Joseph der Patriarch, Adolf Helling

11/29/2025
von Christ-und-Buch Günter Arhelger

Inhaltsverzeichnis

Der Erzvater Jakob 2

Josephs Träume 11

Joseph, Vorbild des leidenden Christus 16

Die Brüder Josephs 22

Jakobs Schmerz und Trauer 28

Die Anstrengungen im Fleische 35

Joseph wird versucht 38

Joseph im Gefängnis 46

Josephs Erhöhung 49

Die Brüder vor Joseph 56

Neue Prüfung 65

Benjamin 69

Das Bekenntnis des Juda 79

Joseph offenbart sich seinen Brüdern 84

Israel zieht nach Ägypten 94

Diener des Pharao 97

Jakobs Glauben 100

Prophetischer Ausblick 102

Die Gnade Gottes 109

Die Verheißungen Gottes 113


Der Erzvater Jakob

1. Mose 37,1–5

„Und Jakob wohnte in dem Lande, in welchem sein Vater als Fremdling geweilt hatte, in Kanaan.“ Mit diesen wenigen, aber bedeutungsvollen Worten wird der letzte, so lehrreiche Abschnitt in dem äußerst wichtigen ersten Buch Mose eingeleitet.

Er steht in einem auffallenden Gegensatz zu Kapitel 36, das uns das mächtige Geschlecht Esaus mit seinen Fürsten zeigt. Dieselben sind ein Bild derer „die im Fleische sind und Gott nicht zu gefallen vermögen“ (Römer 8, 8). Die Söhne Esaus kennen nur ein Bestreben, sich in dieser Welt einzurichten und es sich in ihr wohl sein zu lassen. Ihr Stammvater Esaus hatte gesagt: „Siehe, ich gehe hin zu sterben, und wozu mir da das Erstgeburtsrecht?“ (l. Mose 25, 32). Denselben verderblichen Grundsatz finden wir auch bei den Nachkommen Esaus. Von ihnen wird die damalige Welt viel geredet haben. Da waren Fürsten, und nach ihrem Namen wurden Städte und Dörfer genannt (1.Mose 36, 31–43). An Zerstreuung, Unterhaltung, Festlichkeiten und Gastmählern ließen sie es nicht fehlen, auch waren Laute und Pfeife bereits erfunden (1. Mose 4, 21). Schon das älteste Buch der Heiligen Schrift, das Buch Hiob, berichtet davon, dass dies alles schon Gewohnheit und Sitte geworden war (Hiob 1, 4. 13).

Zweimal hat Gott den Jakob Engelscharen sehen lassen (l. Mose 28, 12; 32, 1. 2). ja, einmal hatte Jakob sogar mit einem Engel gerungen und obgesiegt, und Jakob ist von ihm gesegnet worden (l. Mose 32,24–32). Jetzt, nach vielen und mannigfachen Übungen war er zur Ruhe gekommen und zum erstenmal wird von ihm als Fremdling bezeugt: „Er wohnte im Lande ... im Lande Kanaan“. Zweimal erwähnte der Heilige Geist das Wort „Land“. Der Glaube Jakobs war in Tätigkeit; die ihm und seinen Vätern gemachten Verheißungen erfüllten sein Herz, wie es uns in Hebräer 11, 9 mitgeteilt wird. Gottes Gnade war bei ihm nicht vergeblich gewesen. Auf dem Wege ernster Züchtigungen und Demütigungen hatte er erfahren und auch gelernt: „Wer für sein eigenes Fleisch säet, wird von dem Fleische Verderben ernten“ (Galater 6, 8). Doch Jakob hatte in der Schule Gottes gelernt und ist ein Überwinder geworden (Römer 8, 37). Es erging ihm wie Elihu, der zu Hiob sagte: „Wenn sie hören und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage in Wohlfahrt verbringen und ihre Jahre in Annehmlichkeiten“ (Hiob 36, 11).

Jedenfalls hatte Jakob in jener Nacht die wahre Bedeutung seines neuen Namens: Israel = Gotteskämpfer, klar verstanden, da ja der Name Israel die Verheißungen in sich schloss (1.Mose 32, 22–28; 3, 10–15).

Der Titel „Fremdling“ belehrt uns, dass Jakob keinerlei Gemeinschaft noch Verbindung mehr hatte mit seinen Verwandten nach dem Fleische, dem mächtigen Geschlecht Esaus. Dagegen hatte er wahre Gemeinschaft mit Gott, zu Dem er in jener bedeutungsvollen Nacht gebetet hatte: „Ich lasse Dich nicht los, Du habest mich denn gesegnet“ (1.Mose 32, 26). Das Licht Jakobs stand weder „unter dem Bett, noch unter dem Scheffel“, sondern leuchtete allen, die mit ihm in Berührung kamen. Er lebte, soviel an ihm lag, mit allen Menschen in Frieden.

Das Wort „Kanaan“, das Land, wo Jakob wohnte, führt uns auf den Boden der Verheißungen Gottes, die Er Abraham, Isaak und ihm, Jakob, gegeben hatte.

Wohl wohnte Jakob noch in einem Zelte, als Fremdling im Lande, aber sein Herz war mit dem beschäftigt, was Gott verheißen hatte: „Eine Nation und ein Haufe von Nationen soll aus dir werden und Könige sollen aus deinen Lenden hervorkommen“ (1. Mose 35, 11). Aber wie und auf welche Weise Gott diese Verheißungen zur Ausführung bringen würde, das wusste Jakob nicht. Dennoch glaubte er dem Worte, obwohl es, menschlich gesprochen, um ihn her trübe genug aussah, besonders wenn er an seine Söhne dachte, wovon allerdings die beiden jüngsten, Joseph und Benjamin, die Söhne Rahels, eine Ausnahme machten. Sie allein werden als solche bezeichnet, welche Jakob liebte. Der Herzenszustand der übrigen zehn Söhne mit ihren großen Sünden, ließen die Blicke Jakobs von ihnen wegwenden. Es war da nichts zu erwarten; auch bestand keinerlei Geistesgemeinschaft mit ihnen, denn „welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen“ (2. Kor. 6, 14. 15).

Der Herzenszustand Josephs war ein guter und mit ihm fühlte sich Jakob verbunden. Da bestand eine enge innere Verbindung, und Geistesgemeinschaft war vorhanden, denn auch Joseph hatte kein Teil noch Gemeinschaft mit dem üblen Wandel seiner Brüder.

Das Auge Jakobs war auf Joseph, den Sohn seines Alters, gerichtet. Er war der Mittelpunkt seiner Gedanken, das Geheimnis seiner Seele im Blick auf die Verheißungen, auf deren Erfüllung er harrte. Er sollte auch erfahren, dass Gott den Glauben belohnt (Hebr. 11, 6).

Mit 1. Mose 37 beginnt im Leben Jakobs gleichsam ein neuer Abschnitt und ein neuer Hauptgegenstand tritt in den Vordergrund. Darum lesen wir. „Dies ist die Geschichte Jakobs: Joseph, siebenzehn Jahre alt, weidete die Herde mit seinen Brüdern“. Die Geschichte des zwölfstämmigen Volkes in Verbindung mit den Abraham, Isaak und ihm, Jakob, gegebenen Verheißungen, sollte aber erst durch einen größeren als Joseph, durch Jesus Christus, ihre wunderbare Erfüllung finden.

Es ist unser großes Vorrecht, an Hand der Geschichte Josephs, dem Vorbilde unseres Herrn, allen Spuren nachzuforschen, die der Geist Gottes uns vor Augen führt. In Ihm laufen alle Fäden der Verheißung zusammen. Er wird uns im Worte Gottes als „Schosskind“ vorgestellt, was auch mit „Künstler“ oder „Werkmeister“ übersetzt werden kann; als „der, welcher Seinen ganzen Willen tun wird“ (Sprüche 8, 22–31; Apostelg. 13, 22). Gott hat alles zuvor erwogen und einberechnet, wie verwirrend auch alles im Hinblick auf Israel und die Kirche aussehen mag.

Es ist wunderbar, wie der Heilige Geist in zwei kurzen Versen Jakob und seine Söhne schildert und uns von dem Fremdling im Lande der Verheißung wie auch von seinem Glauben Kunde gibt. Auch findet sich fortan nichts mehr, was Gott zu tadeln hätte; alles ist schön und lieblich, welche Glaubensproben es auch noch geben mochte.

Joseph tritt in den Vordergrund; auf ihn lenkt der Heilige Geist unsere Blicke.

Zunächst sehen wir ihn im Alter von nur siebzehn Jahren, ein Bild jugendlicher Frische. Es ist sehr bedeutungsvoll, dass uns als erste Tätigkeit Josephs sein Hirtendienst gezeigt wird. Im Auftrage des Vaters weidete er als Hirte mit seinen Brüdern die Herde seines Vaters. Er war gleichsam Knecht „bei den Söhnen Bilhas und bei den Söhnen Silpas, den Frauen seines Vaters“ (l. Mose 37,2).

So sehen wir auch den Herrn Jesus bei Beginn Seiner öffentlichen Laufbahn inmitten Seiner Brüder nach dem Fleische. In Matthäus 3, 13–17, hören wir, wie des Vaters Wohlgefallen über Seinen geliebten Sohn zum Ausdruck kommt. Er, der einzige Gerechte und Abgesonderte, hatte bei der Gelegenheit der Taufe im Jordan keine Sünden zu bekennen. Ihn bewog allein die Gnade und die Liebe zu dem Sünder, sich durch Johannes taufen zu lassen, „um alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Deshalb öffnete sich der Himmel über Ihm. So wird uns auch Joseph schon in jugendlichem Alter als auf Gottes Seite stehend gezeigt.

Christus hasste das Böse und die Werke der Finsternis, darum sagte Er zu Seinem Vater, dass Er die Gerechtigkeit und die Wahrheit liebe. Dies geschah nicht im Sinne fleischlicher Überhebung oder böser Anklagesucht. Joseph müssen wir stets als das Vorbild von Christus sehen, dann ist alles einfach, ergreifend und schön. Die Früchte des neuen Lebens waren auch im Alten Bunde dieselben, wie wir sie im Neuen Testament finden. „Die Weisheit von oben ist aufs erste rein, sodann friedsam, gelinde, folgsam ... „ (Jakobus 3, 17; siehe auch Psalm 1, 1; 119, 9; Sprüche 3, 17).

Wie Joseph seinem Vater Mitteilung machte von dem üblen Wandel seiner Brüder, so mag auch der Herr Jesus hienieden oft und viel mit Seinem Gott und Vater über den tieftraurigen Zustand des Volkes Israel geredet und fürbittend sich für dasselbe verwandt haben; ja, Er weinte über Jerusalems Verstocktheit. Wenn schon Moses, Jeremia, Daniel, Esra trauerten und weinten und sich im Blick auf die Schuld und die Sünde des Volkes in tiefer Reue und Demut vor Gott beugten, wie viel mehr wird dies bei dem Herrn Jesus der Fall gewesen sein; allerdings mit der Ausnahme, dass an Ihm keinerlei persönliche Schuld zu finden war.

Joseph empfand tief, dass durch den schlechten Wandel seiner Brüder eine große Schmach auf seines Vaters Haus und dessen Ansehen fiel. „Jakob sprach zu Simeon und Levi: Ihr habt mich in Trübsal gebracht, indem ihr mich stinkend machet unter den Bewohnern des Landes“ (1. Mose 34, 30). Wir sehen also Joseph als den „Abgesonderten“ unter seinen Brüdern. So bezeichnet ihn Jakob (1. Mose 49, 26).

Joseph erhielt von seiten seines Vaters ein öffentliches Zeugnis seiner Zuneigung und Liebe zu ihm; der Vater machte ihm einen langen Leibrock, wie ihn damals nur die Vornehmen und die Königskinder trugen. Die Schönheit seines Charakters und seine göttliche Gesinnung erfreuten das Herz seines Vaters Jakob. So verband sich seine Seele mit Joseph, dem Sohne seines Alters. Er hielt fest an der Verheißung Gottes, dass Könige aus ihm hervorkommen würden, vor allem der „Same“, der verheißene Christus.

Ebenso wie Joseph von seinem Vater, wurde auch der wahre Abgesonderte unter Seinen Brüdern, der Herr Jesus, am Jordan öffentlich ausgezeichnet. Von der Zeit an sehen wir den Herrn Jesus, mit Heiligem Geiste und mit Kraft gesalbt, Seine öffentliche Laufbahn beginnen. Er besaß wunderbare Gaben der Heilungen, Wunderwirkungen; Er konnte Tote auferwecken, Teufel austreiben usw. Es wurde öffentlich gesehen und Er bezeugte durch Seine Werke und durch seine Worte, dass Er der Sohn Gottes, der Gesalbte war (Jes. 42, 1; 61, 1–3; Joh. 5, 36; 10.25).

Bei Joseph war es ein erworbenes Wohlgefallen, das ihm von seiten seines Vaters zuerkannt wurde. Ebenso beim Herrn Jesus. Er begann in dem Augenblick, als Er in die Mitte derer trat, welche bei der Taufe durch Johannes im Jordan ihre Sünden bekannten. „Du hast zu den Heiligen gesagt, die auf Erden sind, und zu den Herrlichen: An ihnen ist alle Meine Lust“ (Psalm 16, 3), fand hier seine Erfüllung.

Wenn es kein erworbenes Wohlgefallen gewesen wäre, so würden wir dieses Wort schon bei der Geburt des Herrn gehört haben, da Er doch damals schon derselbe geliebte Sohn des Vaters war wie am Jordan und auf dem Berge der Verklärung. Auch als Kindlein war der Herr Jesus der Sohn, der in des Vaters Schoss war und ist, der stete Gegenstand Seines Wohlgefallens (Psalm 22, 9–10; Lukas 2, 49). Doch dies sind alles Geheimnisse, die wir mit unserem natürlichen Verstand weder zu erfassen, noch zu erklären vermögen (Matth. 11, 2).

Durch die Auszeichnung Josephs mit dem langen Leibrock ist in wunderbarer Weise vorbildlich geoffenbart, was beim Herrn Jesus am Anfang Seiner öffentlichen Laufbahn vollkommen zum Ausdruck kam: Der Vater hat Ihn versiegelt und der Heilige Geist kam auf Ihn in Gestalt einer Taube hernieder.

In den ersten Versen von 1. Mose 37 sehen wir vorbildlich, wenn auch nur in schwachen Umrissen, die Drei–Einheit–Gottes: Jakob als Vater, Joseph als Sohn und die Früchte des neuen Lebens, das Zeugnis des Heiligen Geistes (Vers 1–3).

Am Jordan sehen wir gleichfalls das öffentliche Zeugnis der Drei–Einheit: Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Die christliche Taufe bringt diese Wahrheit ebenfalls zum Ausdruck (Matth. 28, 19).

Gott, der Vater, dessen Stimme aus dem Himmel ertönte; Gott , der Sohn , im Jordan getauft, alle Gerechtigkeit erfüllend, und Gott, der Heilige Geist, in Gestalt einer Taube – Bild der Reinheit und Unschuld – auf Jesus herniederkommend, auf Ihn, der gekommen war, den Willen Gottes zu erfüllen, als der geliebte Sohn, gesandt vom Vater – Gott geoffenbart im Fleische – wie wunderbar ! Der Schritt in den Jordan endigte am Kreuze, denn nur so konnten unsere Sünden getilgt und geordnet werden, entsprechend der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes. Johannes der Täufer hatte am Jordan ja auch gesagt, dass sie an Den glauben sollten, der nach ihm kommen würde, das ist an Jesus (Apostelg. 19, 4). Und hinblickend auf Jesus, der da wandelte, spricht er: „Siehe das Lamm Gottes!“ (Joh. 1, 36).

(Jak 3,16)

Die Auszeichnung Josephs durch den Vater erregte den Hass seiner Brüder, so dass sie ihn nicht einmal mehr grüßen wollten. So lesen wir auch von dem Herrn Jesus: „Sie haben Ihn ohne Ursache gehasst“ (Joh. 15, 25). Dieser Hass der Brüder Josephs endete schließlich an der letzten Station: sie wurden Menschenmörder (1. Mose 37, 20). Dasselbe taten die Juden, die die Mörder des Herrn Jesus wurden. In Apostelgeschichte 7, 9. 52 wird der Neid der Brüder Josephs als die Ursache zu dessen Verkauf nach Ägypten angeführt. Wie ernst sind stets die Folgen von Neid und Hass unter den Menschen, sowohl im familiären Umgang wie auch in den Beziehungen der Kinder Gottes untereinander. Wie manches vorher so liebliche und schöne Verhältnis wurde durch Neid getrübt oder auch ganz zerstört. Es bedurfte langer Zeit, um den Schaden zu heilen, doch der Anfang von allem war der Neid.

In Gerechtigkeit zu wandeln und die Brüder zu lieben, sind die Kennzeichen des neuen Lebens der Kinder Gottes. Die Liebe ist aus Gott, sie bedeckt eine Menge von Sünden und hält diese zurück. In Kolosser 3, 14 wird die Liebe das „Band der Vollkommenheit“ genannt. O lasst uns streben nach der Liebe! (1. Kor. 14, 1).

Bei Joseph sehen wir beides: er wandelte in Gerechtigkeit und in Liebe. Bei dem Herrn Jesus sehen wir auch beides und zwar in einer restlos vollkommenen Weise. O wie weit bleiben wir bei einem Vergleich mit Ihm zurück.

Wie traurig, dass man einen Menschen, der anderen nur Gutes getan, ihnen nur Gnade, Liebe und Erbarmen zuwandte, ihre Armen mit Brot speiste und alle seine Kräfte nur im Dienste für andere verzehrte, hassen konnte. Alle ließen sich aufwiegeln zu rufen: „Hinweg, hinweg! Kreuzige Ihn !“ (Joh. 19, 15). In Psalm 109, 3–5 sehen wir den Herrn Jesus kurz vor der Kreuzigung in den Händen der Gesetzlosen. Da offenbarte sich völlig der traurige und gottfeindliche Zustand des Menschen. Gott allein offenbart und ergründet die Tiefe des verderbten, entsetzlich bösen Herzens der Menschen (Jer. 17, 95). Sogar Pilatus der Heide – wusste, dass die Hohenpriester und Ältesten Jesus nur aus Hass und Neid überliefert hatten (Matth. 27, 18).

Die Brüder Josephs liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse, die ihres Bruders aber gerecht. Das gleiche lesen wir von Kain (1. Joh. 3, 12).

Welche Gnade, ein Interesse zu haben an allem, was mit Gott in Verbindung steht, wie auch an der kostbaren Person des Herrn Jesus ! „Denn euch, die ihr glaubet, ist die Kostbarkeit“, schreibt der Apostel Petrus (l. Petrus 2, 7).

In den Tagen, da der Herr Jesus hienieden war, nannte Er auch nur eine ganz kleine Herde Sein eigen. Wenige waren es, die an Ihn glaubten, Ihn liebten und Ihm dienten (Lukas 8,1–3). Diese Wenigen hatten geöffnete Augen und Ohren, sie hatten Seine Herrlichkeit angeschaut, „eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1, 14). Sie hatten von Ihm Worte des ewigen Lebens gehört (Joh. 6, 68. 69). ja, wohin hätten sie auch gehen sollen? Mochten andere sich abwenden – sie waren an Ihn gefesselt. Das gilt auch uns Kindern Gottes. Wir sehen und genießen alles durch den Glauben in der Kraft des Heiligen Geistes, des Geistes, Der von dem Seinen nimmt und uns gibt. Der Geist ist es, der in die ganze Wahrheit leitet und auch das Kommende uns verkündigt (Joh. 16, 13–15).

Der natürliche Mensch nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, es ist ihm eine Torheit (l. Kor. 2, 14). Wenn aber der Sünder sich vor Gott demütigt und begehrt, von Gott belehrt zu werden, dann erfreut dies das Herz Gottes und Er naht sich zu ihm und offenbart sich ihm als der Gott–Heiland (Jakobus 4, 7. 8). Freilich ist alles Gnade. Für den Stolz des Menschen bleibt nichts übrig, denn wer sich rühmt, rühme sich des Herrn (Römer 3, 27. 28; 1. Kor. 1, 31).

Wie betrübend und schmerzlich ist es für den Herrn, wenn wahre Gläubige, Kinder Gottes, wenig oder gar kein Bedürfnis haben, sich mit den wunderbaren, ewigen Dingen und besonders mit der kostbaren Person des Herrn Jesus zu beschäftigen! Dann wird das Herz mit der Zeit ganz kalt, das Lesen des Wortes Gottes und das Gebet kommt zum Stillstand und schließlich verliert sich das Herz in den Dingen dieser Welt. Ach wie arm, leer und trostlos ist ein solches Leben ! Magerkeit ist das Teil einer solchen Seele (Psalm 106, 15).

Josephs Träume

1. Mose 37, 5–11

Mit Vers 5 beginnt nun ein neuer Abschnitt im Leben Josephs, nämlich das besondere Verhältnis Josephs zu seinem Gott. Jehova offenbart sich Joseph durch Träume und teilt ihm dadurch Seine Gedanken und Ratschlüsse mit. Es sind zwei Träume und sie enthalten die Geschichte Josephs und im Vorbild die Geschichte des Herrn Jesus.

Obwohl Joseph den Herzenszustand seiner Brüder kannte, zögert er nicht, ihnen die ihm gewordenen Offenbarungen mitzuteilen. So hat auch der Herr Jesus auf Seiner Erdenpilgerschaft nicht gezögert, Seinen Jüngern und dem Volke Gottes Gedanken kundzutun und ihnen die Worte mitzuteilen, die Er vom Vater empfangen hatte. Er hatte für alle eine Botschaft des Heils und des Friedens, aber auch der Warnung. Er war und ist der treue und wahrhaftige Zeuge.

