbrecherischen Hände hatten es getan, aber zugleich war es geschehen nach den Absichten und Ratschlüssen Gottes, und hierauf wollte er ihre Gedanken richten. So handelt die Liebe, und „Gott ist Liebe". Die Liebe wird nicht nur das Fest bereiten, sondern auch alles tun, was in ihrer Macht steht, damit das Fest mit allem Vertrauen und aller Herzensfreude genossen werden kann. Sie stellt nicht nur einen Tisch auf, sondern bereitet auch Sitze für die Gäste, setzt ihnen einen gefüllten Teller vor und gibt ihnen Freudigkeit zu essen.
Können wir an diese Dinge, die bald, und dann für immer und ewig, unser Teil sein werden, denken und uns selbst glücklich schätzen, daß es so ist? Können wir beim Gedanken an unsere im Himmel aufgespeicherten Schätze den Spott der Welt ertragen? Leben wir in der Hoffnung auf diese himmlische Freude, getrennt von der Erde und ihren Angeboten?
Doch auch in bezug auf die Erde gibt es große Ratschlüsse und Vorsätze Gottes, die ihrer Erfüllung noch harren. Der Regenbogen wurde einst, wie wir wissen, als Unterpfand hierfür dem Menschen gegeben. Er ist das Zeichen eines Bundes zwischen Gott und der ganzen Erde, sowie einer jeden lebendigen Seele auf ihr. Der Herr sagt, daß, wenn die Wolke kommt, der Bogen bei ihr sein wird, wenn der Vorbote des Gerichts naht, das Zeichen des Friedens erscheinen wird. Und bis zum heutigen Tage ist die Erde nicht wieder zerstört worden. Sie mag nicht mehr der Wohnplatz der Herrlichkeit sein, wie sie es einst war und später wieder sein wird, aber doch ist sie, nach der Verheißung des Regenbogens, bis zum gegenwärtigen Augenblick bewahrt geblieben. Und die Schrift belehrt uns sorgfältig und genau, daß Gott in all den verschiedenen Wegen Seiner Regierung und Handlungsweise dieser Verheißung gedacht hat, ihrer heute noch gedenkt und auch in der Zukunft gedenken wird.

Sicherlich wurde ihrer gedacht, solange der Herr Seinen Thron in Zion hatte. Diese ganze Zeit hindurch war die Erde die Wohnstätte Gottes. Und als der Thron des Herrn Zion verließ und das Allerheiligste die Herrlichkeit verlor, weil das irdische Volk durch seine Sünden seine Ruhe gestört hatte, und als alles in den Himmel zurückkehrte (Hes 1—9), sehen wir den Thron und die Herrlichkeit den Regenbogen mit sich nehmen. Das heißt: obgleich die Erde damals der Herrlichkeit beraubt wurde, obgleich Jerusalem, der Thron des Herrn, für eine Zeitlang in Trümmer gelegt und von den Nationen unter die Füße getreten wurde, wollte der Herr doch der Erde eingedenk bleiben und sie, nach Seiner Verheißung, zum Gegenstand Seiner treuen Sorgfalt machen. Wir sehen, daß die Herrlichkeit, indem sie die Erde verläßt, das Erinnerungszeichen der treuen Sorgfalt Gottes mitnimmt; der Regenbogen begleitet sie zum Himmel. Dies sagt uns, daß der Herr, obgleich Er die Erde als den Schauplatz Seiner Macht und Seines Lobes verlassen haben mag, sich ihrer dennoch stets erinnert. In Übereinstimmung hiermit sehen wir in Offb 4, wo der Himmel sich vor unseren Blicken öffnet, den Thron umgeben von dem Regenbogen, dem untrüglichen Zeichen des Bundes Gottes mit der Erde. Wie köstlich ist dieses! Der Herr ist in den Himmeln immer noch eingedenk der Erde. Er hat Seinen Thron in der Höhe gerade mit dem Unterpfande ihrer Sicherheit umgeben, so daß, obgleich die Erde diesen Thron nicht sieht und sie nicht mehr sein Standort ist, der Thron die Erde sieht, sich ihrer erinnert und gleichsam nach seinem naturgemäßen Schemel verlangt.
Dies zeigt uns die Sicherheit der Erde während der ganzen Zeit der himmlischen Verwaltung, in der wir uns jetzt befinden. Der Herr sammelt Sich jetzt ein Volk für den Himmel. Er erfüllt jetzt noch nicht die Erde mit Seiner Herrlichkeit, sondern Er sammelt Sich auf ihr eine auserwählte Familie, die Gemeinschaft mit Ihm haben soll in den Himmeln; aber dennoch gedenkt Er Seiner Verheißung. Er sieht den Bogen an und bewahrt die Erde, — Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, alles läßt Er in seinem regelmäßigen Wechsel wiederkehren (1. Mo 8, 22). Wie einfach ist dies alles! Als der Thron zuerst seinen Weg von der Erde zum Himmel zurücknahm, wurde er begleitet von dem Regenbogen, und jetzt sehen wir ihn in den Himmeln umgeben von diesem lieblichen und schönen Zeichen der Segnung der Erde.

Doch dies ist nicht alles. Selbst dann, wenn der Herr dereinst Seine gerechten Gerichte über diese Erde kommen lassen wird, finden wir Ihn ebenso eingedenk Seiner Verheißung, sie nicht zu zerstören, wie Er es jetzt ist und bis heute war. Wir sehen dies in Offb 10. Der starke Engel, der Engel des Gerichts, kommt hernieder. Er ist bekleidet mit einer Wolke, dem schrecklichen Gefäß des Zornes und Zeichen des Gerichts. Doch er ist nicht nur angetan mit der Wolke, sondern auch der Regenbogen begleitet ihn, „bekleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen auf seinem Haupte". Gott will uns ohne Zweifel hierdurch sagen, daß Er bis zum Ende hin Sich an Sein Wort erinnern wird. Das Gericht wird nur bis zu einer bestimmten Grenze gehen können; aber dann wird Gott sagen: „Bis hierher und nicht weiter!" Die Wolke muß allerdings herniederkommen, das Gericht muß ausgeübt und die Zornschalen müssen ausgegossen werden, aber nur um die zu richten, welche die Erde zerstören oder verderben, nicht um die Erde selbst zu zerstören. Der starke Engel ist bekleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen ist auf seinem Haupt; die Wolke schüttet ihre Wasser, ihre Gerichte, aus, steht aber, sozusagen, unter der Leitung und Kontrolle des Regenbogens. Der gegenwärtige Zeitlauf mag verschwinden, wie es in den Tagen Noahs geschah, aber der Bogen strahlt vor dem Auge des Herrn, Seine Verheißung lebt in Seinem Herzen, und die Erde wird der glückliche Schauplatz ihrer reichen Erfüllung sein.
Wir sehen also, daß selbst das Gericht nicht imstande ist, die alte, der Erde gemachte Verheißung anzutasten. Sie wird geliebt um Noahs willen, von welchem es hieß: „Dieser wird uns trösten über unser Tun und über die Mühsal unserer Hände wegen des Erdbodens, den Jehova verflucht hat" (1. Mo 5, 29);
oder besser gesagt, um des gepriesenen Herrn willen, den Noah vorbildlich darstellte. Um Seinetwillen überlebt sie das Gericht, — sie hält die schreckliche Erschütterung aus, die durch die Herniederkunft des starken Engels hervorgerufen wird, obgleich dieser mit einer Wolke bekleidet ist und seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde stellt und mit starker Stimme ruft, wie ein Löwe brüllt.
Doch wofür wird die Erde aufbewahrt? Für viel mehr, als der Regenbogen ihr verheißt. So handelt Gott immer. Er hält Seine Verheißungen aufrecht und ist überströmend in Seiner Treue, indem Er weit über das hinausgeht, was Er versprochen hat. So ist es auch der Fall mit der Erde. Sie wird nicht nur aufbewahrt im Verein mit ihrer Saat und Ernte, Tag und Nacht usw., sondern sie wird gebracht werden „zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes". Das ist mehr, als ihr verheißen worden ist. Die heilige Stadt kommt aus dem Himmel hernieder, um ihre Verbindung mit der Erde einzugehen; und indem sie über ihr leuchtet, entsendet sie aus ihrem Schoß die Blätter des Baumes des Lebens, die Ströme ihres lebendigen Wassers und die Strahlen der in ihr wohnenden Herrlichkeit, um die Erde und alles, was auf ihr ist, zu verschönern, zu erfrischen und fruchtbar zu machen (Offb 21; 22). Der Regenbogen braucht dann nicht mehr zu erscheinen, denn die Wolke ist nicht mehr da. So lange diese da war, befand sich der Regenbogen an seinem Platze, da die Verheißung und das Unterpfand Trost verleihen konnten inmitten des Gerichts. Jetzt aber ist das Gericht vorüber, die Wolke ist zerstreut und deshalb der Regenbogen verschwunden. Doch, wie schon bemerkt, die heilige Stadt kommt von Gott aus dem Himmel hernieder, um mehr, unendlich mehr zu tun, als bloß das göttliche Unterpfand einzulösen. Sie bewahrt nicht nur die Schöpfung, sondern verherrlicht sie. Alles wird sich dann in der Gegenwart des Herrn freuen, wenn Er kommt, um die Herrschaft über die Erde anzutreten.