Im ersten Traum handelt es sich um die Erde. Auf dem Felde wird das geschnittene Getreide zu Garben gebunden. Josephs Garbe richtete sich auf und blieb aufrecht stehen. Die Garben seiner Brüder kamen und bückten sich vor Josephs Garbe. Viermal wird das Wort Garbe erwähnt. Da sprachen Josephs Brüder zu ihm: „Solltest du gar König über uns sein, solltest du gar über uns herrschen?“

Auch hier haben wir in der Garbe Josephs ein Bild von dem Menschensohne Jesus Christus, denn auch Israel verwarf Seinen Messias und König und sagte: „Wir wollen nicht, dass Dieser über uns herrsche.“ „Er wurde abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen“ (Jes. 53, 8). Er erduldete den Tod; stand aber am dritten Tage auf aus den Toten. Als der große Sieger und Triumphator verließ Er das Grab, das römische Kriegsknechte vergeblich bewachten; wie es denn auch nicht möglich war, dass Er von dem Tode behalten würde (Apostelg. 2, 24). „Wir wissen, dass Christus aus den Toten auf erweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn“ (Römer 6, 9).

Die Erstlingsgarbe, welche „am anderen Tage nach dem Sabbat“ dargebracht wurde, stellt uns vorbildlich den Herrn Jesus in Seiner Auferstehung vor Augen (3. Mose 23, 9–14). Er ist der „Erstling der Entschlafenen“, der Erstling der neuen Ernte, der Fürst der Könige der Erde (Offenbg. 1, 5). ja, Er ist das Lamm, das da steht und stehen wird in alle Ewigkeit (Offenbg. 5, 6). Der Löwe aus Juda hat auf Golgatha überwunden. Darum hat Gott Ihm auch alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden und aller Knie werden sich vor Ihm beugen und jede Zunge bekennen, dass Er der Herr ist (Philipper 2, 9–16). Die Zeit wird kommen, wo Christus als Herr und König herrschen und auf der ganzen Erde anerkannt sein wird (Jes. 32, 1; 11, 10–16). Auch für Sein irdisches Bundesvolk Israel wird dann erfüllt sein, was in Psalm 45, 2; 110, 3; Hohelied 6, 12 und anderen Stellen geschrieben steht. Im Glauben schauen und genießen wir heute schon diese wunderbaren Dinge (Hebr. 2, 9).

Beim zweiten Traum handelt es sich um die Himmel. Der auf Erden verworfene Messias und König der Juden – der Sohn Gottes – wird nach Psalm 110 Seinen Platz zur Rechten Gottes im Himmel einnehmen, ja, Er ist über alle Himmel erhöht und mit Ruhm und Ehre bekleidet.

Sonne, Mond und Sterne verneigen sich vor Joseph. Sie sind ein Bild der himmlischen Erlösten, die im Verein mit den Engelscharen sich alle vor dem verherrlichten Herrn verneigen.

Das später auf Erden errichtete Königreich, von dem im ersten Traum die Rede ist, steht in engster Verbindung mit dem Himmel. Das messianische Königreich, das wir kurzweg das Tausendjährige Reich nennen, wird von oben her regiert, verwaltet und gesegnet werden. Es gibt in diesem Reiche eine irdische und eine himmlische Herrlichkeit, aber alles wird in lieblicher, wunderbarer und vollkommener Harmonie sein. So wird es auch im neuen Himmel und auf der Neuen Erde nach Offenbarung 21, 1–8 verschiedene Herrlichkeiten geben. „Und es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber. Aber eine andere ist die Herrlichkeit der himmlischen, eine andere die der irdischen“ (1. Kor. 15, 40). Alle aber werden den Sohn ehren (Joh. 5, 23). Dies ist der Hauptgedanke in den zwei Träumen.

Diesen wunderbaren Platz mit allen Herrlichkeiten hat sich der Herr Jesus erworben. Alle irdische wie auch die himmlische Herrlichkeit wird Ihm gehören, denn Er hat sie auf dem Wege tiefster Leiden, demütigster Erniedrigung und des Gehorsams bis zum Tode, ja, zum Tode am Kreuz, erworben. „Von der Mühsal Seiner Seele wird er Frucht sehen und sich sättigen“ (Jes. 53, 11). „Er kommt heim mit Jubel und trägt Seine Garben“ (Psalm 126, 6).

Im ersten Traume haben wir wohl mehr Christi Verwerfung als Messias und König, wie die Antwort der Brüder Josephs durchblicken lässt. Im zweiten Traume wird uns mehr Seine Verwerfung als Sohn Gottes vorgestellt, woran auch die Nationen beteiligt sind. Dementsprechend hat der Herr jetzt auch Seinen himmlischen Platz, aber auch Gewalt über alles Fleisch. Er ist droben verherrlicht. (Siehe Joh. 17, 1–5). Beides steht in engster Verbindung miteinander und kann nicht getrennt werden. Denken wir an die Verklärung auf dem Berge (Matth. 17, 1–8).

Am Ende Seiner irdischen Laufbahn, nachdem Er vergeblich gepredigt, gearbeitet und umsonst Seine Kraft verzehrte (Jes. 49, 4–6) und das Kreuz schon seine Schatten auf Seinen Weg warf, redet Er von Seinem Tode und von Seiner Auferstehung, wie auch vom Sitzen zur Rechten der Macht Gottes und zugleich auch von Seinem Kommen mit den Wolken des Himmels (Markus 14, 62; Lukas 22, 69). So lassen auch die vom Herrn geredeten Worte in den letzten Tagen und Stunden Seines Hierseins auf Erden mehr Seine himmlischen Beziehungen zu Seinem Vater hervortreten, wie wir es besonders im Evangelium Johannes finden. (Siehe Johannes 13.) In Kapitel 17 verlässt der Herr gleichsam diese Erde und nimmt Seinen Platz droben ein. Alles dieses finden wir in den beiden Träumen Josephs vorgebildet.

Die Antwort der Brüder Josephs, wie auch ihre feindliche Gesinnung ist bei beiden Träumen dieselbe und zeigt uns das Bild des natürlichen, nicht wiedergeborenen Menschen in Unglauben und Feindschaft gegen Christus und zwar sowohl seitens der Juden als auch der Nationen (Heiden).

Auch Jakob, der Vater Josephs, vermochte sich in jener Stunde nicht zu der Höhe der Gedanken Gottes zu erheben, als Joseph ihm den zweiten Traum mitteilt. Mit Schelten gibt er ihm eine missfällige Antwort: „Was ist das für ein Traum, den du gehabt hast? Sollen wir gar kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir zur Erde niederzubeugen?“ (l. Mose 37, 10). Ja, Jakob erwies sich unfähig, die Gedanken Gottes über Joseph zu erfassen. Dasselbe sehen wir bei den Eltern des Herrn Jesus, die ebenfalls ihrem Missfallen Ausdruck gaben: „Kind, warum hast du uns also getan?“ (Lukas 2, 48–50).

Joseph widersprach seinem Vater nicht und das war für ihn ganz am Platze. Der Herr Jesus jedoch erinnert Seine Eltern daran, dass für Ihn noch eine höhere und zwar eine himmlische Verbindung mit Seinem Vater bestand. Aber ergänzend heißt es: „Und Er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth, und Er war ihnen untertan.“

Immerhin fühlt Jakob anders in diesem Augenblick, anders als seine ungläubigen Söhne, die Brüder Josephs, denn von ihnen heißt es: „Sie waren eifersüchtig auf ihn“, aber von Jakob lesen wir: „Er bewahrte das Wort“ (1. Mose 37, 11). Ebenso heißt es von der Mutter Jesu: „Und sie bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen“ (Lukas 2, 51).

So vermochten auch die Jünger sich nicht zu den Gedanken des Herrn zu erheben, sie dachten und erwarteten nur eine irdische Entfaltung der Macht des Herrn. Gleicherweise war es auch bei Jakob. All ihre Namen waren im Himmel angeschrieben, und mochte auch alles den Stempel der Schwachheit tragen, so liebten sie doch den Herrn, folgten Ihm nach, dienten Ihm und bezeugten, dass Er der Sohn Gottes, der König Israels, sei.

Wir finden in 1. Mose 37, 1–11 im Vorbilde vier Herrlichkeiten von Christus:

Joseph als Hirte unter seinen Brüdern.

Joseph als der geliebte Sohn.

Joseph als König inmitten seiner Brüder.

Joseph verherrlicht und erhoben, mit Ehre und Macht gekrönt.

Joseph, Vorbild des leidenden Christus

1. Mose 37, 12–24

Bis dahin hat der Heilige Geist uns in kurzen Zügen an Hand des Vorbildes Josephs den Weg des Christus unter Seinem Volke geschildert, so wie auch Seine Verwerfung durch Seine Brüder nach dem Fleische, die Juden, dann Seinen Tod, Seine Auferstehung und Seine Verherrlichung. Von Vers 12 an finden wir mehr den persönlichen Weg Josephs und vorbildlich die persönlichen Leiden, die auf Christus kommen sollten, bevor Er aufgenommen wurde in Herrlichkeit. Wir erkennen in allen vier Evangelien Seinen Weg zu Seinen Brüdern, Seine tiefen Leiden und Seinen Tod, dann aber auch die Herrlichkeiten danach.

Die Söhne Jakobs weideten die Herde in Sichem. Dort hatte Jakob die Götzen vergraben und sein Haus gereinigt (1. Mose 35, 1–5). Ebenso war nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft der Götzendienst aus dem Lande verschwunden. Der Messias wurde von den Gläubigen erwartet. (Vergl. Maleachi 3 und 4; Matthäus 1–4; Lukas 1–3.)

Jakob sandte nun Joseph nach Sichem, um nach dem Wohlergehen seiner Söhne und der Herde zu fragen und die schöne Antwort lautet: „Hier bin ich!“ Obwohl Joseph mit dem Herzenszustand seiner Brüder vertraut war, war er dennoch bereit, seinem Vater zu gehorchen und den Befehl auszuführen. So begann auch der Herr Jesus Seine öffentliche Laufbahn in dem Bewusstsein und in der Erkenntnis, welch ein Empfang Ihm Sein Volk nach dem Fleische bereiten würde: Nach einem oberflächlichen „Hosanna, dem Sohne Davids!“ folgte das furchtbare „Kreuzige Ihn, kreuzige Ihn!“

Psalm 17 schildert uns in kurzen Worten den Weg des Herrn Jesus als gehorsamer, abhängiger Mensch. Prophetisch redet dieser Psalm von Seinem Tode, Seiner Auferstehung und den Herrlichkeiten danach. Dies alles stand vor dem Auge des Herrn, als Er hienieden war. Jakob sandte aus Liebe und Besorgnis um seine Söhne das Beste, was er hatte: Joseph, seinen geliebten Sohn. Joseph geht mit liebevollem Herzen, denn die Liebe rechnet Böses nicht zu. Neue Hoffnungen erfüllten sowohl den Vater, als auch den Sohn (Markus 12, 6). Jakob sandte Joseph aus dem Tale von Hebron; Hebron ist der Ort des Todes wie auch der Auferstehung. Dort hatte Abraham Sarah begraben und konnte sich im Blick auf die Auferstehung von seiner Toten wegwenden (1. Mose 23).

Zu Hebron wurde auch David zum König über ganz Israel gesalbt (2. Samuel 5, 1–3). Der Herr Jesus redete zu Seinen Jüngern von Seinem Tode und von Seiner Auferstehung, als stünde Er gleichsam im Tale von Hebron.

Joseph konnte seinem Vater die gewünschte Antwort nicht bringen. Aber nach der wunderbaren Antwort, die der Herr Jesus Seinem Gott und Vater gebracht hat, kommt auch der Tag, da Er im Blick auf Israel Seinen Brüdern nach dem Fleische vor aller Welt die Antwort bringen wird. Er wird Seinem Volk Israel Wohlergehen und vollen Segen zuwenden im Einklang mit den Verheißungen des Vaters, sowie auch nach dem Verlangen Seines liebenden Herzens.

Joseph aber fand seine Brüder nicht. Ohne jede Verbindung mit dem Vater wie auch mit Joseph waren sie eigenwillig aufgebrochen, ohne sich um die familiären Beziehungen zu kümmern. Joseph hätte zurück kehren können, doch der Vater rechnete auf eine Antwort und so irrte er, seine Brüder suchend, umher. Der Herr Jesus irrte nie; Ihm war alles bekannt. Auf die Frage eines Mannes: „Was suchst du?“ erfolgt Josephs schöne Antwort: „Ich suche meine Brüder! tue mir doch kund, wo sie weilen“. Daraufhin teilt ihm der Mann mit, dass seine Brüder nach Dothan aufgebrochen seien. Josephs Liebe trieb ihn, seine Brüder in Dothan aufzusuchen und er fand sie in Dothan. Liebe und Gehorsam waren die Triebfeder seines Tuns.

Dothan lag an der großen Handelsstrasse, welche von Syrien durch Kanaan nach Ägypten führte und auch zur Zeit des Herrn Jesu noch bestand. Daselbst hatte auch Gott Seinen Knecht Elisa vor seinen Feinden bewahrt (2. Könige 6, 13). Das Dothan für den Herrn Jesus lag am Ende Seiner Laufbahn hienieden. Vergeblich hatte Er sich um Sein Volk bemüht; „für nichts Seine Kraft verzehrt“ (Jes. 49, 4). Dothan lag am Ende Seiner letzten Reise nach Jerusalem (Markus 10, 32–34; Matth. 16, 21).

Die Leiter des jüdischen Volkes beschlossen, wie uns die Evangelien berichten, den Tod des Christus, als Er zur Zeit des Passahfestes in Jerusalem weilte. Um aber einen befürchteten Aufstand zu vermeiden, sollte diese Absicht erst nach dem Feste ausgeführt werden (Matth. 26, 3–5). Aber nach dem Willen und Ratschluss Gottes, wie den Worten des Herrn Jesus selbst, sollte Jesus vor dem Feste überliefert und gekreuzigt werden. Und so geschah es. (Matth. 26, 1–2. 18; Joh. 13, 1).

Joseph wusste nicht, was ihm in Dothan widerfahren würde, doch von dem Herrn Jesus lesen wir, „dass Er Sein Angesicht feststellte“, nach Jerusalem zu gehen, in Übereinstimmung mit dem, was in Jesaja 50, 5–6 gesagt wird, wo von den Leiden des Herrn Jesus von Seiten der Menschen die Rede ist. Der Herr hatte wiederholt zu Seinen Jüngern gerade von diesen Leiden geredet, wie auch von Seinem Tode und von Seiner Auferstehung.

Der Herr Jesus verwirklichte voll und ganz das Wort Josephs: „Ich suche Meine Brüder“. Er suchte die verlorenen Schafe aus dem Hause Israel. Für Ihn gab es kein Zurück, denn nur so konnten die Schriften erfüllt werden und sich das Vorbild von Joseph verwirklichen. Auf dem Obersaal sagte der Herr zu Judas, nachdem dieser den Bissen vom Passah–Lamm aus der Hand Jesu genommen hatte: „Was du tust, tue schnell“ (Joh. 13, 26–30). „Der Kelch, den Mir der Vater gegeben hat, soll Ich den nicht trinken?“ (Joh.. 18, 11). „Wie sollten denn die Schriften erfüllt werden, dass es also geschehen muss?“ (Matth.26,54).

Als die Brüder Josephs den ihnen unbequemen, verhassten Bruder sahen, sprachen sie zueinander: „Siehe, da kommt jener Träumer! So kommt nun und lasst uns ihn erschlagen und ihn in eine Grube werfen, und wir wollen sagen: Ein böses Tier hat ihn gefressen; und wir werden sehen, was aus seinen Träumen wird.“ So überlegten auch in Jerusalem, im Hofe des Hohenpriesters Kajaphas, die Führer des Volkes miteinander und ratschlagten, damit sie Jesus mit List griffen und töteten (Matth. 26, 3–4). In dem wunderbaren Gleichnis vom Hausherrn, der „noch einen geliebten Sohn“ hatte, und von dessen Knechten getötet wurde, zeugt der Herr zum voraus von Seinem Leidens– und Sterbenswege (Matth.21,33–41). „Kommt, lasst uns Ihn töten !“ das war die Antwort des Menschen auf die Sendung des „einen geliebten Sohnes“.

So wie sich in Dothan eine Grube befand, in welche sie Joseph werfen wollten, so hatte man auf Golgatha auch ein Grab – eine Grube, eine Felsenkluft – bereit gestellt, wie wir in Jesaja 53, 9 lesen: „Man hat Sein Grab bei Gesetzlosen bestimmt, aber bei einem Reichen ist Er gewesen in Seinem Tode“.

Da kam aber das Gewissen Rubens in Tätigkeit und er wollte Joseph retten. So schlugen auch beim Tode Jesu viele an ihre Brust, obwohl sie vorher gerufen hatten: „Kreuzige Ihn !“

Ruben trug als Erstgeborener eine größere Verantwortung, auch hätte er nicht den Rat erteilen sollen: „Werfet ihn in die Grube, die in der Wüste ist“. Freilich wollte er ihn aus ihrer Hand erretten, um ihn wieder zu seinem Vater bringen zu können, aber er hatte sich schon zu weit in das Böse eingelassen gehabt und nun fehlte die Kraft zur Entscheidung. Es war ein schlechter und böser Rat, Joseph in die Grube zu werfen, und an diesem grausamen Rat war auch Ruben beteiligt gewesen. Man zog Joseph den langen Leibrock aus. Zweimal wird der Leibrock genannt. So wird in Johannes 19, 23 unter dem Kreuze der Leibrock Jesu auch zweimal genannt. Im ganzen wird in Kapitel 37 der „Leibrock“ siebenmal erwähnt, das ist sicher nicht von ungefähr. Wir kommen darauf zurück.

Joseph durfte ja noch nicht sterben. Das Ausziehen des Leibrockes und das Werfen Josephs in die Grube stellt uns aber im Vorbild den Tod und das Grab des Herrn Jesus vor Augen. Wie mag Joseph in der Angst seiner Seele gerufen haben, wie wir in Psalm 40, 1–2 prophetisch von Christus lesen, wo auch von „der Grube des Verderbens, vom kotigen Schlamm“ die Rede ist und woraus Gott Ihn rettete und herausführte.

Ebenso lesen wir in Psalm 22 von „Hunden“, welche den Herrn umgaben, von einer „Rotte von Übeltätern“, welche Ihn umzingelten. Und in Psalm 69, 20: „Und Ich habe auf Mitleid gewartet, und da war keines, und auf Tröster, und Ich habe keine gefunden.“ Weiter: „Ich bin versunken in tiefem Schlamm, und kein Grund ist da . Ich bin müde vom Rufen.“

Wie mag es Joseph zu Mute gewesen sein, als die Brüder wie wilde Tiere über ihn herfielen? Inniglich hat er sie um Rettung angefleht, wie es auch in 1.Mose 42, 21 gesagt ist, und keine Frage, als gläubiger Mann hat er ernstlich zu Gott gerufen.

Die von den Brüdern Josephs begangene Sünde war unauslöschlich in ihr Gewissen eingegraben, wie wir später sehen werden. So wird auch einst der gläubige Überrest aus Israel es tief fühlen, dass sie sich der Verwerfung ihres Messias schuldig gemacht haben.

Joseph hatte nicht die Macht, sich zu retten. Der Herr Jesus aber hätte um mehr als zwölf Legionen Engel bitten können. Er tat es nicht, denn nur das einfache Wort: „Ich bin’s!“ streckte Seine Widersacher zu Boden (Joh. 18, 6).

Welche Geheimnisse! Er, der Reine, Heilige, Unschuldige, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hatte, wurde in die Hände unreiner, sündiger, gefühlloser, grausamer Menschen überliefert, die an Ihm taten, was sie wollten. So tief erniedrigte sich der Schöpfer vor Seinen Geschöpfen. Wie unbegreiflich ist das alles! Es bleibt uns nichts anderes übrig, als in Anbetung uns vor Seine Füße zu werfen, vor Dem, der uns also geliebt. „Dem, Der uns liebt und uns von unsern Sünden gewaschen hat in Seinem Blut, und uns zu einem Königtum gemacht hat, zu Priestern Seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen!“ (Offb 1, 5. 6.)

Die Brüder Josephs

1. Mose 3, 25–30

„Und sie setzten sich, um zu essen. Und sie hoben ihre Augen auf und sahen: und siehe, ein Zug Ismaeliter kam von Gilead her; und ihre Kamele trugen Tragant und Balsamharz und Ladanum; sie zogen hin, um es nach Ägypten hinabzubringen“ (1. Mose 37, 25). In tiefer Not und Seelenangst lag Joseph in der dunklen Grube. Niemand grämte noch kümmerte sich um „die Wunde Josephs“ (Amos 6, 6). „Sie setzten sich nieder, um zu essen.“ Genau so handelten die Juden am Tage der Verwerfung und Kreuzigung ihres Messias. Niemand empfand Seine tiefe Erniedrigung und Leiden. Man vermied es, in das Prätorium hineinzugehen, um sich nicht zu verunreinigen und das Passah essen zu können (Joh. 18, 28). Auf Golgatha erfüllte sich das Wort: „Er vertraute auf Gott, der rette Ihn jetzt, wenn Er Ihn begehrt; denn Er sagte: Ich bin Gottes Sohn!“ (Psalm 22, 7–8; Matth. 27. 43.)