Es würde uns hier zu weit führen, wenn wir von all den Vorbildern und Prophezeiungen reden wollten, die sich auf die Segnung der Erde in den Tagen des Königreiches beziehen. Die Bäume und Felder und Gewässer werden jubeln vor dem Herrn. Die Schöpfung selbst wird freigemacht sein zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Der 8. Psalm im Verein mit manchen anderen Stellen kündigt dies an. Die Stimme aller Kreatur, die auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meere ist, die von dem Propheten in seinem Gesicht gehört wird, sagt es vorher (Offb 5). Und wenn der verheißene Tag kommt, wird es sich verwirklichen; dann „wird die Wüste und das dürre Land sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und aufblühen wie eine Narzisse"; „der Wolf wird bei dem Lamme weilen und der Pardel bei dem Böcklein lagern"; „der Himmel wird die Erde erhören, und die Erde wird erhören das Korn und den Most und das Öl" (Jes 55; 11; Hos 2).
Auch die Nationen werden, wie wir wissen, ihren Platz in dem kommenden System der Herrlichkeit haben. Sie werden ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln, und anstatt den Krieg zu erlernen, werden sie die Wege Jehovas erforschen und in Seinen Pfaden wandeln. Zur bestimmten Zeit werden sie, ein jeder mit seinem Opfer, auf den König in Zion warten und ihre Freudenfeste in der Gegenwart Seiner Größe und Herrlichkeit feiern. Von den äußersten Enden der Erde wird man dem Gerechten Lieder singen, und mit willigem Herzen werden alle Völker der Aufforderung des Propheten nachkommen:
„Singet Jehova ein neues Lied, seinen Ruhm vom Ende der Erde: die ihr das Meer befahret, und alles, was es erfüllt, ihr Inseln und ihre Bewohner! Es mögen ihre Stimme erheben die Steppe und ihre Städte, die Dörfer, die Kedar bewohnt; jubeln mögen die Bewohner von Sela, jauchzen vom Gipfel der Berge her! Man möge Jehova Ehre geben und seinen Ruhm verkündigen auf den Inseln" (Jes 42, 10—12)!
Israel wird dann sicher wohnen — „ein jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum". Sie werden alle vereinigt sein. Sie werden jedermann ihren Nachbar nennen. „Ephraim wird Juda nicht beneiden, und Juda wird Ephraim nicht bedrängen" (Jes 11, 15). Die beiden geheimnisvollen Hölzer in der Hand des Propheten werden zu einem werden (Hes 57). Sie werden „eine Nation sein im Lande, auf den Bergen Israels". Und so wie in den Tagen Salomos, wird auch dann gesagt werden: „Juda und Israel waren zahlreich, wie der Sand, der am Meere ist, an Menge; sie aßen und tranken und waren fröhlich" (1. Kön 4, 20). Doch ihre Fröhlichkeit wird dann eine heilige Fröhlichkeit sein. „Das Gedächtnis deiner großen Güte werden sie hervorströmen lassen und deine Gerechtigkeit jubelnd preisen. Sie werden sprechen von der Herrlichkeit deines Reiches, und von deiner Macht werden sie reden" (PS 145, 7. n). Unter dem Gott ihrer Väter, dem Gott ihres Bundes, wird Israel reichlich gesegnet werden. Denn so spricht der Herr Gott: „Und sie werden wohnen in dem Lande, das ich meinem Knecht Jakob gegeben, worin eure Väter gewohnt haben, und sie werden darin wohnen, sie und ihre Kinder und ihre Kindeskinder/ bis in Ewigkeit; und mein Knecht David wird ihr Fürst sein ewiglich. Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, ein ewiger Bund des Friedens wird es mit ihnen sein; und ich werde sie einsetzen und sie vermehren, und werde mein Heiligtum in ihre Mitte setzen ewiglich. Und meine Wohnung wird über ihnen sein, und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein. Und die Nationen werden wissen, daß ich Jehova bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte sein wird ewiglich" (Hes 57, 25—28).
Alle diese Stellen reden von den tausendjährigen Freuden auf der Erde. In diesem System der Herrlichkeit gibt es jedoch außer der Schöpfung, den Nationen und Israel noch einen Gegenstand, der sich inmitten dieser Freuden durch seinen besonderen Glanz auszeichnet. Ich meine Jerusalem. Ich habe mich früher schon oft gefragt, woher es wohl komme, daß in der Schrift auf Jerusalem ein so hoher Wert gelegt werde, daß der Herr „die Tore Zions mehr liebe, als alle Wohnungen Jakobs" (PS 87, 2).

Es war der Ort, wo Er als der Gott und der König Israels gegenwärtig war. Sein Haus und Sein Heiligtum waren in Jerusalem. Dort wurden Seine Gesetze verwaltet und die Verordnungen Seiner Anbetung beobachtet. Die Throne des Gerichts, die Throne des Hauses Davids, die Verordnung für Israel, der Dienst der Anbetung des Namens Jehovas — alles das befand sich in dieser Stadt
(Ps 122). Es war der Ort, von dem Jehova gesagt hatte: „Mein Name soll daselbst sein", die Wohnstätte der Herrlichkeit, des Symbols Seiner Gegenwart.
Und mehr noch als das. Es war Seine Heimat. Das ganze Land war das Eigentum Jehovas, aber Jerusalem war sozusagen die Familienwohnung. Die Kinder wohnten hin und her zerstreut in den einzelnen Teilen des Landes, aber sie kamen von Zeit zu Zeit, an bestimmten Festtagen, in der gemeinschaftlichen Heimat, in dem Hause des Vaters, zusammen. Dies war es, wie ich nicht zweifle, was die Stadt für das Auge und das Herz des Herrn so besonders anziehend machte. Er suchte und fand eine Heimat in Jerusalem, und Er verließ sie, als die Sünde sie beschmutzt hatte, mit dem ganzen Zögern einer in ihren Erwartungen getäuschten Liebe (Hes 8—11).
Jerusalem war das Haus des Vaters, das Haus des Königs und der Tempel des Gottes Israels. Und dies ist mehr als genug, um uns ihre hohe Auszeichnung zu erklären. Und das alles wird sie einmal wieder sein. Sie wird wieder das Haus, den Tempel und die Familienwohnung bilden. Sie wird der Sitz der Gesetzgebung, der Anbetung, des Gerichts und der Regierung sein. 
Von ihr werden die lebendigen Wasser ausfließen, um sie in jenen zukünftigen Tagen zu der geheimnisvollen Mutter der ganzen Familie zu machen (PS 87). Die Herrlichkeit der Himmel wird über ihr scheinen und für sie den Dienst der Sonne und des Mondes versehen; sie selbst wird erhöht werden, um sich des vollen Lichtes dieser Herrlichkeit erfreuen und unter ihr wohnen zu können
(Jes 4,5; 60,1; Sach 14,10).