Während ihr Messias und König am Kreuze hing, gingen die Juden, da der Sabbat nahe war, zu Pilatus und baten ihn, dass die Beine der Gekreuzigten gebrochen und ihre Leiber abgenommen würden, da das Gesetz dieses vorschrieb (5. Mose 21, 23; Joh. 19, 31). Gott ließ aber das Brechen der Gebeine des Herrn nicht zu (Joh. 19, 33–37). Das Werk war vollbracht, der Tod war eingetreten. „Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an“ (Lukas 23, 54). Der Messias lag im Grabe. Welch ein ereignisvoller Rüsttag und welch ein Passah–Sabbat! In Jerusalem aß man das Passah nach Vorschrift, doch es war „das Passah der Juden“. Gott hatte nichts damit zu tun. Und „es war Nacht“, Nacht im Herzen Judas, Nacht im ganzen Volke der Juden. Nur eine ganz kleine Schar wahrer Gläubiger trauerte und weinte (Markus 16, 10).

Der Stein des Anstoßes, der Fels des Ärgernisses, war aus dem Wege geräumt. Alles hatte sich wider Christus verbrüdert und war eines Sinnes; selbst Pilatus und Herodes waren Freunde geworden. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Pharisäer wurden bei dem Volke wieder geachtet, der Nazarener, auf dessen Worte und Lehre es achtete, hatte ihnen doch oft recht Unangenehmes gesagt und ein ernstes „Wehe“ über sie ausgesprochen und sie bloßgestellt. Es war stille geworden in den Strassen Jerusalems, keine Volksmenge lief mehr hinter Ihm her. Aller Zwist, Unruhe, Zank und Streit für und wider den Einen hatte aufgehört; Beruhigung und Befriedigung war eingetreten und kein Aufstand war mehr zu befürchten (Matth. 26, 5). Er hatte sich herausgenommen, sie zu belehren, auch hatte Er sie nicht einmal gefragt, ob Er im Tempel lehren dürfe (Matth. 21,23). Alles dieses hatte nun aufgehört; jetzt konnten die Pharisäer und ihr Anhang wieder ungestört ihre Feste halten. Nun wird Er keine Opfertiere mehr aus dem Tempel treiben und keine Wechslertische mehr umstoßen und keine Münze mehr verschütten. „Es ist besser, dass ein Mensch umkommt, und nicht die ganze Nation umkomme.“ Solche und ähnliche Gedanken waren in ihrem Innern wirksam gewesen, um das anklagende Gewissen zu beruhigen.

Obwohl das, was in Jerusalem geschah, etwas über das hinausgeht, was uns in 1. Mose 37 im Vorbild erzählt wird, so ist es doch notwendig, an jene Zeit in Jerusalem zu erinnern, da die wenigen Mitteilungen in Verbindung mit Joseph auf den späteren Zustand der Juden hinweisen.

Die wahre Sonne des Lichtes und des Lebens war nicht mehr unter ihnen. Es war Nacht in Jerusalem obwohl die Wogen des Festes noch weiter gingen. Nacht in Herz und Gewissen all derer, die Seinem Gnadenruf ausgewichen sind.

Aber es war zu selbiger Zeit in Jerusalem wie auch an anderen Orten, selbst in Samaria, eine kleine Zahl wahrer Gläubiger, eine kleine Herde, ein kleiner Überrest im Volke, deren Namen im Himmel angeschrieben waren. Von ihnen hatte niemand eingestimmt in den bösen Rat und in die böse Tat (Lukas 23, 50. 51). Ja, sie trauerten und weinten, während die gottfeindliche Welt sich freute. Obwohl sie schwache Jünger und Jüngerinnen waren, hatten sie untereinander eine innige Liebe. Wohin hätten sie gehen können und zu wem sich wenden? Sie hatten vom Herrn Worte des Lebens gehört und hatten des Herrn Herrlichkeit angeschaut. Er hatte wunderbare Worte vom Vaterhause und von Seiner Rückkehr und vom Kommen des Heiligen Geistes zu ihnen geredet. Ja, ihnen allein ist der Herr am Auferstehungstage erschienen und zeigte ihnen Seine durchgrabenen Hände und Seine geöffnete Seite. Und die Jünger freuten sich, als sie den Herrn sahen. Die Freude war umso größer, weil sie kurz vorher festgestellt hatten, dass das Grab leer war.

Wie furchtbar war die Lüge wirksam, sowohl bei den Brüdern Josephs, wie auch am Auferstehungstage in Jerusalem bei den Führern des Volkes. Man gab den Soldaten Geld genug, um die Lüge zu verbreiten, dass die Jünger des Herrn Leib gestohlen und weggetragen hätten! (Matth. 28, 11–15.)

Doch im Tempel, als der Herr Seinen Geist aufgab, wurde durch Gott der Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, von oben bis unten in zwei Stücke zerrissen. Dies geschah am Rüsttage vor dem Passah, um die neunte Stunde. Keine Lüge und keine Verschleierung konnte diese Tatsache ungeschehen machen. Selbst das große Erdbeben – die Erde erbebte und die Felsen zerrissen – war ohne Eindruck geblieben und das Volk der Juden feierte Passah, als ob nichts geschehen wäre (Matth. 27, 51; 28, 2).

„Und sie hoben ihre Augen auf und sahen: und siehe ein Zug Ismaeliter kam von Gilead her“ (1. Mose 37, 25). Gilead heißt: „Berg des Zeugnisses“. Hier hat in Gegenwart der Nachkommen Abrahams wie der Nachkommen Ismaels der Handel und Verkauf Josephs stattgefunden. „Denn nicht in einem Winkel ist dies geschehen“, sagt Paulus im Blick auf die Leiden und auf die Auferstehung des Christus. In jenen Tagen war in Jerusalem eine große Menge Menschen von nah und fern anwesend. In drei Sprachen war die Überschrift am Kreuze verfasst, damit es alle lesen und verstehen konnten. Joseph wurde für 20 Silbersekel als Sklave an die Kaufleute verkauft. Der Herr Jesus, weil älter als Joseph, wurde mit 30 Silbersekeln geschätzt, welche Summe durch Sacharja schon lange zuvor geweissagt war (Sach. 11, 12. 13; Matth. 27, 9. 10).

Wie Juda heuchlerisch von „unserem Bruder“ redet, „unser Fleisch ist er“ – einer aus der Zahl der zwölf Söhne Jakobs –ebenso heuchelte in schrecklicher Weise ein anderer Judas, auch einer aus der Zahl jener Zwölfe, die um den Herrn waren, und verriet Jesus um den Preis von 30 Silberlingen mit einem Kuss (Markus 14, 4). Der Heuchler und Verräter nennt Ihn sogar „Rabbi – Rabbi!“ In beiden Fällen war der Preis vorher festgelegt und abgemacht worden; das Geld gab also jedes Mal den Ausschlag. Judas erwarb für seine Silberlinge den Acker des Töpfers. Auch dies war vorher geweissagt worden (Sach. 11, 12.13).

Wie Ruben bei jener schrecklichen Handlung abwesend war, so waren auch zur Zeit Jesu die zehn Stämme Israels nicht mehr im Lande. Ähnlich wie Juda sagte: „Unsere Hand sei nicht an ihm“, so hören wir die Worte der Führer in Juda zu Pilatus sagen: „Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten“ (Joh. 18, 31. 32). Der Herr Jesus hatte schon zum voraus klar bezeugt, dass man Ihn den Nationen überliefern würde, gerade so wie Joseph den Ismaelitern ausgeliefert wurde.

Ähnlich wie Ruhen sein Kleid zerriss, also zerriss auch der Hohepriester sein Kleid (Matth. 26, 65). Ruben rief: „Der Knabe ist nicht da und wohin soll ich nun gehen?“ (1. Mose 37, 29. 30). Der Messias ist tot und liegt im Grabe und wohin soll das Volk nun gehen?

Ja, der Knabe – wohl eine Anspielung Rubens auf die Unschuld Josephs – ist nicht mehr da; Ruben hätte früher eintreten sollen, jetzt war es zu spät. So auch im Blick auf das Volk der Juden. Sie haben ihren verheißenen und gekommenen Messias verworfen, den einen geliebten Sohn getötet und aus dem Weinberg hinausgeworfen (Markus 12, 6–12). Jetzt blieb nur das Gericht übrig – bis Gott in späteren Tagen Seinem irdischen Bundesvolk dieselbe Person wieder vor ihre dann erleuchteten Augen stellen wird.

Inzwischen befindet sich Israel, vertrieben aus dem Lande, unter Gericht und ist für alle Nationen ein Fluch geworden. (Vergl. Jer. 24, 9; 5. Mose 28, 64–67; Sach. 8, 13a.) Die Zeit wird aber kommen, da Gott auf ernste Weise Israel geläutert und gereinigt in das Land der Väter zurückbringen wird. Heute fühlt sich Israel noch wohl unter den Nationen und der Trieb, in ihr Land zurückzukehren, ist sehr gering. Gott wird noch manches Mittel gebrauchen müssen, bis Israel sich Gottes Willen fügt und Ihm gehorcht. Wohl ist heute der Staat Israel errichtet, aber es ist erst ein kleiner Anfang, doch zeigt er mehr als zur Genüge, wie sich alles für die Erfüllung der gegebenen Verheißungen vorbereitet.

Der Knabe Joseph lebte – freilich lebte er außerhalb Kanaans. Doch welch ein Glück für seine Brüder und für das ganze Haus seines Vaters im Blick auf die Zukunft.

Für uns lebt der Herr Jesus droben, und jeder Glaubende darf sagen: „Dort lebt Er für mich !“ Er weilt droben beim Vater, um sich für uns zu verwenden, damit wir in allen Übungen und Prüfungen aufrecht erhalten bleiben. Er ist der große, mitleidvolle Hohepriester Seines Volkes (Hebr.. 2, 9–18). Welche Gnade, dieses zu wissen durch Sein Wort und durch Seinen Heiligen Geist!

Joseph wird als willenloser Sklave nach Ägypten geführt. Keine Widerrede, kein Sträuben, keine Klage ist vernehmbar, trotz der harten, gefühllosen Behandlung, die sie ihm angedeihen lassen. Und von unserem Herrn lesen wir: Er tat Seinen Mund nicht auf, drohte nicht, sondern Er übergab sich völlig Dem, der recht richtet (1. Petrus 2, 23). Gleicherweise redet der Heilige Geist durch Gottes Wort von dem Herrn Jesus im Blick auf Seine Leiden, seien es die von seiten der Menschen oder von seiten Gottes (Jesaja 53; Psalm 22).

Joseph kam nach Ägypten, wie auch der Herr Jesus in Seiner Kindheit (Matth. 2, 13; 20, 21). Später folgte das ganze Haus Jakobs dem Joseph nach Ägypten, da nach dem Worte Gottes der Same Abrahams in einem fremden Lande als Fremdling vierhundert Jahre weilen würde (1.Mose 15,13;14; Apostelg.7,6). Danach würden sie ausziehen mit großer Habe. Dies alles ging, wie wir in 2. Mose 12 lesen, in Erfüllung. Herr sandte Joseph vor ihnen her; Gottes Hand war in diesem allem (Psalm 105, 17–23).

Gottes Voraussage ging in Erfüllung: Israel ein Fremdling in fremdem Land und Joseph in die Hände der Heiden überliefert, das Vorbild vom Herrn Jesus.

Trotz all seiner Treue und Liebe gab es für Joseph solch einen schmerzlichen Ausgang. Alles lag dunkel vor ihm; welch eine schwere Prüfung!

Übungen, Prüfungen, Zulassungen, oft schmerzlicher Art, gibt es auch im Leben eines jeden Gläubigen. Zunächst erscheint alles unfassbar, unbegreiflich für uns und andere, doch wissen wir andererseits auch, dass in der weisen und liebenden Hand des Herrn alles wohl erwogen ist und Gott nichts zulässt, das Er nicht zuvor bedacht hat (Jes. 55, 8; Psalm 77, 19. 20, 1. Petrus 1, 6–9). Früher oder später kommt bestimmt die Zeit, wo wir mit Jubel sagen werden: „Alle Seine Wege sind recht“.

Welche Gnade, dass der Gläubige sich also mit seinem Gott und Vater in Verbindung weiß und Ihm alles anbefehlen kann und darf. Gott macht alles gut! Die Geschichte Josephs gibt uns eine Fülle praktischer Belehrungen, die zu allen Zeiten geprüften Kindern Gottes zur Ermunterung und zum Segen gereichen.

Jakobs Schmerz und Trauer

1. Mose 37, 31–36

Nachdem der Heilige Geist uns in Joseph ein wunderbares wie auch ergreifendes Bild vom Herrn Jesus, unserem Heiland, gezeigt hat, wo alles lieblich ist und ohne Fehl, wie es uns das Brandopfer und das Speisopfer „zum lieblichen Geruch für Jehova“ zeigen (3. Mose 1 und 2), kommen jetzt andere Mitteilungen, welche in Verbindung mit Joseph, dem Vorbilde des Herrn Jesus, stehen.

Zunächst greifen die schuldbeladenen Brüder Josephs zur Lüge, um ihr belastetes Gewissen ihrem Vater Jakob gegenüber zu verbergen, und andererseits ihr Interesse an Joseph wie auch an ihrem Vater auszudrücken. Ein Ziegenbock wird geschlachtet, der lange Leibrock Josephs, den man zurückbehielt, wurde in das Blut getaucht und durch einen Boten an Jakob gesandt. Sie ließen ihm sagen – welch ein Hohn – diesen haben wir gefunden; erkenne doch, ob es der Leibrock deines Sohnes ist oder nicht“. Keine Rede von „unserem Bruder“ Joseph, wohl „deines Sohnes“, den du bevorzugt, ihn lieber hattest als alle deine Söhne. „Mit ihren Zungen handeln sie trüglich“, „. . . Otterngift ist unter ihren Lippen“, „. . . welche Bosheiten ersinnen im Herzen, täglich Krieg erregen die Häupter derer, die mich umringen, das Unheil ihrer Lippen bedeckt sie! Der Mann von böser Zunge möge nicht feststehen im Lande; der Mann der Gewalttat – das Böse möge ihn jagen bis zu seinem Sturze“ (Psalm 140, 2. 9. 11; Römer 3, 13).

Da ist weder Gefühl noch Erbarmen; es ist ähnlich wie wir von Kain lesen, als er seinen Bruder ermordete: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Er wirft Gott vor: Du hast Abels Opfer bevorzugt vor dem meinen; Du hättest ihn ja behüten können, wenn er Dein Freund ist. Dieselben Gedanken liegen in den Lügenworten der Söhne Jakobs.

Jakob antwortete tief erschüttert und bewegt: „Der Leibrock meines Sohnes! – Ein böses Tier hat ihn gefressen, Joseph ist gewisslich zerrissen worden“ (l. Mose 37, 33).

Wie hätte auch Jakob anders denken und urteilen können. Er konnte doch seine Söhne nicht mit dem Brudermörder Kain auf einen Boden stellen, oder mit dem blutbefleckten Lamech in dem Kapitel, das mit einem Brudermörder anfängt und mit einem Doppelmörder schließt (l. Mose 4).

Wie manche Eltern haben gleich den ersten Eltern, oder wie hier Jakob, Tieftrauriges erlebt durch ihre Kinder! Wie manche Hiobspost erschütternden Inhalts musste in Empfang genommen werden, oft mit Lug und Trug in Verbindung, wodurch die Seele tief verwundet wurde, und wo man zunächst unmöglich so etwas Schreckliches, Teuflisches, auch nur ahnen konnte, wie es hier bei Jakob auch der Fall war.

Jakob beugt sich unter die mächtige Hand Gottes (l. Petrus 5, 6). Da finden wir kein Murren gegen Gott; er zerreißt seine Kleider, als Ausdruck tiefsten Schmerzes, und legt Sacktuch an. Er trauerte und trug Leid um seinen Sohn viele Tage, denn er hatte viel an ihm verloren. Alle seine Hoffnungen und Erwartungen im Blick auf Joseph, den Sohn seines Alters, waren scheinbar in Nichts zerronnen, er musste sie zu Grabe tragen. Welch eine große Glaubensprüfung für den alten Pilger und Fremdling!

Das Bild wird noch trauriger, abscheulicher, wie es uns hinsichtlich des ferneren Verhaltens der Söhne Jakobs geschildert wird. Es findet sich im Worte Gottes wohl keine so tieftraurige, ja teuflische Familienszene wie diese hier aufgezeichnete. Das Maß ihrer Sünde und Bosheit, ihr Lug und Trug war wahrlich voll genug. Wir kurzsichtige Menschen möchten fragen: Wie konnte Gott ihr Tun dem Vater gegenüber so ruhig mitansehen?

Anstatt dem anklagenden Gewissen Gehör zu schenken und aufzumerken, verabredet man sich den Vater zu besuchen und ihn zu trösten. Auch die Töchter Jakobs kommen, und da sie, soweit uns dies Gottes Wort mitteilt, nicht als Mitwissende belastet waren, ist anzunehmen, dass sie in ihren mehr weiblichen Gefühlen wirklich aufrichtiges Verlangen hatten, ihren Vater zu trösten. Wir haben es hier also mit zehn Söhnen zu tun, welche das Maß ihrer Sünde noch voller machten, als es schon war. Welcher Art ihre Worte des Trostes waren, in Verbindung mit dem angeblich gefundenen blutigen Rock, teilt uns Gottes Wort nicht mit. Gott übersieht die unfassbaren Tiefen menschlichen Verderbens und will sie nicht öffentlicher Schau preisgeben, wie wir Menschen, und vor allem die Tageszeitungen, so gerne mit Schlagzeilen tun. Gott allein ergründet Herzen und Nieren; wir wissen, dass der Mensch, und auch der gläubige Mensch, zu allem fähig ist, und dass nur die Gnade allein uns zu bewahren vermag.

Ruben, welcher vorher noch etwelche Gefühle und ein tätiges Gewissen um Joseph gezeigt hatte, ist jetzt als der Älteste und Verantwortungsvollste, auch unter ihnen und wie sie, ist auch sein Gewissen wie mit einem Brenneisen gehärtet (l. Tim. 4, 2). Aber Jakob „verweigerte es, sich trösten zu lassen“. Er fühlte, dass der Trost nicht von der rechten Art war. Es bestand keine Geistesgemeinschaft zwischen dem gläubigen Jakob und seinen ungläubigen Söhnen, deren Herzen und Gewissen so schwer belastet waren. Gott konnte sie unmöglich als Tröster benutzen, denn „welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis?“. (2Kor 7,14)

Wir vernehmen nichts mehr von dem frommen Ruben (1. Mose 37,22.29.30), noch von Juda (Vers 26). Beider Lampen waren erloschen, ohne Öl. Jakob war taub für alle ihre Tröstungen. Wenn Gott jemand als Tröster benutzt, dann muss alles echt und wahr sein; es bedarf weder vieler Worte noch großer Aufmachung (Vers 35). Der Herr Jesus sprach vor den Toren Nains zu jener trauernden, trostbedürftigen Witwe nur zwei Worte: „Weine nicht !“. Doch vorher lesen wir, dass der Herr Jesus innerlich bewegt war. Ebenso tröstet Er alle Seine trauernden Jünger und Jüngerinnen am Auferstehungstage. Er tröstet auch uns wie wir es bedürfen heute und morgen.

In der Seele Jakobs war es Nacht geworden im Blick auf alle Hoffnungen und Erwartungen hinsichtlich Josephs. Er sprach: „Leidtragend werde ich zu meinem Sohne hinabfahren in den Scheol ! Und sein Vater beweinte ihn“ (1. Mose 37, 35). Es heißt nicht ihr Vater!

So wird auch das Volk Israel ungetröstet in Finsternis bleiben und in Dunkel und Finsternis seinen Weg gehen, bis der Herr Jesus, von dem Joseph ein so schönes Vorbild ist, erscheinen wird. Dann wird die Decke von ihren Augen und Herzen weggenommen werden. Dann wird es wieder Licht werden und die Tage des Trauerns werden ein Ende haben. Gott wird Sein Volk trösten (2. Kor. 3, 16; Jes. 60, 1–14. 20; 66,13). Vor allen Dingen wird der König und Messias sich freuen. „Er freut sich über dich mit Wonne . . frohlockt über dich mit Jubel“ (Zephania 3,17; Jes. 53, 11–12). So tröstete Er auch in den Tagen Seiner Verwerfung die Trauernden.

„Ein böses Tier hat ihn gefressen, Joseph ist gewisslich zerrissen worden“ (1. Mose 37, 33). Dies sind Bilder von der Macht Satans, des reißenden und brüllenden Löwen (Psalm 22, 13). Weiter sagte der Heilige Geist im Blick auf Christus: „Hunde haben mich umgeben“ . . . „Stiere von Basan mich umringt“ ... „Eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt“ . . . „Errette meine Seele von der Gewalt des Hundes . . . Rette mich aus dem Rachen des Löwen“ (Psalm 22, 16. 20. 21). Jakob steht unter dem tiefen Eindruck, dass Satan die Macht des Todes hat. Welche eindringliche Hinweise auf die Leiden und den Tod des Christus! Und was Jakob ausspricht, das sollte auch unsere Seelen erfüllen!

Im Blick auf den blutgetränkten Leibrock Josephs ist zu bemerken, dass Gott nicht ruhen wird, um aller Welt zu zeigen, wer es war, Der am Kreuze hing. Wer hing am Kreuze? Wessen Leibrock war es? Christus erscheint in der Offenbarung in einem in Blut getauchten Gewande, und Sein Name heißt: Das Wort Gottes (Offenbg. 19, 13).

Aber wie Joseph nicht in der Grube blieb, so blieb auch der Herr Jesus nicht im Grabe. Gott rettet ihn aus der Gewalt der Büffel für immer. Er verherrlichte Seinen geliebten Sohn und setzte Ihn zu Seiner Rechten, wie wir es im Vorbilde auch bei Joseph sehen. Gott hatte für Joseph einen Thron vorgesehen,

Mit den Lügen der Brüder Josephs endet 1. Mose 37, so schließt auch die Darstellung von der Verwerfung des Christus im Evangelium Matthäus 28, 12–15 damit, dass Seine Auferstehung als eine Lüge dargestellt wird. An dieser Lüge halten die Juden heute noch fest. Kein Mensch kann sie überzeugen, dass Christus tatsächlich ihr König und Messias ist, und dass Er lebt, so wie die Schriften es zum voraus gesagt haben und die Geschichte Josephs es im Vorbilde klar und deutlich darstellt. Ihr Hass und ihre Bosheit sind immer noch dieselben; ihre unergründliche Abneigung gegen Christus besteht weiter. Wie wahr sind die Worte des Herrn: „Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis“ (Lukas 22, 53). Dennoch haben auch viele aus den Juden an Jesus Christus geglaubt, wenn sie auch vieles um Seines Namens willen leiden mussten. Auch Saulus von Tarsus war einer von ihnen, mit glühendem Hass gegen diesen Namen beseelt, aber später war keiner von solch brennender Liebe für den Herrn Jesus erfüllt wie der Apostel Paulus.

Joseph wurde nach Ägypten an Potiphar verkauft, das war Gottes Weg. Gott blickte auf Joseph, denn „Er zieht Sein Auge nicht ab von den Gerechten“ (Hiob 36, 7). Wie unfassbar auch oft alles erscheinen mag; Er ist es, der Könige auf Throne setzt, der alles lenkt und wirkt. So darf auch der Gläubige rückhaltlos seinem Gott und Vater vertrauen; Er macht alles wohl und gut, und bewahrt sie mitsamt ihrem Erbteil. Er belohnt Treue, Hingabe und Gottesfurcht. Die Geschichte Josephs zeigt dies deutlich und klar. Ehe wir die Betrachtung über dieses lehrreiche Kapitel schließen, wollen wir noch kurz eine allgemeine Übersicht geben, in Sonderheit über dessen prophetische Bedeutung:

Vers 1: Das erste Kommen des Christus wie auch Seine Verwerfung.

Vers 2: Die Geschichte Israels liegt in den Händen seines Messias', Jesus Christus. Joseph, der Zeuge der Wahrheit, ist Hirte in der Mitte Israels.

Vers 3: Der Vater gibt Zeugnis, dass Christus Sein geliebter Sohn ist.

Vers 4: Je länger Christus in Israel wirkte, umso größer wurde die Feindschaft.

Vers 5–10: Gottes Gedanken über Christus in den Schriften.

Vers 11: Selbst Gläubige wurden irre und er­ fassten die göttliche Wahrheit nicht.

Vers 12–24: Der persönliche Weg des Herrn Jesus und Seine endgültige Verwerfung.

Vers 25: Während Christus im Grabe liegt, feiern die Juden das Passah.

Vers 26–28: Christus wird den Nationen überliefert, aber Er entsteigt dem Grabe, Er ist der Auferstandene.

Vers 30: Der Messias ist tot – was nun?

Vers 31–33: Verhärtung Israels – der Geist der Lüge.

Vers 34: Wie Jakob trauerte um seinen Sohn Joseph, so auch die Gläubigen in den Tagen der Verwerfung des Christus. Christus tröstete die Jünger, indem Er ihnen verschiedentlich erschienen ist.

Vers 35: Jakob, getrennt von seinem Sohne Joseph, verweigert die Tröstungen seiner Söhne. Nacht und Dunkel in Israel.

Vers 36–. Joseph und später auch das Volk Israel kommen nach Ägypten, wie auch später der Herr Jesus ebenfalls nach Ägypten kam.

In 1. Mose 37 haben wir zusammengefasst im Vorbilde das Alpha und das Omega des Herrn Jesus. Himmel und Erde drehen sich nur um Ihn, um Seinen erhabenen, herrlichen Namen.

Der Herr offenbarte nach Seiner Auferstehung den Jüngern die Bedeutung der Schriften, aber die volle Offenbarung wurde ihnen erst nach Pfingsten zu teil. Ähnlich ist es in der Geschichte Josephs. Auch Stephanus wies auf die Schriften hin. Die Herzen der Jünger waren, nachdem der Herr von ihnen genommen war, in großer Trauer, aber ihnen wurde die große Freude durch Den zu teil, um den sie trauerten. Er allein konnte aller Herzen füllen, darum brannten sie in Seligkeit und Glück. Welch eine Freude für den Herrn selbst! (Jes. 43, 11; Lukas 24, 32).

Die Anstrengungen im Fleische

1. Mose 38

In diesem Kapitel wird der Name Josephs nicht erwähnt. Er war außerhalb Kanaans, dem Lande der Verheißungen. „Das Licht schien in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Joh. 1, 5). Wir finden in diesem Abschnitt einerseits Juda und seine Vergehen, aber auch die Treue Gottes im Blick auf den verheißenen Nachkommen, den „Samen“.

„Und es geschah zu selbiger Zeit“ (Vers 1), als Joseph auf den Rat seines Bruders Juda nach Ägypten verkauft wurde, zog Juda mit seinem besonders belasteten Gewissen von seinen Brüdern hinweg nach Adullam hinab, wo er bei einem Manne namens Hira einkehrte. Mit diesem, der ohne Gott dahinlebte, knüpfte Juda Beziehungen an. Da beide nach dem Fleische lebten, übten sie gegenseitig Handreichungen als Freunde (Vers 20). Juda hatte sich in der Nähe seines Vaters und in der Nähe seiner Brüder nicht mehr wohlgefühlt; aber hier bei Hira, wo niemand seine Vergangenheit und seine Umstände kannte, kam all das Geschehene leichter in Vergessenheit (Psalm 139, 7–12). Der geschäftliche Betrieb ließ zum Grübeln und zum Nachdenken keine freie Zeit (Vers 12). Alles ging nach Wunsch und der Verkehr mit Hira war angenehm. Dass Juda eine Kanaaniterin zur Frau nahm, entgegen dem ausdrücklichen Gebot des Herrn, ist das erste uns in diesem Kapitel genannte Böse. (Siehe 1. Mose 24, 3; 38, 2.) Sein Haus ging denselben Weg, und Sünde und Böses waren die unausbleiblichen Folgen. Aber trotz des Ungehorsams von Juda und seines Eigenwillens kam der Ratschluss Gottes dennoch zustande. Christus, der „Same des Weibes“, sollte der Schlange den Kopf zertreten und diese Linie war nach Jakob Juda. Thamar gebar dem Juda Phares und Zara (Matth. 1, 3).

Was sich auch in jenen dunklen Tagen ereignen mochte und welche Wege der Mensch auch gehen mag, Gottes Ratschluss ist unbereubar; er kommt trotz aller Bemühungen Satans, ihn zu vereiteln, dennoch zustande. Der Name des Christus stand und steht vor Gottes Augen und so bleibt es.

Wohl war es auch hier die Absicht des Feindes, Gottes Plan zu vereiteln; umsonst! Diese Absicht des Feindes sehen wir auch später, als Athalia versuchte, den ganzen königlichen Samen umzubringen. Das gleiche sehen wir im Buche Esther und im Kindermord in Bethlehem.

So versuchte auch eine ungläubige Kritik selbstgerechter, gottferner Menschen das für sie anstößige Kapitel aus der Bibel zu entfernen, aber es ist noch heute für den gläubigen Leser eine Fundgrube kostbarer Wahrheiten, da es geistlich beurteilt werden muss, um Gottes Gedanken zu erfassen und zu verstehen.

Wie Juda auf seinem bösen und unreinen Weg seinen Siegelring, seine Schnur wie auch seinen Stab einbüsste, so hat das Volk Israel infolge seiner Sünden und der Verwerfung seines Retters und Messias', alles eingebüsst und verloren. Als Volk ist es kein Siegelring mehr an der Hand Jehovas, keine Schnur seines Erbteils mehr. Außerhalb des Landes irrt es ohne Kraft und ohne Stütze, ohne Stecken und ohne Stab in der Welt umher, losgerissen von seinem Erbteil und gelöst von Gott (Jer. 22, 24–28).

Später wird Israel auf den Boden der Gnade in dem Blute des Neuen Bundes wieder mit Jehova in Verbindung treten; es wird wieder sein Land bewohnen und ein prächtiges Diadem in der Hand Gottes sein (Hohelied 8, 7; Jes. 62, 3–5).

Vers 24 zeigt uns Juda in religiösem Eifer. Thamar soll verbrannt werden, aber Römer 2, 1 heißt es: „Denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe“. Nach dem später gegebenen Gesetz mussten in solchen Fällen des Ehebruchs beide sterben und gesteinigt werden, doch nicht verbrannt. Judas Eifer war vom Feinde und nicht von Gott. (Vergl. auch 2. Mose 21, 16; 5. Mose 24, 7.)

Überführt von seiner Schuld durch Thamar, muss Juda bekennen: „Sie ist gerechter als ich!“ Ja, es war also; Juda fühlte seine Sünde. Das Gesetz ist der Zuchtmeister auf Christus hin (Gal. 3, 24). Es ist dies der erste gute Ausspruch von Juda, es ist die Erkenntnis der Sünde (Römer 3, 20). Juda rechtfertigt Thamar und spricht das Schuldig über sich selbst aus. Doch dabei verblieb es. Zu einem großen, aufrichtigen Bekenntnis Gott und den Menschen gegenüber kam es nicht. Er kehrte nicht um von seinen bösen Wegen, er hat nicht Sinn noch Interesse für das verlorene Erbe.

Kapitel 38 endet mit einem Siege. Perez (Phares) wird geboren von der Thamar, Der “Same des Weibes“ bleibt Sieger, alle Fäden des Wortes laufen auf Ihn – Christus –hinaus. So ist es auch in bezug auf die Kirche und deren großen Verfall – ein Trost zu wissen, dass des Hades Pforten sie nicht überwältigen werden. Das Gleiche haben wir bei Balak und Bileam, die das Volk verfluchen wollten und es segnen mussten. Christus wird immer Sieger sein!

Joseph wird versucht

1. Mose 39

Finden wir im Kapitel 37, dass Christus im Vorbilde Josephs verworfen wurde, so zeigt uns das darauf folgende Kapitel, dass eben wegen dieser Verwerfung das Volk der Juden von Gott dahingegeben ist, und ohne Gefühle und Gewissensbisse zu haben, steht es nun außerhalb des Bodens der Verheißungen. Es hat alle Beziehungen mit Gott unterbrochen und gelöst und zeigt keinerlei Bedürfnisse noch Interesse für das verlorene Erbe. Welch ein Verderbnis!

In Kapitel 39 wird nun die Geschichte Josephs wieder aufgenommen und fortgesetzt. Die Heiden gehen durch Prüfungen und ihre Sünden und Ungerechtigkeiten werden durch Joseph festgestellt, aber die Nationen werden auch durch ihn gesegnet.

In jedem der nun folgenden Ausschnitte ist Joseph Hauptgegenstand, Mittelpunkt und Prüfstein. Christus ist der Maßstab, der Ratgeber, der Retter in Not und Bedrängnis, Er bringt allen Segen.

Zunächst ist es die Absicht des Heiligen Geistes, uns neue Schönheiten und Herrlichkeiten der Person Jesu im Vorbilde Josephs zu zeigen. Wir finden ganz neue Seiten, hindeutend auf Christus, als Er auf Erden war. Im dritten Buch Mose begegnet uns zuerst das Brandopfer, dann das Speisopfer, Feinmehl mit Öl gemengt, Bilder von Seiner wunderbaren Person in Seiner restlosen Widmung für Gott, in Seiner Reinheit und Sanftmut. Alles war „zum lieblichen Geruch für Jehova“ (3. Mose 1, 9).

So haben wir auch in Kapitel 37 Christus von der Seite des Brandopfers geschaut, und dann in Kapitel 39 und 40 sehen wir im Vorbilde Josephs mehr als das Speisopfer, der Abgesonderte, der Reine. Christus wurde in allem versucht, gleich wie wir, ausgenommen die Sünde. Das Speisopfer in der Pfanne, in Stücke zerbrochen, mit Öl übergossen, ist ein wunderbares Vorbild des Gott geweihten Menschen Jesus Christus (3. Mose 2).

In kurzen Worten schildert der Heilige Geist das Verhalten Josephs als Sklave im Hause Potiphars, des Kämmerers des Pharao, des Obersten der königlichen Leibwache. Das war für Joseph kein leichter Stand, aber Gott war mit ihm. Er entsprach dem, was später der erste Psalm vom Gerechten sagt (Vers 1–3). Gottes Segen ruhte auf allem. Ein solcher Mann, ein solches Licht konnte nicht verborgen bleiben. Obwohl wir keine besonderen Mitteilungen von Joseph über Gott haben, so zeugte aber sein Wandel von der Treue und Furcht Gottes, die ihn leitete.

Es ist so schön, Joseph auch hier in Gemeinschaft mit Gott zu finden, der ihn auch in die Gefangenschaft begleitete. Weder klagt er über seine Lage, noch über seine Brüder, die ihn verkauft hatten. Er wandelte mit Gott und darum ließ ihn Dieser alles gelingen. Auf Befragen bekannte Joseph, dass Jehova sein Gott sei, er hatte nichts mit den Göttern Ägyptens zu tun. Möchten wir ihn nachahmen und die weltlichen Götzen verleugnen ! „Kindlein, hütet euch vor den Götzen !“

Wie ermunternd ist dies für alle diejenigen, die an Plätzen und Orten aushalten müssen, wo man alles Göttliche verleugnet und gar darüber spottet. Lasst uns ausharren, bis Gott es ändert ! Gott nimmt Kenntnis von allen unseren Umständen; Er wendet Sein Auge nicht ab von den Gerechten und Er kann alles rasch und auf wunderbare Weise ändern.

Josephs Licht schien so, wie wir es in Matthäus 5, 14–16 lesen, an dunklem Ort, wo Sünde und Gewalttat herrschte. Gott aber kann das bittere Mara süß machen (2. Mose 15, 25). Ja, Joseph unterwirft sich Gott (l. Petrus 5, 6. 7; Jak. 4, 6. 7). Gott gibt dem Demütigen Gnade und Joseph erfährt, dass Gott zu dem Gottesfürchtigen steht; Er ändert sich nie. Joseph wird erhöht; er wird Verwalter alles dessen, was Potiphar gehört und Jehova segnet ihn um Josephs willen (l. Mose 39, 5. 6).

Gleicherweise empfingen infolge der Verwerfung des Christus durch Israel die Heiden (Nationen) den Segen durch das Evangelium (Römer 11, 11–21).

Das alles erregte den Zorn Satans; er will nicht, das die Menschen Segen empfangen. Darum suchte er auch Joseph vom Throne zu stoßen, ihn zu Fall zu bringen (Psalm 62, 4). Josephs schöne Gestalt und sein liebliches Angesicht wollte Satan dazu benützen.

„Und es geschah nach diesen Dingen.“ Mit diesen Worten wird der neue Abschnitt in dem Leben Josephs eingeleitet. Eine schwere Versuchung tritt an ihn heran. Bisher war alles zu seinen Gunsten verlaufen. Er befand sich in guter, freier Lebensstellung; seine Position war eine gesicherte. Die besten Aussichten bestanden für ihn in diesem fremden Lande, wo man weise, tüchtige Männer wohl zu schätzen wusste; die höchsten Stellen standen solchen Männern zur Verfügung (Apostelg. 7, 22).

Dies alles war auch Joseph nicht unbekannt, er erfuhr es selbst, doch Gottes Gnade bewahrte ihn nach Geist, Seele und Leib. Auch auf den höchsten Höhen dieser Zeit bewahrt Gottesfurcht vor lauernden Gefahren (Psalm 119, 9; 139, 23–24). In Epheser 6 lesen wir: „Deshalb nehmet die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget. Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit.“

Es handelt sich auch hier um eine List Satans; Mittel und Werkzeug war die Frau seines Herrn und Gebieters. Aber das Herz Josephs war gegürtet mit Wahrheit und mit Gottesfurcht; darum war Kraft von oben da, die Verderbnis fand keinen Eingang, keinen Anknüpfungspunkt. Joseph ging als Sieger aus der großen Versuchung hervor. Er sagte zur Versucherin: „Wie sollte ich dieses große Übel tun und wider Gott sündigen?“ Damit brachte er auch zugleich das Gewissen des unreinen Weibes in Gottes Gegenwart. Aber es war umsonst. In 2. Timotheus 2, 22 lesen wir: „Die jugendlichen Lüste aber fliehe“, und in 1. Korinther 6,18 „Fliehet die Hurerei!“ Wachen und Beten ist das einzige Mittel, um bewahrt zu bleiben.

In Reinheit und Keuschheit zu wandeln ist ein großer Segen. Wo dies nicht beachtet wird, kommt Seele und Leib zu Schaden. Möchten wir Gefäße zur Ehre des Herrn sein!

Es gelingt Satan, Joseph aus dem Wege zu räumen; er kommt ins Gefängnis. „Man presste seine Füße in den Stock, er kam in das Eisen“, sagt uns Psalm 105,18. Doch Gottes Wort preist die glückselig, welche um Gerechtigkeit willen verfolgt werden, mag auch die Welt „jedes böse Wort lügnerisch wider sie reden um Jesu willen“ (Matth. 5, 10. 11). Beides erfährt Joseph, er kommt wegen seiner Treue ins Gefängnis. Dort aber leuchtet dasselbe Licht, das wir schon im Hause Potiphars leuchten sahen, dort wo Sünde und Gewa1ttat ihre Herrschaft ausübten. Es konnte nicht verborgen bleiben und wirkte auch auf andere. Der Psalmist bezeugt später: „Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn Du bist bei mir!“ (Psalm 23, 4.)

Einen solchen Gefangenen hatte man im ägyptischen Gefängnis weder gehabt, noch gesehen. Auch hier waren aller Augen auf Joseph gerichtet. Alles, was er tat, gelang, alle Gefangenen gab der Oberste der Feste „der Hand Josephs“. Dies erinnert an Epheser 4, 8, wo wir vom Herrn Jesus lesen, dass Er die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen wunderbare Gaben austeilt, welche wie Christus den Kampf siegreich weiter führen. In Kolosser 2, 15 lesen wir ebenfalls von einem Triumphzuge über die finsteren Mächte durch den großen Sieger von Golgatha in Seinem Tode und in Seiner Auferstehung.

So haben wir zu Anfang von Kapitel 39 die Versuchung Josephs durch die Sittenlosigkeit und durch die Verderbnis. Am Ende des Kapitels seine Versuchung durch die Gewalttat. In beiden Fällen ging Joseph als Sieger hervor.

Beide Versuchungen traten durch Satan auch an den Herrn Jesus heran. Die erste bei der Versuchung in der Wüste, am Anfang Seiner öffentlichen Laufbahn, die zweite bei der Versuchung im Garten Gethsemane, am Ende Seines Weges. In beiden Fällen erwies sich der Herr Jesus als Sieger.

Weder die Verführung zur Unabhängigkeit durch Verderbnis, noch die Gewalttat des Teufels, als brüllender Löwe, fanden einen Anknüpfungspunkt beim Herrn Jesus. Christus verharrte im Gehorsam (Matth. 4, 4), im Vertrauen (Matth. 4, 5–7) und lehnte es ab, Gott zu versuchen; Er blieb in der Abhängigkeit und lehnt es deshalb ab, die Reiche der Welt aus einer anderen Hand anzunehmen als aus der Hand des Vaters. Ihm allein wollte Er dienen; Ihn allein anbeten (Matth. 4, 8–10).

So ist der Herr Jesus in allem versucht worden gleich wie wir, ausgenommen die Sünde und dies dient zu unserer Ermunterung wie auch zu unserer Belehrung.

Bei der letzten Versuchung in Gethsemane findet der Teufel einen Menschen, der war anders als die übrigen. „Haut um Haut, ja, alles, was der Mensch hat, gibt er um sein Leben“ (Hiob 2, 4), traf bei Ihm nicht zu. Er litt am Kreuze als Mensch unter der Macht des Todes als der Sünde Sold, Er, der keine Sünde kannte, von keiner Sünde wusste. Dies alles stellt Satan, als der Herr in „ringendem Kampfe“ war, vor, aber umsonst. Der Herr Jesus war bereit, als der gehorsame Mensch den bitteren Leidenskelch aus der Hand des Vaters zu nehmen und ihn zu trinken. Darum verließ Er als Sieger den Garten Gethsemane, war bereit, in den Tod zu gehen aus Liebe zu Gott und zu den verlorenen Menschen.

In allem und in jedem sehen wir in Ihm das vollkommene Speiseopfer, ein lieblicher Geruch dem Jehova. Nie zeigt sich in Seinem Leben eine Unebenheit, es war Feinmehl mit Öl gemengt, ungesäuerte Fladen, gesalbt mit Öl, aufs äußerste erprobt. Als schon die Schatten des Kreuzes auf Seinen Weg fielen, hören wir Ihn beten: „Herr, nicht Mein Wille, sondern der Deine geschehe!“ Weder Unabhängigkeit, noch Verderbnis, noch Gewalttat vermochten Ihn zu Fall zu bringen, nicht einen Augenblick wurde die vom Mutterleibe an genossene Gemeinschaft mit Gott unterbrochen.

Es wurde und musste festgestellt werden vor Satan und seinem Anhang, dass Er wirklich derjenige war, von welchem von 1. Mose 3 an die Rede ist, das Speisopfer, das den vom Himmel herab gekommenen zweiten Menschen vorbildete (1; Kor. 15, 47). Christus allein konnte ein solches Werk der Erlösung vollbringen. Ruhm, Ehre, Anbetung sei Seinem heiligen Namen!