Sie wird die Brauf des Herrn der Erde sein, die Königin an dem Tage Seiner Macht. Er wird über sie frohlocken und sie bekleiden mit dem herrlichsten Schmuck; die ganze Welt wird sie ehren und pflegen müssen, und alle Schmach, die ihr zugefügt wird, wird Er betrachten, als ob sie Ihm Selbst angetan wäre (PS 45; Jes 60; Jer 55; Zeph 5). Dies alles ist wohl imstande, uns den Platz zu erklären, den sie in den Gedanken des Geistes einnimmt. Seine Propheten, welche redeten, getrieben durch Ihn, bezeichnen sie wieder und wieder als die Braut, die Königin und die Mutter in jenen Tagen zukünftiger Herrlichkeit. Doch was sollen wir sagen von Ihm, Der sie so mit aller Schönheit und Würde bekleidet und sie in solche Beziehungen zu Sich Selbst gestellt hat? Ist es nicht wunderbar und beglükkend, den Kreis menschlicher Zuneigungen in dem Herzen Gottes zu entdecken? Ist Freundschaft nur menschlich? Wie könnte ich das sagen, wenn ich Jesum und die Jünger betrachte, in deren Gesellschaft Er so gerne verweilte? Sind verwandtschaftliche Zuneigungen nur menschlich? Wie könnte ich dies behaupten, wenn ich an das Verhältnis zwischen Christo und der Kirche denke, von dem unzählige Schriftstellen Zeugnis geben? Ist die innige Freude des Herzens an der Heimat ebenso sehr eine göttliche wie eine menschliche Freude? Wie könnte ich daran zweifeln, wenn ich den Herrn und Jerusalem betrachte? Sicherlich, das Herz Gottes ist der Wohnsitz aller reinen und richtigen Gefühle des Herzens; der „Mensch Jesus Christus" offenbart uns dieses.
Das also ist der Zustand Jerusalems, der Erde, der Nationen und des Volkes Israel in den verheißenen Tagen der Gegenwart und Macht des Herrn. Die ganze Schrift zeigt uns, daß solche Freuden nicht genossen werden können auf der Erde in ihrem gegenwärtigen Zustand. Sie können nicht eher eintreten, bis die Erde zu einem Schauplatz der Gerechtigkeit gemacht ist, mit anderen Worten, bis der Herr sie von allem gereinigt hat, was Ihm widersteht und Ungerechtigkeit wirkt. Das Schwert des Gerichts muß dem Thron der Herrlichkeit vorausgehen. Die Erde muß von ihrem Verderben befreit sein, ehe sie wieder ein Garten heiliger, göttlicher Wonne werden kann.
Das Evangelium bringt nicht eine glückliche Welt hervor, noch erzeugt es einen Garten Eden. Sein Zweck ist ein ganz anderer; es sammelt aus der Welt ein Volk, und zwar ein himmlisches Volk für Christum. Doch die Gegenwart des Herrn wird dereinst, wenn diese Gegenwart in rechtmäßiger Weise zu ihr zurückkehren kann, eine glückliche Welt hervorbringen. Der Schluß des Buches der Psalmen zeigt uns dies. Herrlicher Schluß! Alles ist Preis und Dank; unermüdlich geben die Lippen der überströmenden Freude des Herzens Ausdruck und erkennen die ungeteilte Herrlichkeit des gepriesenen Herrn an. Doch diesem allem gingen die Leiden des Gerechten in einer bösen Welt und das darauf folgende Gericht dieser Welt voraus. Denn das Buch der Psalmen enthält das Schreien des Gerechten in einer bösen Welt, die Freuden des Geistes inmitten dieses Bösen, die mannigfaltigen Übungen der Seele auf dem Wege und endlich das Ende des Gerechten in der Freude des Lobes. Dies alles bewahrt uns vor dem Gedanken, daß Freude auf der Erde sein wird, bevor das Gericht sie gereinigt hat. — Die Ruhe muß durch das Schwert Davids für Salomo bereitet werden.
Verstehen wir dies, dann werden wir vor Enttäuschungen bewahrt bleiben und zugleich für diese Welt und in ihr keine Ruhe und Beständigkeit erwarten, bevor der Herr das Gericht ausgeübt hat. Unsere Freude besteht jetzt in Ihm, im Geiste, im Gedanken an Seine Liebe und im. Genuß Seines Friedens, indem wir Tag für Tag, in der Hoffnung auf die zukünftige vollkommene und rechtmäßige Freude mit Ihm unseren Weg fortsetzen.