Ganz Ägypten, auch Potiphar und sein Weib, mussten kurz darauf dem Rufe: „Werfet euch nieder!“ Folge leisten (1. Mose 41, 43). Pharao setzte Joseph zum Herrscher über alles, auch die widerspenstigsten Fürsten mussten sich beugen. Christus wird herrschen über alles und alle Knie werden sich vor Ihm beugen müssen. Welch eine wunderbare Wendung durch Gottes Fügung !

„Gott wird den Erdkreis richten durch einen Mann, den Er dazu bestimmt hat“ (Apostelg. 17, 31); dieser Mann ist der Mann von Psalm 105,17. „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen“ (Römer 1, 18).

Beides sehen wir in der Geschichte Josephs. Abgesehen von dem wunderbaren Vorbild auf Christus bietet unser Kapitel eine Fülle von praktischen Belehrungen für jung und alt. Es gibt kein Leben, wo nicht Satan durch die Welt und allerhand unreine Dinge den Versuch macht, den Gläubigen zu Fall zu bringen. Nur die Gottesfurcht bewahrt in Gemeinschaft mit Gott zu wandeln und dem Bösen zu widerstehen.

Dann aber auch im Blick auf sonstige Prüfungen, in dunklen und schweren Tagen, wo das Tal des Todesschattens besonders gefühlt und empfunden wird, wo anscheinend die Sonne nicht mehr durch die Wolken bricht, da darf das Kind Gottes der Führung seines himmlischen Vaters völlig vertrauen.

Joseph sollte nicht immer in der Grube bleiben, nicht immer Sklave in den Händen der Ismaeliter sein, nicht immer durch schwere Versuchungen und Prüfungen gehen, nicht immer im Kerker bleiben. Gott trat ins Mittel und alles war beendet und verändert. So wird auch Gott nicht zulassen, dass wir über Vermögen versucht werden; Er selbst schafft einen Ausgang. Er ist der Gott allen Trostes und ein Vater der Erbarmungen. Er tröstet die Seinen in jeder Not und reicht ihnen Kraft, Mut und Ausharren dar. Lasset uns Herz und Blick nach oben wenden, wo der Herr Jesus als der getreue Sachwalter sich für uns verwendet und den Seinigen auf der Überfahrt an das jenseitige Ufer in Sturm und Not zuruft: „Fürchtet euch nicht! Ich bin's.“ Außerdem ist Sein Kommen nicht mehr fern und unsere Pilgerschaft ist bald beendet. Dann werden wir allem Elend, Tränen, und Versuchungen enthoben sein. Auch der Macht Satans werden wir entrückt und alle allezeit bei dem Herrn sein. Auf Mara folgt Elim. Auch bleibt Gott eingedenk, dass wir Staub sind, aber Er hat Wohlgefallen daran, wenn bei uns das Verlangen da ist, das Rechte zu tun. Er ist eingedenk dessen, was irgend aus Liebe zu Ihm geschah, jeder Bemühung der Liebe, welche gegen Seinen Namen bewiesen, auch indem man den Heiligen gedient hat (Hebräer 6, 10). Schon in dieser Zeit zeigt Gott dies immer wieder, aber in Fülle wird es geschehen, wenn wir droben mit Ihm vereint sind (Matth. 25, 23; 1. Petrus 1, 7; Offenbg. 22, 17).

Joseph im Gefängnis

1. Mose 40

„Und es geschah nach diesen Dingen.“ Gott griff ein, um Joseph zu befreien. Die Stunde der Trübsal war genau abgemessen, sie sollte nicht länger dauern, als wie es bestimmt war.

Nun kamen aber auch zwei Kämmerer des Königs Pharao infolge ihrer Untreue ins Gefängnis, an denselben Ort, wo Joseph gefangen war. Beide waren dem Tode verfallen, beide sollten empfangen, was ihre Taten wert waren. Joseph aber hatte nichts Ungeziemendes getan. Joseph, der Unschuldige, der Reine, war durch die Gesetzlosigkeit anderer zu den Gesetzlosen gerechnet worden, den Übeltätern beigesellt worden (Jes. 53, 12; Markus 15, 28; Lukas 22, 37). Da fehlten Mitleid und Tröster, wie wir das auch im Blick auf den Herrn Jesus lesen (Psalm 69, 20). Gott aber stand im Begriffe, Joseph aus seinen Drangsalen zu erretten, ihm die Gunst Pharaos zuzuwenden, ihn als Verwalter über das ganze Haus und über ganz Ägypten zu setzen (Apostelg. 7, 10).

Gott beschäftigt sich mit beiden, dem Tode verfallenen Beamten, durch Träume. In Hiob 33, 15–18 wird uns gesagt, dass Gott gerade durch Träume den Menschen warnen will, dass er nicht wie ein Blinder ins Verderben rennt, sondern dass er möchte gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Joseph diente den beiden Gefangenen. Voll innigen Mitgefühls bemerkt er eines Morgens, dass sie missmutig sind und er fragt sie: „Warum sind eure Angesichter so trübe?“ (l. Mose 40, 7.) Beide erzählen Joseph ihre Träume. Joseph versucht ihr Gewissen zu erreichen und bringt sie in die Gegenwart Gottes. „Sind die Deutungen nicht Gottes?“ (l. Mose 40, 8). Gott allein kann uns schwachen Geschöpfen Seine Gedanken mitteilen, sie uns offenbaren durch Sein Wort und durch Seinen Heiligen Geist; dies fühlte Joseph. „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt“ (Jak. 1, 5). Keiner der Gefangenen vermochte den Träumen eine Deutung zu geben (Vers 8). Es fehlte ihnen die Verbindung mit Gott. Die Gläubigen allein haben den „Sinn des Christus“ (1. Kor. 2, 16). Auch sie müssen immer wieder Licht und Klarheit über alle Fragen von Gott erbitten. Josephs Mitgefühl für andere ist lieblich. Vollkommenes Mitgefühl finden wir aber nur beim Herrn Jesus. Er hat durch Lehren, Fragen und Antworten stets versucht, die Herzen und Gewissen der Menschen zu erreichen. Das Gewissen ist das Fenster, durch welches das Licht Gottes in das Innere des Menschen dringt. Und wie hat sich der Herr der Trauernden angenommen!

Joseph teilte den beiden Gefangenen Gottes Gedanken mit: der Schenke kommt nach drei Tagen begnadigt in sein Amt zurück – der Bäcker wird nach drei Tagen an das Holz gehängt (Vers 22). Ähnliches sehen wir auf Golgatha. Der eine der Übeltäter tut Busse und ihm wird ein völliges Heil geschenkt. Er empfängt nicht nur eine Verheißung, nicht ins Gericht zu kommen, sondern die feste Zusage: „Heute wirst du mit Mir im Paradiese sein !“ Wenn jemand errettet werden will, muss er sich vorerst als verlorener Sünder erkennen und sich bußfertig an den Herrn Jesus wenden, dann wird er von Ihm (das ewige Leben empfangen. Niemand auf Golgatha hatte solches Interesse und solche Liebe, Erbarmen und Gnade für den bußfertigen Räuber wie der Herr Jesus, den zuvor beide Übeltäter gelästert hatten. Der Herr hatte gesagt: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6, 37) und diese Zusage hält der Herr heute noch aufrecht. Doch der andere hatte sich nicht zu Jesu gewandt trotz der wunderbaren Worte, die er hörte. Die Gnadenzeit wurde von ihm nicht benutzt.

Ein ähnliches Bild haben wir in bezug auf den Herzenszustand der beiden Gefangenen bei Joseph im Gefängnis. Beide wussten, dass sie mit Recht dem Tode verfallen waren. Kapitel 41, 9 zeigt uns klar, dass der Schenke seine Sünde erkannt und ein Gefühl darüber hatte, der Bäcker aber nicht. In Römer 14, 10. 12 und in 2. Korinther 5, 10 ist vom Richterstuhl Gottes und vom Richterstuhl des Christus die Rede. Gott zeigt dem bußfertigen Sünder, der zitternd an den Richterstuhl Gottes denkt, was für den Sünder geschehen ist am Kreuz von Golgatha. Er zeigt ihm den Weinstock, Christus, das Bild der wahren Frucht und der Freude (Joh. 15, 1–2). Die drei Reben weisen hin auf die Notwendigkeit des Todes des Christus, sowie auf Seine siegreiche Auferstehung. Dass weder Joseph noch der Schenke an etwas Derartiges dachten, ist ja wohl klar, aber wir dürfen davon eine Anwendung machen. Der Geist Gottes weist uns auf Christus hin, auf Seine Leiden und auf die Herrlichkeiten danach. Die Blüten der drei Reben reiften zu Traubenkämmen und zu Trauben. Dann presste der Schenke die Trauben in den Becher des Pharao. Blüten, Traubenkämme, Trauben: dürfen wir da nicht an das Leben des Herrn, Sein Opfer und Seinen Sieg denken? (Joh. 17, 3–4).

Bei dem bußfertigen Räuber sehen wir die gleiche Reihenfolge: er verurteilt sich, das ist Busse, dann rechtfertigt er Gott und vertrauensvoll nimmt er Zuflucht zu Jesu, dem Sünder–Heiland, das ist Glaube.

Beim Bäcker sehen wir nichts dergleichen. Er gestattete sogar ganz ruhig, dass die Vögel das für Pharao bestimmte Backwerk fraßen. Er hatte kein Verantwortungsbewusstsein und das erinnert an Matthäus 13,4, wo die Vögel den ausgestreuten Samen auffraßen, ein Bild von Satan und seinen Engeln, die den Samen des guten Wortes wegnehmen, so dass keine Frucht hervorgehen kann. Gottes Absicht war, den Bäcker und den Schenken zu retten, aber die Worte Josephs blieben auf den Bäcker ohne Einfluss. Er starb in seinen Sünden. Wie furchtbar! Aber auch der Schenke vergaß Joseph (Vers 40). Kapitel 40, 15 erinnert an die Worte Jesu: „Wer von euch überführt Mich einer Sünde?“ (Joh. 8, 46).

Josephs Erhöhung

1. Mose 41

Der Apostel Jakobus schreibt den Gläubigen: „Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk“ (Jak. 1, 4). Gott legt großen Wert auf das Ausharren der Gläubigen. Er nennt sich in Römer 15, 5 den „Gott des Ausharrens“. Nach Römer 5, 3–4 bewirkt Trübsal Ausharren, Ausharren aber Erfahrung. Das alles sehen wir bei Joseph, in Vollkommenheit aber in unserem Herrn Jesus Christus.

Zwei lange Jahre vergingen, von denen uns keinerlei Vorkommnisse mitgeteilt werden. Der Glaube wird auf die Probe gestellt. Vielleicht kam es zeitweise auch in Josephs Herzen auf wie bei dem Psalmisten, welcher klagt: „Warum hast Du mich vergessen? Warum gehe ich trauernd einher wegen der Bedrückung des Feindes?“ (Psalm 42, 9–10).

Wieder redet Gott durch einen Traum und zwar jetzt durch Pharao selbst. Unruhe und Ratlosigkeit ist das Ergebnis. Schriftgelehrte und Weise können Pharaos Träume nicht deuten. Gott hat die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht, doch das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen (l. Kor. 1, 25). So wird auch in späteren Tagen Ratlosigkeit und Bedrängnis einsetzen. Alles wird voll Unruhe und Unordnung sein, wie Lukas 21, 25–27 uns belehrt und was wir bereits heute schattenhaft wahrnehmen können. „Er lähmt die Hand eines jeden Menschen“ . . . „Sie können vor Finsternis nichts vorbringen“ (Hiob 37, 7. 19). Jeremia sagt: „Dumm wird jeder Mensch ohne Erkenntnis“ (Jer. 10, 14).

In Kapitel 41 handelt es sich darum, Joseph einzusetzen als Herr und Gebieter über ganz Ägypten. Not und Ratlosigkeit schaut aus nach einem Erretter. So wird es noch in weit größerem Masse in den Tagen des Menschensohnes sein, wie die oben angegebene Schriftstelle besagt. Alle Kunst und Weisheit der Menschen wird versagen (Offenbg. 9, 6). Alle Freude und Wonne ist verschwunden (Offenbg. 18, 21–23). Und Gott ruft den Menschen zu: „Lasset ab und erkennet, dass Ich Gott bin“ (Psalm 46, 10). Ja, der ohnmächtige Mensch muss dann seine Hände sinken lassen, seine vermeintliche Weisheit erwies sich als Torheit und führte den Menschen in Verderben und Untergang. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit !“, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie (1.Thes 5, 3). Der dann bestehende Block der zehn vereinigten Königreiche kommt ins Wanken, stürzt und sein Fall wird groß sein (Daniel 2).

Sieben fette Kühe, sieben volle Ähren reden von Segen, sieben magere Kühe, sieben dürre Ähren, um mit dem Traum Pharaos zu reden, vom Gericht. Es ist Jehova–Gott, der Seine Gedanken offenbaren will. Aber nur durch Joseph soll Licht und Klarheit wie auch Hilfe und Rettung werden. Das Bindeglied wird jener uns bekannte Schenke, der vor Pharao bezeugt: „Ich gedenke heute meiner Sünden“ (1. Mose 41, 9). Das ist einer von denen, über die man sich im Himmel freut, welche den Weg zur wahren Weisheit gefunden haben und die Gott in Seinem Dienste benutzt. So wird der durch Pharao begnadigte Schenke ein wichtiges Glied in dieser Kette. Er lenkt aller Blicke auf Joseph, den hebräischen Jüngling in der Feste.

„Da sandte der Pharao hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilends aus dem Kerker gehen. Und er schor sich und wechselte seine Kleider und kam zu dem Pharao“ (1. Mose 41, 14).

Hier haben wir das Bild von der Auferstehung Jesu, der in eigener Kraft (das Grab verließ und „die Wehen des Todes auflöste, wie es denn nicht möglich war, dass Er von denselben behalten würde“ (Apostelg. 2, 24).

In dem Leibe, in welchem Er müde, hungrig und durstig wurde, in dem Er litt bis zum Tode am Kreuz, aber erhöht und verherrlicht wurde, verließ Er in der Auferstehung das Grab, wechselte, um im Vorbild zu reden, Seine Kleider. In einem Leibe von Fleisch und Bein, mit welchem er durch verschlossene Türen gehen konnte, kein Geist, nein, ein wahrhaftiger Mensch mit den Nägelmalen und der geöffneten Seite; so erschien Er den Jüngern. Wie wunderbar ! Joseph wurde aus dem Kerker gerufen und Jesus durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt.

Nachdem Pharao seine Träume Joseph mitgeteilt hatte, ist Joseph bemüht, die Blicke des Pharao auf Gott zu richten. So lesen wir auch in den Evangelien von den Bemühungen des Sohnes Gottes, die Herzen der Menschen auf Gott hin zu richten. „Was Er den Vater tun sieht das tut auch in gleicher Weise der Sohn“ (Joh. 19). Pharao muss bekennen, dass keiner von seinen Weisen imstande war, seinen Traum zu erklären und ihm kundzutun, welches die Gedanken Gottes sind. So auch später, wie wir uns bereits erinnerten, die „Hoffart des Mannes wird gebeugt werden; und Jehova wird hoch erhaben sein, Er allein, an jenem Tage“ (Jes. 2, 11).

Pharao teilt nun seine Träume ausführlich dem Joseph mit und aller Blicke sind auf ihn gerichtet, von ihm Antwort erwartend.

Ähnliches finden wir auch in der Apostelgeschichte 2, 37; 10, 33. Joseph gibt Gottes Gedanken kund, keine Widerrede, noch Gegensprache erfolgt. Gottes Geist war wirksam, in engster Verbindung mit Joseph. „Kein Hund spitzte seine Zunge gegen Israel“ (2. Mose 11, 7).

Sieben fette Jahre würden kommen, danach sieben magere Jahre. Joseph erteilte Rat, was Pharao in dieser schwierigen Lage tun soll, nämlich sich nach einem weisen und verständigen Mann umsehen, als Leiter über Ägypten. Es sei Getreide aufzubewahren, als Vorrat über die sieben mageren Jahre der Hungersnot (1. Mose 41, 36).

So hat Gott auch uns, Seinen Kindern, Seine Gedanken und Ratschlüsse kundgetan, uns Seine ganze Wahrheit und auch das Zukünftige kundgemacht (Eph. 1, 9). Gott hat auch Abraham nicht verborgen, was Er tun wollte (l. Mose 18, 17). Auch lesen wir in Offenbarung 1, 3: „Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung.“ „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt.“

Pharao spricht dann das bedeutungsvolle Wort: „Werden wir einen Mann finden wie diesen, in dem der Geist Gottes ist?“ Lukas 4, 18 zeigt uns die volle Erfüllung: dieser e i n e Mann ist gefunden. In Apostelgeschichte 2, 22 und 13, 22 wird dasselbe Wort gebraucht im Blick auf den Herrn Jesus, den e i n e n Mann; „der Mann, der Mein Genosse ist“ (Sach. 13, 7). In Psalm 89, 19 finden wir das schöne Wort: „Hilfe habe Ich auf einen Mächtigen gelegt, Ich habe einen Auserwählten erhöht aus dem Volke.“ (Vergl. auch Jeremia 23, 5 mit 1. Mose 41, 39.)

So setzt denn Pharao Joseph über das ganze Land Ägypten; er nimmt den königlichen Siegelring und tut ihn an die Hand Josephs, das Zeichen der Vollmacht. Er kleidet ihn in Gewänder von Byssus und legt die goldene Kette um seinen Hals. Diese reden im Vorbilde von den erworbenen Herrlichkeiten, welche Christus von Gott erhielt und der Gewalt, welche Ihm im Himmel und auf Erden verliehen ist (Matth. 28, 18; Offenbg. 1, 18; Joh. 5, 22. 27). Davon redet auch der Name, den Joseph von Pharao empfängt: Zaphnath – Pahneach, was bedeutet: „Retter der Welt“ oder „Erhalter des Lebens“. Welch wunderbare, passende Namen auf den Herrn Jesus hin !

Gott hatte im Blick auf den ersten Menschen gesagt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; Ich will ihm eine Gehilfin machen.“ Ebenso hat Pharao Sorge getragen, dass auch für Joseph eine Gehilfin gefunden wurde, die ihm dienen und alles mit ihm teilen würde. Es ist eine Heidin, namens Asnath, die Tochter Potipheras, eines Priesters von On. Diese fremde, ohne Gott, in Verbindung mit heidnischem Götzendienst dahinlebende Jungfrau, wird aus der Finsternis des Heidentums an die Seite Josephs gebracht. Herausgenommen aus den alten Verbindungen, tritt sie in ein ganz neues Verhältnis ein. Welche Gnade für Asnath!

Asnath ist ein Bild von der wahren Kirche oder Versammlung des Herrn Jesus Christus, wie sie später in Herrlichkeit mit Christus vereinigt alles mit Ihm teilen und mit Ihm herrschen wird.

Christus, von den Juden verworfen wie zuvor Joseph von seinen Brüdern, nahm Seinen Platz droben ein. Der Heilige Geist wurde gesandt, um aus Juden und Heiden eine Braut, eine Gehilfin für Christus zu sammeln. Diese Auserwählten, alle Erlösten, alle wahren Gläubigen, sind dazu bestimmt, des Herrn Herrlichkeit mit Ihm zu teilen.

Der erste Traum Josephs, der von der Erde redet und der zweite, welcher den Himmel zum Gegenstand hat, fanden hier ihre Erfüllung: Joseph wurde außerhalb Kanaans erhöht und verherrlicht. Bald sollten auch seine Brüder kommen, um sich vor ihm niederzubeugen. So nahm auch der Herr Jesus Seinen Platz im Himmel ein, dort sieht Ihn der Glaube mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt und rühmt und preist Ihn. (Siehe Hebräer 1, 1–3; 7–10; Joh. 17, 1–5; Apostelg. 3, 13).

Der Name Asnath bedeutet: Verderben. Ja, aus welch tiefem Verderben und Abgötterei war sie herausgekommen! Im heidnischen On verehrte man den Sonnengott und On bedeutet Sonnenstadt.

An der Seite Josephs hörte sie etwas ganz Neues, da lernte sie Jehova, den Gott Josephs, kennen. Sie lernte seine Träume und seine Geschichte kennen. Für sie allein hieß es nicht: „Werfet euch nieder!“, denn sie war Genossin der Herrlichkeit Josephs und sie war die Herrlichkeit Josephs, ihres Mannes (1.Kor 11, 7). Sie war seine Geliebte, Miteinverleibte und Miterbin. Alles aus Gnaden, nicht aus Werken; jeder Ruhm ihrerseits war ausgeschlossen. Eine ganz neue Zeitrechnung fing für Asnath an, so wie es auch später beim Volke Israel der Fall war. (Siehe 2. Mose 12,2).

Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor Pharao stand. In Lukas 3, 23 wird dasselbe auch vom Herrn Jesus gesagt, auch er war dreißig Jahre alt, als Er Seine öffentliche Laufbahn begann. In 4. Mose 4, 3 wird ebenfalls ein Alter von dreißig Jahren bestimmt, um einen Dienst am Zelte der Zusammenkunft verrichten zu können.

Die Verse 47–49 zeigen uns Josephs Weisheit. So spricht auch Jeremia prophetisch von der Weisheit des Messias. Diese wird sich aufs Wunderbarste offenbaren, wenn Er die Zügel der Regierung übernimmt, da wird der Segen überströmen.

Verse 53–57 zeigen vorbildlich, dass Christus Jesus für alle Menschen reichlich Nahrung hat. Das Brot des Lebens ist in Überfluss vorhanden (Matth. 11, 28; Lukas 15, 17; Jes. 55, 1–5).

Weiter sehen wir Joseph als Haupt einer Familie außerhalb Kanaans. Aber trotz des Überflusses nennt er es das Land des Elends, sein Glaube war mit Kanaan verbunden (1. Mose 50, 24. 25). Ehe das Jahr der Hungersnot begann, war die Familie Josephs vollzählig. Dies darf man wohl auch als ein Hinweis darauf anwenden, dass die Familie der Kinder Gottes vor den Gerichten vollzählig droben beim Herrn sein wird: „Siehe, Ich und die Kinder, die Gott Mir gegeben hat“ (Hebr. 2, 13). Wenn die große Drangsalszeit beginnt, werden die Kinder Gottes, die Versammlung (Gemeinde) des Herrn, droben im Vaterhause sein (Offenbarung 3, 10). Pharao weist alle zu Joseph hin und fügt hinzu: „Tut, was er euch sagt!“ (Vers 55).

„Gebet zu Jesu !“ ist die Einladung, die sich auch heute an alle Menschen richtet. „Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen“ (1. Tim. 2, 5). Nicht nur Ägypten, alle Welt soll und darf zum wahren Joseph, zu Jesu, kommen. Der Name Jesu soll und wird auf der ganzen Erde bekannt werden. „Tut, was Er euch sagt!“ gilt für alle, die in Lebensverbindung mit Jesus gekommen sind (Joh. 14, 23; 17,14).

So haben wir in unserem Kapitel drei wichtige Hinweise auf Christus: 1. Alle Gewalt ist Ihm gegeben im Himmel und auf Erden. 2. Er teilt den Platz zur Rechten Gottes mit Seiner Genossin, der Kirche. 3. Mit Seiner Regierung und Verwaltung ist Er eine Segensquelle für alle Menschen auf der Erde. Ja, Christus ist der vollkommene und wahre Werkmeister Gottes (Sprüche 8, 22–36). „Von Ihm und durch Ihn und für Ihn sind alle Dinge; Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit ! Amen (Römer 11, 36).

Wie glücklich sind wir, dass uns Gott, der Vater, durch Seinen Heiligen Geist alles was mit der Person des Herrn Jesus in Verbindung steht, geoffenbart hat. Der Glaube erfasst es, wenn wir auch heute nur weniges davon verstehen und genießen können. Bald werden wir alles in Vollkommenheit schauen dürfen.

Die Brüder vor Joseph

1. Mose 42

Dieses Kapitel zeigt uns vorbildlich die Ereignisse, welche dem zweiten Kommen des Christus vorausgehen und dasselbe vorbereiten. Gott ist bemüht, die Brüder Josephs mit ihrem Bruder in Verbindung zu bringen. Der Schluss von Kapitel 41 zeigt uns den Beginn der großen Drangsalszeit, die Zeit der Gerichte auf Erden. Vorher sehen wir in Asnath die Kirche, welche vor der Drangsalszeit in Sicherheit gebracht wird. Am Ende des Kapitels handelt es sich um Ägypten, wie auch um die ganze Welt; alles soll mit Joseph in Verbindung und Abhängigkeit gebracht werden. Das ist auch ein Vorbild der gegenwärtigen Zeit; Gott möchte so gerne alle Menschen zu Jesus bringen. Von Kapitel 42 an, der ersten Reise der Brüder Josephs nach Ägypten, handelt es sich um Israel, um die Juden, sie mit Christus bekannt zu machen. Die siebzigste Jahr–Woche Daniels harrt noch ihrer Erfüllung (Daniel 9).

„Und Jakob sah, dass Getreide in Ägypten war, und Jakob sprach zu seinen Söhnen: Was sehet ihr einander an?“ Warum sahen sie einander an, als Jakob von Ägypten sprach? Ihr belastetes Gewissen vermied es, von Ägypten zu reden, trotzdem ihnen durch andere bezeugt wurde, dass dort Getreide in Fülle vorhanden war. ja, nach Ägypten waren vor dreizehn Jahren die Ismaeliter mit Joseph hinabgezogen, vielleicht lebte er dort noch als Sklave und er konnte ihnen begegnen. Ihre Missetat würde dann gefunden werden und ihre Sünde und Schuld die gerechte Strafe empfangen. Ihr Schweigen von Ägypten war selbst dem Vater Jakob nicht entgangen. Welch unendliche Gnade ist es doch für uns, dass alle unsere Sünden, alle unsere Übertretungen in dem kostbaren Blut unseres Erlösers getilgt sind (Psalm 32, 1–5; 1. Joh. 1, 7; Hebr. 10, 17).

„Ziehet hinab und kaufet uns von dort Getreide, dass wir leben und nicht sterben“, sagt Jakob zu seinen Söhnen. Die Not drängt, es bleibt kein anderer Ausweg mehr übrig, denn „alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben“ (Hiob 2, 4). Die Söhne Jakobs dachten wohl auch, Joseph lebt gewiss nicht mehr, er ist sicherlich tot. Zudem wollten sie ja nur friedlich in Ägypten etwas Getreide kaufen, um ihren Hunger zu stillen. Doch Jakob lässt Benjamin nicht mit seinen Brüdern nach Ägypten ziehen. Er sprach: „Dass ihm nicht etwa ein Unfall begegne“. Jakob hatte kein Vertrauen in seine Söhne – die Sache mit Joseph stand noch frisch vor seiner Seele, die Wunde vernarbte nicht. Sie mochten die Absage Jakobs tief empfinden. Benjamin war an der bösen Tat nicht beteiligt. Er war unschuldig. „Ihr werdet den Unterschied sehen zwischen Gerechten und Gesetzlosen.“ „Die Augen Jehovas sind an jedem Orte, schauen aus auf Böse und auf Gute“ (Sprüche 15, 3). Auch die Fischer tun nur gute Fische in die Gefäße, aber die Faulen werfen sie fort (Matth. 13, 48).

In Ägypten angekommen, war der Weg zu dem Manne Zaphnath – Pahneach und zu den Vorratshäusern leicht zu finden, denn alle Welt zog nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. Um nicht erkannt zu werden, mischten sich die Söhne Jakobs unter all die Menschen, denn ihr belastetes Gewissen war auch mit nach Ägypten gezogen und die Gefahr, erkannt zu werden, war groß. Ängstlich überschauten sie die vielen längs des Weges arbeitenden Sklaven, aber Joseph war nicht unter ihnen (Siehe Römer 2, 15; Psalm 139, 7–11).

Nun kam der Augenblick, da sie mit dem Herrscher über ganz Ägypten, der mit dem Byssus – Gewande und mit der goldenen Kette bekleidet war, zusammentrafen. „Werfet euch nieder!“, rief man vor ihm her. Auch die Söhne Jakobs beugten sich nieder mit dem Antlitz zur Erde. Diesen Mann hatte sich Gott auserkoren und ihn mit Würde, Macht und Herrlichkeit ausgestattet. Er hatte ihm alles kundgemacht: die sieben fetten Jahre, die sieben mageren Jahre, dies alles war weit über Ägypten hinaus bekannt geworden. „Er war gleich dem Pharao“ (1. Mose 44,18).

Dieser hoheitsvolle Mann heftete seine Augen fest auf die Söhne Jakobs. Er hatte sie erkannt als seine schuldigen Brüder, aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen und redete nur durch einen Dolmetscher zu ihnen. Ja, er redete hart mit ihnen und sprach zu ihnen: „Woher kommt ihr?“

Wenn schon die hoheitsvolle Person sie erzittern ließ, wenn es hieß: „Werfet euch nieder!“, wie viel mehr jetzt, da sie über sich selbst Auskunft geben mussten. ja, „Woher kommt ihr ?“! Ihre Antwort war: „Aus dem Lande Kanaan, um Speise zu kaufen“. Joseph, sich wohl seiner Träume erinnernd, redet hart mit ihnen: „Ihr seid Kundschafter, zu sehen wo das Land offen ist, seid ihr gekommen“. Er bezeichnet sie damit als unredliche Menschen mit verdeckten Plänen und Absichten. Sicher waren sie keine Spione, aber wie böse und trügerisch, wie hart und brutal hatten sie an ihrem Bruder Joseph gehandelt. (Siehe Kap. 34, 25–29; 37, 13–32). Wie waren sie, nach Erreichung ihres betrüglichen Rates, den sie den harmlosen, nichts ahnenden Männern und Bewohnern der sorglosen Stadt Sichem gaben, wie wilde Tiere über sie hergefallen, um zu rauben und zu plündern; Kinder und Frauen führten sie gefangen hinweg. jene so schändlich hintergangenen Männer hatten durch deren Worte und Benehmen den Eindruck bekommen: „Diese Männer sind friedlich gegen uns, so mögen sie im Lande verkehren“ (l. Mose 34, 21). Zweimal hatten die Söhne Jakobs jene Männer betrogen, um dann zu morden und zu plündern.

Joseph kannte seine gewissenlosen Brüder und er suchte sie in das Licht Gottes zu führen. In Psalm 18, 25. 26 lesen wir: „Gegen den Gütigen erzeigst Du Dich gütig ... gegen den Reinen erzeigst Du Dich rein, und gegen den Verkehrten erzeigst Du Dich entgegenstreitend“.

Der Herr Jesus redete sanfte Worte der Liebe und der Gnade zu den Gebeugten, Trostbedürftigen, wie zu solchen, welche ihre Sünden fühlten, aber ernste und harte Worte redete Er zu den heuchlerischen Pharisäern und Schriftgelehrten.

„Wir sind alle eines Mannes Söhne, wir sind keine Kundschaften“ Sie wollten offenbar damit sagen: Wir sind von bester Herkunft und aus guten familiären Beziehungen und sind in Frieden untereinander und auch mit unserem Vater. Seinerzeit hatten sie nicht daran gedacht, „Söhne eines Mannes zu sein“. „Erkenne doch, ob es der Leibrock deines Sohnes ist“, so hatten sie böse und lügnerisch geredet. Joseph aber wusste, wie ihre Redlichkeit aussah; sie waren noch dieselben Brüder und darum antwortete ihnen Joseph: „Nein, sondern ihr seid gekommen, um zu sehen, wo das Land offen ist“.

Genau so entsprach es ihren Gewohnheiten und wenn sich ihnen eine Gelegenheit bot, offenbarten sie sich als Räuber, Mörder und Sklavenhändler. Ihr wahrer Zustand hätte sich gar bald offenbart, denn „der Pardel kann seine Streifen nicht ändern und der Mohr nicht seine Haut wandeln“; und „was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch“. Jetzt waren sie in innerer Not und Bedrängnis, und darum stellten sie sich fromm und sprachen von ihrer Redlichkeit. Ihre trügerischen Herzen und ihre belasteten Gewissen suchen weiterhin Joseph zu täuschen und sprechen: „Zwölf Brüder sind wir, deine Knechte, Söhne eines Mannes im Lande Kanaan; und siehe, der jüngste ist heute bei unserem Vater, und der Eine ist nicht mehr“.

Ihr Gewissen klagt sie an. Gott redet mit ihnen, aber sie verschweigen ihre Sünde und Schuld und suchen sie zuzudecken. (Vergleiche Psalm 32, 5.) Ja, wie lieblich hätte sich das Bild von zwölf Brüdern in Verbindung und Gemeinschaft mit ihrem Vater gestaltet. Welch ein Segen hätte dies für das Land Kanaan sein können! Ihr böser Herzenszustand und ihre Sünden hatten alles verdorben. Sie wussten nur zu gut, weshalb ihr Vater Jakob ihnen seinen jüngsten Sohn nicht mitgegeben hatte. Es war nicht so, wie sie es darzustellen versuchten, als seien es Besorgnisse der Liebe um den jüngsten gewesen, dass er beim Vater blieb.

Joseph wiederholte zum zweitenmal seine Beschuldigung: „Ihr seid Kundschafter. Daran sollt ihr geprüft werden: Beim Leben des Pharao ! wenn ihr von hier weggehet, es sei denn, dass euer jüngster Bruder hierher komme ! Sendet einen von euch hin, dass er euren Bruder hole ... eure Worte sollen geprüft werden, ob Wahrheit bei euch ist ... und er setzte sie drei Tage zusammen in Gewahrsam“.

Drei Tage hatten sie einst in Sichem gewartet, um am dritten Tage alles Männliche zu ermorden (1.Mose 34, 25). Jetzt nahte auch ihnen ein verhängnisvoller dritter Tag – fürwahr, sie waren schuldig. Gott redete mit ihnen; aber keiner findet sich bereit, den Weg nach Kanaan anzutreten, um Benjamin zu holen. Sie wussten nur zu gut, dass der Vater den jüngsten keinem von ihnen anvertrauen würde, und das bedeutete ihren Tod.

„Beim Leben des Pharao“, hatte der alles durchforschende Mann zweimal beteuert. Ihr Schweigen keiner will den Weg nach Kanaan antreten – musste sie ja schwer belasten, dass sie gelogen hatten und Kundschafter seien. Der dritte Tag bedeutete für sie also nur den Tod. Nach dem Tode aber kommt das Gericht. Dennoch blieb der Zustand ihrer Herzen trotz der drei Tage Gelegenheit zu ernstem Nachdenken unverändert.

Aber wie im Garten Eden Gott nach dem Sündenfalle Adam und Eva im Dickicht der Bäume, wo sie sich versteckt hatten, suchte, macht Er auch jetzt den Anfang, das Verlorene und Verirrte zu suchen. So sehen wir es in Lukas 15, wo der Hirte dem Verlorenen nachgeht. So ist Joseph hier der Schiedsmann – auch er macht den Anfang – und vermittelt (Hiob 9, 33). Ja, Er liebt seine Brüder, wie Gott den Sünder liebt, und nicht will, dass jemand verloren gehe.

Am dritten Tage, wie wir auch im Blick auf den gläubigen Überrest in den letzten Tagen lesen (Hosea 6, 2–3) wird es Licht, statt dem Tode erscheint das Leben. Doch Joseph greift nicht durch Gericht ein, obwohl das das Gegebene gewesen wäre, nein, er sucht die Gewissen in Tätigkeit zu bringen. „Tut dieses und ihr sollt leben; ich fürchte Gott: Wenn ihr redlich seid, so bleibe einer eurer Brüder gefangen im Hause eures Gewahrsams. Ihr aber ziehet hin, bringet Getreide für den Bedarf eurer Häuser; und euren jüngsten Bruder sollt ihr zu mir bringen, dass eure Worte sich bewähren, und ihr nicht sterbet.“

Josephs „Ich fürchte Gott !“ brachte ihre Gewissen in die Gegenwart eines heiligen und gerechten Gottes. Es wurde Licht in ihren dunklen Seelen. Was blieb da noch von ihren frommen Redensarten übrig? Die Gnade und Barmherzigkeit des gewaltigen Mannes: „Bringet Getreide für den Bedarf eurer Häuser“ erinnert uns an Psalm 103, 10: „Er hat uns nicht getan nach unseren Sünden, und nach unseren Ungerechtigkeiten uns nicht vergolten.“

Am dritten Schöpfungstage erstand die Erde und brachte hervor Gras, Kraut, Frucht tragende Bäume – die Wasser sammelten sich an einen Ort, da wurde die Erde gebildet und das Meer.

Am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana und am dritten Tag stand der Herr Jesus auf von den Toten.

So wurde auch der dritte Tag in unserem Kapitel der Anfang einer ganz neuen Zeit. Die Brüder Josephs tun Busse, sie brechen den Stab über sich selbst. Sie fühlen, dass das Blut Josephs jetzt von ihnen gefordert wird. Ja, die Gnade und Liebe Josephs schmelzen das Eis. Die Sonne durchbricht die Nacht, die eisernen Riegel werden zerschlagen, die ehernen Herzenstüren zerbrochen (Psalm 107, 16). Es ist der Morgen eines neuen Tages. Er wirkt Frucht für Gott und Freude im Himmel.

„Da sprachen sie zueinander: Fürwahr wir sind schuldig wegen unseres Bruders, dessen Seelenangst wir sahen, als er zu uns flehte, und wir hörten nicht; darum ist diese große Drangsal über uns gekommen“ (Verse 21. 22).

Welche Worte für Joseph ! der auch jetzt wieder seine Brüder suchte wie einst in Dothan (1. Mose 37, 16). Welch eine Freude für Gott und Seine Engel, wenn ein Sünder Busse tut ! und hier waren es zehn überführte Sünder! Es ist das erste Gute, was uns der Heilige Geist in Gottes Wort von den zehn Söhnen Jakobs berichtet. Es war der Hauch des beginnenden neuen Lebens, da war aufrichtige Frucht, Frucht für Gott.

Dasselbe lesen wir auch in Jesaja 53, 4, als erste Antwort des späteren Überrestes im Blick auf Christus. Hiob beschreibt den wunderbaren Vorgang der Wiedergeburt mit ähnlichen Worten: „Ich hatte gesündigt und die Geradheit verkehrt und es ward mir nicht vergolten“ (Hiob 33, 27).

Es fällt dem Menschen nicht schwer, von seinen guten Seiten und von seinen guten Werken zu reden, doch vor den Ohren anderer von seinen Sünden und Übertretungen zu reden, wie wir es hier bei den Brüdern Josephs finden, das vermag nur die Gnade durch den Heiligen Geist und Gottes Wort zu bewirken. „Fürwahr, wir sind schuldig“, oder „Wir sind verlorene Sünder“, das nach den drei Tagen im Gefängnis zu bekennen war ein Erwachen aus dem Todesschlaf.

Neue Lebenshoffnung drang in ihre Herzen. Die Worte Josephs waren ihnen wie Himmelsmusik, ein Sonnenstrahl der Gnade, des Lichtes und der Liebe. Sie waren bereit, den Weg zu gehen, wie ihnen geraten war.

Freilich wird diese schöne Szene ein wenig getrübt durch die Worte Rubens: „Habe ich euch nicht gesagt und zu euch gesprochen: Versündiget euch nicht an dem Knaben!? Aber ihr hörtet nicht und siehe, sein Blut wird auch gefordert“. An seine persönlichen Sünden dachte er nicht. Er gleicht dem Pharisäer in Lukas 18, 11, denn Ruben war mitschuldig. Andererseits verschärft Ruben das Urteil über sie alle und schließt sich mit ein: „sein Blut wird auch gefordert“ (Vers 22). Es blieb nur noch die Gnade übrig.

Der Dolmetscher ist wohl ein Bild vom Heiligen Geiste; er ist der Vermittler der Gedanken und Reden.

Von den Jüngern auf dem Wege nach Emmaus lesen wir auch „Ihre Augen wurden gehalten, dass sie Ihn nicht erkannten“ (Lukas 24, 16). So erkannten auch die Söhne Jakobs ihren Bruder nicht. „Und er, Joseph, wandte sich von ihnen ab und weinte“ (Vers 24). Bis Kapitel 50 wird siebenmal von Joseph gesagt, dass er weinte; hier zum erstenmal. In Hosea 11, 8 lesen wir prophetisch vom Herrn in bezug auf das Volk Israel fast dasselbe Wort: „Mein Herz hat sich in Mir umgewandt, erregt sind alle Meine Erbarmungen.“ Und vorher sagt Gott in Vers 4: „Mit Menschenbanden zog ich sie, mit Seilen der Liebe.“

Wie ganz anders fühlt und handelt doch Gott als die Menschen! Wie nimmt Er Kenntnis, wenn irgend Zeichen der Busse sich zeigen ! Wie entspricht auch Joseph so lieblich der viel späteren Belehrung des Apostels Paulus an die Gläubigen in Korinth: „Die Liebe rechnet Böses nicht zu, sie lässt sich nicht erbittern, sie sucht nicht das ihrige.“

Es ist auffallend, dass wir bei Joseph nicht eine Spur, nicht ein einziges Wort finden, welches nicht in Einklang stände mit der Gesinnung unseres Herrn Jesus Christus. Da ist keine Sprache von sich selbst, keine Anklage gegen seine Brüder, keine Erwähnung dessen, wie sie an ihm gehandelt und gefehlt hatten, und dass Gott sie nun heimsuche obwohl dies selbstverständlich wahr war. Der Heilige Geist wachte darüber, wie auch Gott selbst, dass das Vorbild auf Christus hin durch nichts getrübt wurde. Dies ist die eine Seite, die andere Seite ist die, dass Joseph praktisch in der Gegenwart Gottes wandelte und sein Fleisch nicht wirken ließ. Doch war die Stunde für Joseph noch nicht gekommen, um sich seinen Brüdern völlig zu offenbaren. So ist auch im Blick auf die Wiederherstellung Israels die Stunde des Herrn, des Messias, noch nicht gekommen (Joh. 2, 4).

„Und er nahm Simeon aus ihrer Mitte und band ihn vor ihren Augen“ (Vers 24), um ihn als Pfand und Geißel zurückzubehalten. Warum Simeon? Ohne Frage geschah dies nicht willkürlich, denn: „Sollte der Richter der ganzen Erde nicht recht tun?“ (1. Mose 18, 25). „Simeon und Levi sind Brüder, Werkzeuge der Gewalttat ihre Waffen“ (1. Mose 49, 5). Die besondere Schuld, die auf ihnen lag, haben wir bereits erwähnt. Vielleicht war Simeon besonders beteiligt gewesen bei der bösen, gewalttätigen, grausamen Handlung mit Joseph. Vom Herrn Jesus als König wird gesagt: „Er wird verständig handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Lande“ (Jer. 23, 5).

Im Anschluss daran sehen wir wieder Gnade, Liebe und Erbarmen: Alle Gefäße werden mit Getreide gefüllt, alles umsonst, ohne Geld und ohne Kaufpreis; denn ihr Geld findet sich im Sacke eines jeden. „Sanft gegen sie, gab ich ihnen Speise“ (Hosea 11, 4). So luden sie ihr Getreide auf ihre Esel und zogen von dannen.