Es ist eine sehr ernste Wahrheit, daß Gott dem Menschen Zeit und Raum läßt, seine Ungerechtigkeit zur völligen Reife zu bringen, damit das Gericht über ihn komme, wenn sein Stolz den höchsten Gipfelpunkt erreicht hat, und damit es das System, das er aufzurichten bestrebt ist, gerade dann vernichte, wenn es seiner Vollendung nahe scheint. Dies ist sicherlich eine feierliche Wahrheit. Aber selbst hierin ist, wie in allen Ratschlüssen und Wegen Gottes, „die Weisheit gerechtfertigt von ihren Kindern". Der Gläubige mag vielleicht bestürzt sein, wenn er diese Handlungsweise Gottes mit dem Menschen sieht, aber er billigt sie und versteht, daß es ganz richtig ist, wenn dem Menschen erlaubt wird, die völlig gereifte Frucht seiner Abweichung von Gott hervorzubringen, um dann in dem schließlichen Gericht Gottes die gerechte Antwort auf seinen Stolz und Abfall zu empfangen. Das Maß der Gottlosigkeit der Amoriter mußte voll sein, ehe das gerechte Gericht sie ereilte. Der Herr trug Babylon so lange mit Geduld, bis das Geschrei von ihr zu Ihm emporstieg. Nebukadnezar wurde erst dann seiner hohen Stellung und Würde beraubt, als er sich rühmte, die große Babel „durch die Stärke seiner Macht und zur Ehre seiner Herrlichkeit" erbauf zu haben. Der große König des Nordens in den letzten Tagen wird erst dann zu seinem Ende kommen, wenn er „die Zelte seines Palastes aufschlagen wird zwischen den Meeren und dem Berge der heiligen Zierde" (Dan 4; 11). Dies ist ernst, aber es findet die Rechtfertigung der Weisheit und die völlige Billigung des Glaubens. Gott ist gerechtfertigt in Seinen Worten und überwindet, wenn Er gerichtet wird (Röm 5, 4).

Doch genug. Ich will diese Gedanken nicht weiter verfolgen. Jedoch es Ast in diesen Tagen, wo so viel Verschiedenheit in der Denk- und Urteilsweise unter den Gläubigen besteht, wo die Finsternis und Verwirrung immer mehr zunimmt, köstlich für das Herz, sich mit Gegenständen zu beschäftigen, die alle interessieren und erfreuen, und das Auge zu richten auf jene Regionen, wo Licht und Reinheit herrschen, und wo Gott alles, sowohl die Dinge in den Himmeln als auch die Dinge auf der Erde, in Christo vereinigen wird, — auf jene Regionen, wo alles den Charakter inniger, vertrauter Nähe tragen wird, während zu gleicher Zeit die Beziehungen zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, zwischen Dem, Der heiligt, und denen, die geheiligt sind, völlig aufrechtgehalten und anerkannt werden. In vielen herrlichen Stellen des Wortes Gottes wird uns dies klar vorgestellt. Der Herr wohnte inmitten des Lagers Israels, solange das Volk ruhte, und ging mit, wenn es seine Reise fortsetzte, sowohl bei Tage als bei der Nacht, sowohl wenn es vorwärts zog als, auch wenn es zum Berge Sinai oder zum Roten Meer zurückkehrte. Aber dennoch war Er Gott, der Herr des Lagers. 
Wie spricht dies alles zu unserem Herzen! Wir beugen uns davor. Wir freuen uns, zu wissen, daß Er in einem Lichte wohnt, dem sich kein Mensch nahen kann, und daß Er zugleich gewandelt hat auf dieser Erde durch Städte und Dörfer, daß Er der Eine ist. Den niemand je gesehen hat, noch sehen kann, und daß Er uns zugleich kundgemacht worden ist durch den eingeborenen Sohn, der in des Vaters Schoß ist. Seine unumschränkte Autorität als Herr sowie Seine Heiligkeit und Unnahbarkeit als Gott sind unendlich; und dennoch ist Er „als Haupt über alles der Versammlung," gegeben.
Ich schließe hiermit diese Betrachtung; doch ich frage meine Leser und frage mich: Ist Er der Gegenstand unserer Herzen? Das Herz weiß wohl, welche Macht und welchen Einfluß der Gegenstand, der vor ihm steht, ausübt. Machen wir Jesum zu dem Gegenstand unserer Herzen? Ist ein Gefühl des Heimwehs in unseren Herzen? Hoffen wir von Tag zu Tag, Ihn zu schauen? Und sind wir fähig zu sagen: „Schafft er Ruhe, wer will beunruhigen" (Hi 34, 29)?

Möchte der Heilige Geist diese Gefühle und diese Zuneigungen mehr und mehr in unser aller Herzen wecken! Dem aber, „der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blute und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen".
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