Im Blick auf den Überrest Israels in den letzten Tagen haben wir von Vers 21 an sein Erwachen. Er erkennt seine Schuld und Sünde in der Verwerfung ihres Königs und Messias und wird mit Ernst Busse tun. „Fürwahr“, sagen die Brüder Josephs. „Fürwahr“ lautet das erste Wort in Jesaja 53, 4 als Antwort auf die Frage Seines irdischen Bundesvolkes. Dieses wird mehr und mehr verstehen, wer Christus ist, Er, der durch sie verworfen wurde.

Neue Prüfung

1. Mose 42, 27–38

In der Herberge kommt eine neue Bestürzung über die Söhne Jakobs. Sie öffnen ihre Säcke, um ihren Eseln Futter zu geben, und siehe, ihr Geld war oben in den Säcken! „Da entfiel ihnen das Herz“ ... „Was hat Gott uns da getan?“ Zum erstenmal sprechen sie den Namen Gottes aus. Ihr Gewissen ist erwacht. Es tritt in Tätigkeit und klagt sie an. Sie verstehen: Wir haben es mit Gott zu tun. Wie soll noch alles enden? Ihre Herzen sind verzweifelt.

Zu Hause angekommen, berichten sie ihrem Vater Jakob alles – doch von ihrem Gespräch im Gefängnis (1. Mose 42, 21) erwähnten sie nichts. Es erging ihnen wie später dem Psalmisten: „Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir Deine Hand; verwandelt war mein Saft in Sommerdürre“ (Psalm 32, 3. 4).

Sie sind wieder die alten, unaufrichtigen Söhne Jakobs. Sie belügen ihren Vater: „Der eine ist nicht mehr“, sagen sie, statt offen und ehrlich ihre Sünde und Schuld zu bekennen; ihre heuchlerischen Tröstungen zu verurteilen und die Sache mit dem Leibrock freimütig zu bekennen. Sie wiederholen: Wir sind redlich, wir sind nicht Kundschafter. Ja, der Mann redete hart mit uns, beschuldigte uns zu Unrecht.

Ihr Vater Jakob wird den schönen Beteuerungen wenig Wert beigelegt haben, denn er erwidert kein Wort zu ihrer Rechtfertigung und Entlastung. Er schweigt. Selbst im Blick auf Simeon, der gefangen in Ägypten zurückgehalten wurde, lesen wir kein Wort des Tadels oder der Verurteilung hinsichtlich des Handelns des Gewaltigen in Ägypten. Dass sie das Geld in den Säcken wiederfanden, verschwiegen sie ebenfalls, obwohl sie sich dessen fürchteten. Doch Jakob hatte ein gutes Gewissen; seine Seele findet nach wie vor keine Verbindung und Gemeinschaft mit seinen Söhnen. Ja, er redet hart mit ihnen: „Ihr habt mich der Kinder beraubt. Joseph ist nicht mehr und Simeon ist nicht mehr und Benjamin wollt ihr mir nehmen! Dies alles kommt über mich!“ (1. Mose 42, 36.)

Zum erstenmal wird seit vielen Jahren im Hause Jakob der Name Joseph genannt. Die Wunde über Joseph war nicht vernarbt, sie blutete noch, ja, er hatte mit Recht ihn lieber gehabt als alle seine Söhne. Welch berechtigte Anklage Jakobs ! Wie werden die Söhne gezittert haben unter den mächtigen Hammerschlägen des Wortes Gottes, geredet durch Jakob ! Doch zu einem offenen Bekenntnis kommen sie nicht.

Diese Vorgänge im Seelenleben erweckter Menschen finden sich immer wieder bei Gläubigen, die vom geraden Wege abgewichen sind. Wir sehen, wie Satan die Herzen der Menschen betört und dann einzuschüchtern sucht. Er will sie festbinden in der Sünde, in Ungerechtigkeit und in der Welt. Wie langmütig ist Gott! Der Gute Hirte ermüdet nicht, dem Verirrten nachzugehen, bis Er es findet.

Viermal muss Gott zu Israel in Amos 4 sagen: „Ihr seid nicht bis zu Mir umgekehrt!“ Ebenso fordert der Heilige Geist in den Sendschreiben an die Versammlungen die Gläubigen auf, Busse zu tun (Offenbarung 2 und 3).

Jakob beugt sich in Demut unter Gottes allmächtige Hand. „Dies alles kommt über mich!“ Welch eine wunderbare Szene von ergreifender Wirkung für seine Söhne, die in ihrer Schuld vor ihrem Vater standen! Aber dennoch vergeblich, obwohl der Heilige Geist ihnen die Worte gleichsam in den Mund legt (Hosea 14, 1–2).

Das Anerbieten Rubens ist fleischlich und befriedigt Jakob nicht. Ruben erkannte später, dass Jakob ihm unmöglich Benjamin anvertrauen konnte. Für Ruben wäre es besser gewesen, er hätte seine im Gefängnis geredeten Worte hier wiederholt (1.Joh. 1, 8. 9). Vor Gott ist ein „zerbrochener Geist“ und ein „zerschlagenes Herz“ angenehmer als alle Opfer (Psalm 51, 16.17; 1. Kor. 13, 3). „Mein Sohn soll nicht mit euch hinabziehen; denn sein Bruder ist tot; und er allein ist übrig geblieben, und begegnete ihm ein Unfall auf dem Wege, auf welchem ihr ziehet, so würdet ihr mein graues Haar mit Kummer hinabbringen in den Scheol“ (l. Mose 42, 38).

Welch eine Anklage! Welch berechtigtes Misstrauen! Wie ist hier Jakob der Mund Gottes! Er zeigt ihnen einen breiten Weg, der zur Verdammnis führt, „auf dem Wege, auf dem ihr ziehet“. Welch scharfer Trennungsstrich zwischen Jakob und seinen Söhnen. Jakob redet nur noch von Benjamin als allein übrig geblieben. Jakob erkennt die Übrigen nicht an, denn „Jehova kennt den Weg der Gerechten, aber der Gesetzlosen Weg wird vergehen“ (Psalm 1, 6).

Welch ernste Belehrung bietet allen gläubigen Eltern wie uns allen die ernste Familien–Szene im Hause Jakobs. Wo Sünde sich zeigt, sei es in der Familie oder unter den Gläubigen, so gilt es, immer auf Gottes Seite zu stehen, wenn es auch, wie bei Jakob, mit Beugung und Demütigung verbunden ist. Dem Demütigen schenkt Gott Gnade. Wie manche Kinder haben ihren Eltern ein frühes Grab bereitet und sie in Kummer gebracht. Wie ernst für alle Kinder, wenn durch ihr Verhalten der Segen Gottes zurückgehalten wird. Gott segnete Jakob und belohnte ihn.

Eine Antwort von Seiten der Söhne Jakobs erfolgt nicht. Selbst Ruben verstummt. Alles bleibt wie es ist. Nur Jakob steht auf der Seite Gottes. Er trauert um Simeon, wie verfehlt auch sein Leben gewesen sein mag; auch bindet sich Gott nicht an das vermessene Anerbieten Rubens. „Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben“ (Psalm 49, 7).

Wie mag Jakob zu Gott gerufen haben, da die Dunkelheit zuzunehmen schien und auch die Macht des Feindes. Er stand ganz allein. Gott griff nicht ein und tat sich nicht kund. Dennoch war aber Gott nicht gegen ihn; Er war für Jakob voll innigen Mitgefühls; wie Er es auch uns gegenüber ist. Er sah das Ende von allem und hielt den alten Pilger und Patriarchen aufrecht. Er wollte auch im Blick auf seine Söhne noch alles gut machen, und sein Mund soll noch voll Lachens und seine Zunge voll Rühmens sein. Er will ihm ein Elim bereiten. „Harre auf Gott! denn ich werde Ihn noch preisen, der das Heil meines Angesichts und mein Gott ist“ (Psalm 43, 5).

Benjamin

1. Mose 43

„Und die Hungersnot war schwer im Lande“ (Vers 1). Mit diesen Worten leitet der Heilige Geist einen wichtigen Abschnitt im Blick auf die Brüder Josephs wie auch auf das ganze Haus Jakobs ein. Die Not wird größer und größer und der Weg ist mit Dornen verzäunt (Hosea 2,6). Aber trotz aller äußerer Not ist in den Herzen der Söhne Jakobs kein gottgemäßer, gebahnter Weg zu erkennen (Psalm 84, 5). „Du hieltest fest die Lider meiner Augen; ich war voll Unruhe und redete nicht“ (Psalm 77, 4). Sie hatten, da ihr Gewissen erwacht war, ihre Schuld erkannt, aber dieselbe weder vor Gott, noch vor Menschen bekannt und gerichtet. Ihre Sünde und Ungerechtigkeit ist nicht zugedeckt (Psalm 32, 1. 2). „Arglistig ist das Herz“ (Jer. 17, 9. 10). „Denn Meine Augen sind auf alle ihre Wege gerichtet; sie sind vor Mir nicht verborgen, und ihre Ungerechtigkeit ist nicht verhüllt vor Meinen Augen“ (Jer. 16, 17. 18).

Die äußere Lage wurde immer schwerer, die Not stieg aufs höchste. Der einzige Ausweg war Ägypten, wo des Brotes und Kornes die Fülle war. Aber keiner von den Söhnen Jakobs wagte davon zu reden, auch war die Reise ohne Benjamin zwecklos. Um ihn dreht sich fortan alles, er allein konnte sie vor völligem Untergang erretten. Dies hatte auch Jakob erfasst und erwogen. Er musste das Liebste preisgeben, das Liebste opfern, so wie einst der Vater Abraham auch völlig willig war, das Teuerste seines Herzens dahinzugeben. Benjamin weigerte sich nicht, das Opfer für seine Brüder zu bringen. Welch ein lieblicher Hinweis auf den Herrn Jesus, der, vom Vater gesandt, herabkam, um sich freiwillig als Opferlamm für die Sünde dahinzugeben, und zu erretten, was verloren war (Lukas 19, 10).

Nun wird Juda benutzt, um den Vater Jakob umzustimmen und ihn willig zu machen, das Opfer zu bringen. Seine Worte bezeugen, dass er ein anderer geworden war. Gott hatte das einst steinerne Herz umgewandelt in ein neues Herz; ein neuer Geist zeigt sich bei Juda. (Vergl. Hes. 36, 26). Dies wird sich auch später beim jüdischen Überrest zeigen, wie auch zu allen Zeiten, wenn wirklich eine wahre Wiedergeburt stattgefunden hat.

„Ich will Bürge für ihn sein, von meiner Hand sollst du ihn fordern.“ Welch wunderbare Worte! Es war etwas Neues; das Alte war vergangen. „Wer den Bruder nicht liebt, bleibt im Tode“ (l. Joh. 3, 14). Das war eine andere Sprache als die Rubens. Juda will Bürge sein; er macht sich völlig eins mit Benjamin wie auch mit dem Vater. „Wenn ich ihn nicht zu dir zurückbringe und ihn vor dein Angesicht stelle, so will ich alle Tage gegen dich gesündigt haben“ (Vers 9). Solche Worte waren bisher im Hause Jakobs nicht geredet worden. Das war himmlische Musik für die Ohren und das Herz des tief gebeugten Vaters. Er fühlte jetzt eine innere Verbindung mit Juda. Diese war von Gott; ein Balsam für die zerschlagene Seele Jakobs. Ein Licht der Hoffnung ging auf und der alte Gotteskämpfer „Israel“ – nicht Jakob sprach. „Wenn es denn also ist, so tut dieses: Nehmet von dem Besten des Landes in eure Gefäße und bringet dem Manne ein Geschenk hinab: ein wenig Balsam und ein wenig Traubenhonig, Tragant, Ladanum, Pistazien und Mandeln.“ Das waren sechs Früchte oder Erzeugnisse des Landes Kanaan, er fühlt sich angezogen durch die seinem Hause erwiesene Gnade durch Joseph. Jakob gibt mit dieser Gabe seiner Ehrerbietung wie auch der Huldigung dem Manne gegenüber Ausdruck, von welchem ihm seine Söhne erzählt haben. Es war ja wenig, was er ihm anbieten konnte, doch seine Seele war ganz erfüllt von ihm. Aber welchen Wert diese geringen Gaben für das Herz Josephs hatten, das konnte Jakob zu dieser Stunde noch nicht ahnen. Es waren Früchte aus Kanaan, gesandt von Josephs Vater.

So wird allezeit das Herz des Herrn Jesu wie das Herz Gottes des Vaters erfreut, wo irgend Früchte des neuen Lebens, als „Frucht des Geistes“ sich zeigen, wie gering und klein diese auch in unseren und anderen Augen sein mögen (Matth. 25,40; 1. Thes. 3, 12; 1. Kor. 13, 13).

Wie wird später Gottes Herz erfreut sein, wenn sich bei Seinem irdischen Bundes–Volke die ersten kleinen, geringen Früchte der Busse und Sinnesänderung zeigen, wie wir es hier bei Juda sehen ! Der lange kalte Winter wird einem neuen Frühling Platz machen müssen, neues Leben wird sich zeigen. „Die Blumen erscheinen im Lande . . . Der Feigenbaum rötet seine Feigen und die Weinstöcke sind in der Blüte“ (Hohelied 2, 12. 13).

Feigenbaum und Weinstock sind die bekannten Symbole vom Volke Israel. Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit kennzeichnet nun das ganze Haus Jakob. Das, worauf sie nicht Anspruch zu machen glauben, soll zurückgegeben werden, „vielleicht ist es ein Irrtum“. Wie zart, wie rührend ist jetzt die Sprache Israels (Vers 12). Benjamin wird freigegeben; Jakob hat sich selbst aufgegeben. Er beugt sich unter Gottes Willen und Zulassung. „Und Gott, der Allmächtige, gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne, dass er euch euren anderen Bruder und Benjamin loslasse.“

Im Jakobusbriefe lesen wir: „Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht“ und im Propheten Jesaja: „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, und bei denen, die zerschlagenen und gebeugten Geistes sind.“ Aber das Wort Jakobs. „Gott der Allmächtige“ hatte für die Söhne Jakobs eine andere Bedeutung als für ihren Vater. Dieser hatte ein gutes Gewissen, seine Söhne aber nicht. Wie konnten sie auf Barmherzigkeit rechnen, da sie an Joseph keine Barmherzigkeit übten, denn „das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat“ (Jak. 2, 13). Dann: „Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren“ (Matth. 5, 7).

Hinzu kam noch, dass sie eine große Verantwortlichkeit hinsichtlich Benjamins übernahmen. Ja wahrlich, nur auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit konnten sie noch rechnen, ein Hoffnungsstrahl in einer trostlosen, finsteren Nacht. Vielleicht gab es für sie auch noch Barmherzigkeit vor dem Manne, den sie so sehr fürchteten. Hatte er sich doch, trotz des ernsten Verhörs, teilnehmend erkundigt nach ihrer Verwandtschaft und gefragt: „Lebt euer Vater noch?“ (l. Mose 43, 7). Das war doch nicht die Art der Pharaonen und der ägyptischen Gewalthaber.

So zogen sie nach Ägypten und traten vor Joseph. Diesmal allein, nicht wie das erstemal mit den Ankommenden. Auch wussten sie, dass vor Zaphnat – Pahneach, der sie erwartete, eine Aussprache notwendig war. Wie mochte wohl nur alles ausfallen? Es war nur gut, dass sie Benjamin bei sich hatten, wie die Bedingung ja lautete. Auch hatten sie doppeltes Geld in ihren Händen mitgebracht; alles dieses würde wohl zu ihren Gunsten sprechen und ein Kundschafter Verdacht dürfte wohl kaum mehr aufkommen.

Als nun Joseph den Benjamin sah, erfolgte weder die gefürchtete Anrede, noch irgendwelche Ausforschung, wie es das erste Mal der Fall war, sondern „er sprach zu dem, der über sein Haus war: Führe die Männer ins Haus und schlachte Schlachtvieh und richte zu, denn die Männer sollen mit mir zu Mittag essen“ (Vers 16). Das war Gnade, unumschränkte Gnade. Die Brüder Josephs standen auf einem ganz neuen Boden, denn es zeigte sich Aufrichtigkeit bei ihnen. Es war in der Tat Barmherzigkeit, welche also handelte. Wohl fehlte noch vieles und sie mussten noch weiter geführt werden; es gilt, in der Gnade zu wachsen. Ja, Gott ist gnädig, barmherzig, langsam zum Zorn, und groß an Güte. „Kommet her, frühstücket !“ sagt der Herr Jesus zu Seinen Jüngern in Johannes 21 und darnach bringt Er das Fehlende bei Petrus noch zurecht.

Doch die Söhne Jakobs fürchteten sich „und sprachen unter sich: Um des Geldes willen, das im Anfang wieder in unsere Säcke gekommen ist, werden wir hineingeführt, dass man über uns herstürze und über uns herfalle und uns zu Knechten nehme“ (Vers 18).

Genau so hatten sie es in Kapitel 34 ausgeführt, erst Hinterlistigkeit und dann Gewalttat. Wie waren sie in Dothan über Joseph hergefallen! Darum stehen sie nun mit Furcht und Zittern am Eingang des Hauses. „Mit welchem Masse ihr messet, wird euch gemessen werden“ (Matth. 7, 2). Im Blick auf ihre Sünden und Gewalttaten hatten sie auch nichts anderes zu erwarten und das ganz besonders wegen Joseph. Sie urteilten richtig: „Siehe, sein Blut wird auch gefordert“ (1. Mose 42, 22).

In ihrer Not und in ihrer Angst wenden sie sich an den Mann, der über das Haus war: „Bitte, mein Herr!“, und geben Aufschluss über das Geld, welches sie – allerdings ohne Grund – beunruhigte. Im Blick auf den späteren Überrest lesen wir ähnliches: „Jehova, in der Bedrängnis haben sie Dich gesucht ... flehten sie mit flüsterndem Gebet“ (Jes. 26, 16).

Anderes Geld ist in ihrer Hand; sie hatten noch nicht verstanden, dass sie auch jetzt kein Getreide kaufen konnten, denn alles, alles sollte Gnade sein und nichts aus Werken oder Verdienst. Worte der Gnade waren aus dem Munde Josephs hervorgegangen und Barmherzigkeit sollte ihnen zugewandt werden. Damit hatte ihr Vater Jakob auch gerechnet.

In der Hand des zurückgekehrten Sohnes in Lukas 15, 19 war gleichsam auch anderes Geld, indem er sagte: „Mache mich wie einen deiner Tagelöhner“. Doch aus Gnaden wird der Sünder gerettet, nicht aus Werken, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme. Der Mann, der über das Haus war, ein Bild des Heiligen Geistes, sagt zu ihnen: „Friede euch ! Fürchtet euch nicht !“ Kostbare Worte!

Dann werden ihre Herzen und Blicke auf ihren Gott und den Gott ihres Vaters gelenkt. Er hatte einen Schatz in ihre Säcke gelegt und konnte nun sagen: „Euer Geld ist mir geworden“. Alles war rechtmäßig bezahlt, durch einen anderen. Das waren wieder Worte der Gnade, Huld und Liebe, süßer als Honig und Honigseim (Psalm 19, 10); köstlicher und wertvoller als ihr mitgebrachtes Geld. Ruhe war in das furchterfüllte Herz eingekehrt. Die dunklen Wolken wichen, um dem Morgen eines neuen Tages Platz zu machen. So wird der Heilige Geist den Überrest am Ende der Tage zubereiten und ihre Blicke auf ihren Messias und Heiland richten, der für die Schuld anderer eingetreten ist (Jes. 53, 5. 6). „Euer Geld ist mir geworden.“ „Erlöse ihn, dass er nicht in die Grube hinabfahre, ich habe eine Sühnung gefundenen !“ (Hiob 33, 24). So redet der heilige und gerechte Gott im Blick auf Christus und das Erlösungswerk am Kreuz von Golgatha. Dahin lenkt der Heilige Geist den Blick des bußfertigen Sünders.

Simeon wurde aus dem Gefängnis herausgeführt. So wird auch Gott später die Gefangenschaft Judas und die Gefangenschaft Israels wenden (Jer. 33, 7). Wie hier der Mann den Söhnen Jakobs Wasser gibt, um ihre Füße zu waschen (Vers 24), so wird der Heilige Geist durch Gottes Wort – das Wasser sich mit dem Volke Israel beschäftigen, um es von allem Unflat der Sünde zu reinigen (Jer. 33, 8; Hes. 36. 25. 26; Psalm 51, 2).

Auch die Esel werden mit Futter versorgt, denn „der Gerechte erbarmt sich seines Viehs“, und in Psalm 147, 9 lesen wir, dass Gott „dem Vieh sein Futter gibt“. Die einst hartherzigen Söhne Jakobs haben gewiss früher auch darin gefehlt.

Alle diese Vorgänge gaben den Söhnen Jakobs die Gewissheit, dass man sie nicht zu Knechten machen wollte; denn Sklaven gibt man kein Wasser für die Füße zu waschen und diese werden nicht in das Haus Zaphnat–Pahneachs geführt, um mit ihm zu Mittag zu essen – sie gehörten damit zur Familie des Herrschers von ganz Ägypten.

„Und sie bereiteten das Geschenk zu, bis Joseph am Mittag kam; denn sie hatten gehört, dass sie daselbst essen sollten“ (Vers 25). So wird Gott, wenn die Drangsal am Ende der Tage am höchsten sein wird, eine Erquickung und einen Überrest bereiten (Hohelied 1, 7; Psalm 46, 4. 5; Psalm 65, 4). Die Söhne Jakobs hatten ihr Geld mitgebracht, und auch von den duftenden Erzeugnissen des Landes Kanaan, wertvoll und kostbar für Joseph.

Nun lesen wir zum zweiten Male. „Sie beugten sich nieder zur Erde“. Joseph fragt „nach ihrem Wohlergehen und sprach: Geht es eurem Vater wohl, dem Greis, von dem ihr sprachet. Lebt er noch?“ (Vers 27). Welche Worte der Gnade, Liebe und des Erbarmens. Auch Sacharja berichtet, dass Gott „gütige, tröstliche Worte“ zu dem Überrest redet; desgleichen Hesekiel: „Ich will nach Meinen Schafen fragen und Mich ihrer annehmen. Wie ein Hirt sich seiner Herde an nimmt an dem Tage, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist, also werde Ich Mich Meiner Schafe annehmen und werde sie erretten.“

Ihre Antwort lautet: „Es geht deinem Knechte, unserem Vater, wohl; er lebt noch. Und sie verneigten sich und beugten sich nieder“ (Vers 28). Aber jetzt war es mehr ein Niederbeugen im Blick auf die Herrlichkeit der Gnade und Liebe, welche sie, besonders nach dem gehabten Gespräch, anzog und überwältigte. Die Herrlichkeit der Gnade und Liebe Gottes geoffenbart in Christus Jesus, zieht den Sünder hin zu Ihm, dem Mittler, „welchen Gott dargestellt hat zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben an Sein Blut“ (Römer 3, 25). Wie schön und lieblich ist es, in dem Vorbild von Joseph so viele und immer mehr wunderbare Züge und Herrlichkeiten zu finden, welche unsere Blicke zu unserem Herrn und Heiland hinlenken.

Joseph war durch seine Fragen bemüht, seine Brüder aufmerksam zu machen, so wie auch ihr Vater Jakob und ebenso ihr Bruder Joseph einst besorgt gewesen waren um ihr Wohlergehen (1. Mose 37,14). Sie hatten die Liebe beider verachtet und mit Füssen getreten. Obwohl sie Joseph, ihren Bruder, so schändlich behandelten, ist Joseph doch derselbe geblieben; er fragt wieder nach ihrem Wohlergehen.

Dann erblickt Joseph Benjamin, den Sohn seiner Mutter, und sprach: „Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr zu mir spracht?“ Und er sprach: „Gott sei dir gnädig, mein Sohn !“

Doch den Erstgeborenen in Bethlehem verwarf Israel. Aber Er wird wiederkommen und ein treuer Überrest wird Ihm huldigen !

Welche Worte der Gnade und der Liebe! „Und Joseph eilte, denn sein Innerstes wurde erregt über seinen Bruder (Benjamin) und er suchte einen Ort, um zu weinen, und er ging in das Innere des Gemachs und weinte daselbst. So lesen wir auch im Propheten Hosea 11, 8: „Mein Herz hat sich in Mir umgewendet, erregt sind alle Meine Erbarmungen.“ So wird später Christus, der Messias, im inneren Gemach droben voll Erbarmungen, Liebe und Mitgefühl für Sein irdisches Volk tätig sein, und die himmlischen Heiligen nehmen teil daran (Offenbg. 5, 8; 8, 3. 4).

„Und er wusch sein Angesicht und kam heraus und bezwang sich und sprach: Traget Speise auf.“ Obwohl sein Herz sich danach sehnt, sich den Brüdern erkennen zu geben, war doch dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Im Neuen Testament lesen wir von „dem Ausharren des Christus“, dem „Ausharren in Jesus“ und von dem „Worte Seines Ausharrens“. Das alles weist uns auf die lebendige Erwartung des Herrn hin, der kommen wird, um Seine Brautgemeinde heimzuholen, wie auch auf die Aufrichtung des messianischen Friedensreiches.

Es folgt das Gastmahl; doch sitzen die Brüder Josephs getrennt von den Ägyptern. So wird auch später das Volk Israel getrennt von den Nationen, abgesondert von den Völkern, geschaut werden (Offenbg. 7, 1–8). Joseph nimmt einen besonderen Platz ein. „Sie saßen vor ihm, der Erstgeborene nach seiner Erstgeburt, und der jüngste nach seiner Jugend; und die Männer schauten einander staunend an.“ Wie später auf dem Brustschild des Hohenpriesters zwölf Edelsteine waren nach den zwölf Namen der Söhne Israels', für jeden Namen von ihnen einen Platz und zwar nach ihrer Geburtsfolge (2. Mose 28,10), also nicht nach ihrer Würdigkeit. So sitzen auch hier die Brüder Josephs vor ihm. Dies alles erinnert an die Gnade; jeder eigene Ruhm ist ausgeschaltet. „Die Männer sahen einander staunend an.“ „Forschet nach im Buche Jehovas und leset! Es fehlt nicht eines von diesen, keines vermisst das andere. Denn Mein Mund hat geredet, Er hat es geboten; und Sein Geist, Er hat es zusammengetragen; und Er selbst hat ihnen das Los geworfen, und Seine Hand hat es ihnen zu geteilt mit der Messschnur.“ So schildert der Prophet Jesaja die Herrlichkeit des Reiches (Jes. 34, 16. 17). So war es auch hier beim Gastmahle Josephs. Welch wunderbare Übereinstimmung im Worte Gottes!

„Und man trug Ehrengerichte auf von ihm zu ihnen.“ Womit hatten sie das verdient? „Das Ehrengericht Benjamins war fünfmal größer als die Ehrengerichte von ihnen allen“ (Vers 34). Dennoch war kein Neid gegenüber Benjamin – aller Becher floss über. So wird auch im Blick auf jeden einzelnen Gläubigen ein Unterschied der Ehre wie auch der Belohnung sein, wenn Christus erscheinen wird (Maleachi 3, 18; Daniel 12, 3; Lukas 19, 15–26). Joseph ist mitten unter seinen Brüdern. Welch ein Anblick! „Siehe, wie gut und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Psalm 133, 1). Wie schön sagt es der Prophet Zephanja: „Jehova, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held; Er freut sich über dich mit Wonne; Er schweigt in Seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel“ (Zeph. 3, 17). Das Wort in Psalm 22, 22: „Verkünden will ich Deinen Namen meinen Brüdern, inmitten der Versammlung (Gemeinde) will ich Dich loben“, wird dann voll und ganz erfüllt sein.

Am Schluss von 1. Mose 43 haben wir eine Schilderung von Freude und Segen, wie sie auch dem späteren Überrest im Reiche zuteil werden und im Blick auf alles das, was seiner dort wartet, wird er ausharren. In 1. Petrus 1 lesen wir im Hinblick auf unsere Prüfungen, welche Bedeutung das Ausharren hat. Gott wird alles herrlich hinausführen.

Wie Benjamin einen besonderen Platz im Herzen Josephs hatte, so sehen wir dasselbe auch beim Herrn Jesus, als Er hienieden wandelte. Johannes war der jünger, den Jesus liebte, wie schon früher Abraham, Moses, Daniel usw. in besonderer Weise die Gunst des Herrn hatten und genossen.

Joseph weinte. Auch den Herrn Jesus sehen wir bei verschiedenen Gelegenheiten weinen (Lukas 19, 41; Joh. l11,35; Hebräer 5, 7).

Wie alle Brüder Josephs Ehrengerichte empfingen und das angesichts der stolzen Ägypter, denen die Hebräer ein Greuel waren – so wird das heute noch verachtete und geschmähte Volk der Juden später erhoben und geehrt sein (Jes. 49, 22. 23; Sach. 8, 13–23). Alles wird nach Gottes Gedanken in wunderbarer Harmonie sein und Jesus Christus wird der Mittelpunkt aller Segnungen sein ! Friede, Freude und Segen wird den Erdkreis erfüllen.

Das Bekenntnis des Juda

1. Mose 44

Kapitel 44 ist keine Fortsetzung des Vorhergehenden; es macht uns vielmehr bekannt mit den Bemühungen Josephs, alles noch Fehlende bei seinen Brüdern zu erreichen. So bemüht sich auch der Herr mit dem Überrest Israels.

Zum zweiten Mal treten die Söhne Jakobs die Rückreise an, versorgt mit Speise, so viel ihre Esel zu tragen vermochten. Wieder erhielten sie alles ohne Geld und ohne Kaufpreis. Erleichtert und mit ganz anderen Gefühlen als auf der Herreise kehrten sie zurück. Simeon und vor allem Benjamin war bei ihnen; die Bürgschaft Judas war gar nicht nötig geworden. Es lag aber noch eine Decke vor ihren Augen, obwohl der so gefürchtete Mann sich ihnen gegenüber so freundlich zeigte und sogar mit ihnen gegessen hatte.

So zogen sie in der Frühe des Tages ihres Weges. Aber im Sacke des jüngsten war oben nebst seinem Gelde auch der Kelch Josephs. Kaum waren sie außerhalb der Tore der Stadt, jagte ihnen die Leib–Garde Josephs nach. Der Oberste machte ihnen folgenden Vorwurf: „Warum habt ihr Böses für Gutes vergolten? Ist es nicht der, aus welchem mein Herr trinkt, und aus dem er zu wahrsagen pflegt? Ihr habt übel getan, was ihr getan habt.“

Welche Verlegenheit für die Söhne Jakobs, die sich nichts Unrechtes hatten zu Schulden kommen lassen. Sie endeten ihre Entschuldigung mit den Worten: „Bei welchen von deinen Knechten er gefunden wird, der sterbe und dazu wollen wir meines Herrn Knechte sein.“

Die Untersuchung fing beim Ältesten an und hörte beim Jüngsten auf. Erleichtert nehmen alle wahr, dass in keinem ihrer Säcke der in Frage kommende Kelch vorgefunden wurde; denn Benjamin ]kam für sie nicht in Betracht. Aber, o Schrecken ! Der Kelch fand sich in dem Sacke Benjamins. Da zerrissen sie ihre Kleider, beluden ihre Esel wieder mit ihren Säcken und kehrten in die Stadt zurück. Wir vernehmen keine Worte der Rechtfertigung, doch aus der Tiefe ihrer Herzen werden sie zu Gott geschrieen haben. „Aus den Tiefen rufe ich 'zu Dir, Jehova“, sagt der Psalmist. Benjamin, der jüngste und Unschuldigste unter ihnen, war nach ihren eigenen Worten dem Tode verfallen. „Er sterbe“, hatten sie gesagt.

Zitternd stehen die Söhne Jakobs vor Joseph. Juda wird zuerst genannt; er hatte sich ja als Bürge eingesetzt.

Joseph sprach zu ihnen: „Was ist das für eine Tat, die ihr getan habt? Wusstet ihr nicht, dass solch ein Mann, wie ich bin, wahrsagen kann?“ Juda sprach: „Was sollen wir reden und uns rechtfertigen? Gott hat die Missetat deiner Knechte gefunden; siehe, wir sind deine Knechte, sowohl wir, als auch der, in dessen Hand der Kelch gefunden worden ist.“

In Psalm 90, 8 lesen wir im Blick auf den jüdischen Überrest: „Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor Dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht Deines Angesichts.“ Ebenso redet hier Juda für alle. In Psalm 65, 3 benutzt Gott ebenfalls Ungerechtigkeiten von außen, um Israel zum Bekenntnis seiner Sünde und Schuld zu bringen.

Joseph besteht darauf, dass nur der Schuldige als Knecht zurückbleiben müsse und dass die anderen in Frieden hinauf ziehen sollen zu ihrem Vater. Von Benjamin hören wir kein Wort, er war unschuldig und litt für andere. Er hatte „kein Unrecht getan und in seinem Munde war kein Trug gefunden“ (Jes. 53, 9). Benjamin litt um seiner Gerechtigkeit willen, musste für die Missetat seiner schuldigen Brüder leiden, das erkannten und fühlten seine Brüder; denn ihre Missetat war ihre Sünde an Joseph. Gott hatte diese jetzt an ihnen gefunden, so urteilt im Lichte Gottes Juda für alle. An dem Becher waren sie unschuldig. Aber vor Jahren hatte ein Unschuldiger – Joseph – den bitteren Kelch der Leiden trinken müssen, jetzt gleicherweise Benjamin. Einst wurde Joseph als Sklave für zwanzig Silbersekel verkauft, jetzt traf das gleiche Los Benjamin.

Ja, jener silberne Becher, aus dem der Herr des Landes alles sehen und erkennen konnte, redet eine sehr ernste Sprache. Wir haben in Benjamin auch ein Bild von Jesus. Allerdings verstand dies weder Joseph noch Benjamin. Josephs Absicht war, auf diesem außergewöhnlichen Wege seine Brüder auf ihre große Missetat, begangen an Joseph, hinzulenken und sie diesbezüglich zur Selbsterkenntnis und Bekenntnis und Busse zu führen. Es musste sich nun zeigen, ob sie fähig waren, zu ihrem Vater in Frieden ohne Benjamin hinaufzuziehen.

Einst hatten sie Gefühllosigkeit genug, um sich in Frieden niederzusetzen, als wenn nichts geschehen wäre (l. Mose 37, 25), während Joseph flehend voll Seelenangst in der Grube war. Joseph benutzt das Wort „Frieden“ als Prüfstein wie auch als eine Erinnerung an ihren damaligen Herzenszustand.

So wird der Heilige Geist durch das Wort Gottes – man denke an Jesaja 53 und viele Psalmen – den Überesst der letzten Tage belehren, dass ein Unschuldiger und Reiner den bitteren Weg des Leides gegangen ist und den Kelch des Zornes Gottes und des Todes getrunken und geschmeckt hat. Es war Benjamin, an dessen Seele die Seele ihres Vaters Jakob hing.

Das Wort „Seele“ braucht Juda, um gerade auf den Vorgang in der Seele hinzuweisen. Der Prophet Jesaja redet auch von diesen tiefen Seelenübungen des Christus. „In all ihrer Bedrängnis war Er bedrängt.“

So wird später der Überrest immer mehr und mehr durch die Heiligen Schriften verstehen lernen, dass es ihr Messias war, dessen Verräter und Mörder sie geworden sind. (Vergl. Apostelg. 7, 52; Psalm 2, 1–3.) Das wird eine tiefe Busse hervorrufen und ein starkes Verlangen nach ihrem Messias.

Auch wird dieser gläubige Überrest um seiner Gerechtigkeit willen leiden (Psalm 1). Er unterwirft sich den Forderungen des Antichristen nicht, wird aber unter sich in Liebe und Besorgnis verbunden sein. (Vergl. Matthäus 5, 10. 11.)

Die ergreifenden Worte Judas zeigen deutlich an, dass er ein anderer Juda geworden war (l. Mose 37, 26. 27). Auch redet er für alle, und es war eine Übergabe auf Gnade und Ungnade. Die Sache mit Joseph wird auch nicht übergangen. Achtmal braucht Juda das Wort „Knabe“ und dreimal braucht er für Benjamin das Wort „jüngster Bruder“. Schließlich bietet sich Juda, als kräftiger Mann, anstelle des Knaben als Sklave an. „Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass Er für uns Sein Leben dargelegt hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben darzulegen“ (1. Joh. 3, 16). Dies tat Juda für Benjamin.

Judas ergreifende Rede endet mit den wunderbaren Worten: „Denn wie sollte ich zu meinem Vater hinaufziehen, wenn der Knabe nicht bei mir wäre? Dass ich nicht das Unglück ansehen müsse, welches meinen Vater treffen würde!“ „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh. 1, 9). „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist“ (Jes. 57, 15). „Aber auch Ich will auf den blicken, auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, und der da zittert vor Meinem Worte“ (Jes. 66, 2). So innerlich zerschlagen stand auch Juda vor Joseph.

Das tiefe Bekenntnis und die Zerknirschung von Juda erinnert an das ergreifende Bekenntnis Davids in Psalm 51. Beides erwähnt der Heilige Geist in ausführlicher Weise. Es steht im Alten Testament für sich allein, da es sich um persönliche Schuld und Sühne handelt, obwohl beide auf Israel hinweisen. Wie belehrend ist dies alles ! Besonders auch dann, wenn bei Kindern Gottes Verfehlungen vorkommen (Jes. 1, 18).

Von jetzt an wird nicht mehr von der großen Sünde Judas gesprochen. Gott hatte sie vergeben und in die Tiefe des Meeres geworfen. Es ist nicht mehr von Sünde, sondern von Segen die Rede. Aber ohne Bekenntnis hätte nicht von Segen die Rede sein können, denn Gott ist Licht und gar keine Finsternis in Ihm.

Wie fehlt es unter den Kindern Gottes oft an ernstem Bekenntnis dort wo man gefehlt hat; Härte und unversöhnlicher Geist sind da oft das Hindernis. Wo aber ein freimütiges Bekenntnis ist, ist Gott „reich an Vergebung“ und hat Geduld mit unserer menschlichen Schwachheit.

Man beugt sich tief, man beugt sich gern

In der Stille vor dem Herrn.

Ach, dass wir dies mehr verwirklichen möchten zur Ehre des Herrn !

Joseph offenbart sich seinen Brüdern

1. Mose 45

„Da konnte sich Joseph nicht mehr bezwingen vor allen, die um ihn standen, und er rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen: Und es stand niemand bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Und er erhob seine Stimme mit Weinen; und die Ägypter hörten es, und das Haus des Pharao hörte es. Und Joseph sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph, lebt mein Vater noch?“

Wunderbarer, lang ersehnter Augenblick für Joseph, sich seinen Brüdern nicht nur in Herrlichkeit, sondern in Gnade und Liebe offenbaren zu können. Nun konnte er mit ihnen von Mund zu Mund, ohne Dolmetscher, in ihrer Muttersprache reden. Seine Brüder brachten vor lauter Bestürzung kein Wort über ihre Lippen; doch die Tränen Josephs zeugten von seinem Mitgefühl und seiner unwandelbaren Liebe zu seinen Brüdern.

Dies zeigt uns prophetisch die Zuneigungen des Herrn und Messias Jesus Christus zu Seinem Volke (Jer. 31, 3–5; 5. Mose 33, 27; Hohelied 8, 7). „Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr. 13, 8). Wie kostbar und tröstlich ist dies für uns alle !

„Da Er die Seinigen, die in der Welt waren geliebt hatte, liebte Er sie bis ans Ende“ (Joh. 13, 1). Auch werden wir durch diese Begebenheit an die Fußwaschung erinnert, die der Herr an Seinen Jüngern ausführte.

Die Herzen und Gewissen der Brüder Josephs waren erreicht und überströmende Gnade und Liebe bringen das überführte Gewissen zur Ruhe: „Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.“ Bei dieser Szene war kein Ägypter anwesend. „Ich bin Joseph“ – dieses Wort allein hätte die Brüder erschreckt und erschüttert, und so folgt sofort die Frage: „Lebt mein Vater noch?“.

Joseph wusste ja bereits, dass der Vater noch lebte, aber er wollte seine Brüder an das alte familiäre Verhältnis zu ihnen als auch zum Vater erinnern. Welch zarte Liebe !

Im Blick auf Israel lesen wir ebenfalls: „Und sie werden zittern und beben über all das Gute und über all den Frieden, den Ich ihnen angedeihen lasse“ (Jer. 33, 9). Die Brüder konnten Joseph nicht antworten, denn „sie waren bestürzt vor ihm“ (l. Mose 45, 3). Ähnlich erging es den Jüngern als der auferstandene Herr ihnen erschien (Lukas 24, 25–35).

So werden auch die Not und Drangsale des gläubigen, jüdischen Überrestes so groß sein, dass sie zunächst nicht glauben können, wenn der Herr Jesus plötzlich in ihre Mitte tritt, dass es wirklich ihr Retter und Messias ist, nach dem sie ja längst ausgeschaut hatten und um dessen Ankunft sie flehten und beteten.

„Ich bin Joseph“, sagt er zu seinen Brüdern. Diese freilich erwarteten ihn nicht, denn sie hielten ihn ja für tot, aber in ihrem Gewissen lebte er weiter, und wie gerne hätten sie dies alles geordnet gewusst. Sie bekannten Joseph ihre Missetat, wie wir sahen, und dieser sagt zu ihnen: „Tretet doch zu mir her! Und sie traten herzu“ (Vers 4). So sagte auch der Auferstandene zu den Jüngern, als Er bei verschlossener Türe in ihre Mitte trat: „Betastet Mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass Ich habe.“ Und zu Thomas sprach Er: „Reiche deinen Finger her und sieh Meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in Meine Seite ... Thomas antwortete und sprach zu Ihm: Mein Herr und mein Gott!“ Ein schönes Abbild von dem Überrest in den letzten Tagen, wenn er seinen Herrn und Messias erkennen und Ihm zujubeln wird (Psalm 87, 5. 6).

„Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt“ (Vers 4). Welch tiefe Gefühle der Reue erweckte dies in den Herzen und Gewissen der Brüder ! Aber sofort fügt Joseph hinzu: „Und nun betrübet euch nicht, und es entbrenne nicht in euren Augen, dass ihr mich hierher verkauft habt, denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt“. Dreimal erwähnt Joseph diese Tatsache. Wie offenbarte sich darin die Liebe und das Zartgefühl für seine Brüder! (Vergl. Psalm 105, 17). So hat Gott auch Seinen Sohn, Jesus Christus, vor uns hergesandt, um uns zu erretten und uns das ewige Leben zu schenken (Joh. 3, 16).

„Und nun nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott; und Er hat mich zum Vater des Pharao gemacht und zum Herrn seines ganzen Hauses und zum Herrscher über das ganze Land Ägypten“ (Vers 8). So lesen wir auch in der Apostelgeschichte 2, 36: „Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott Ihn (Jesus) sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“.

Endlich fällt die Decke von ihren Augen: „Und siehe, eure Augen sehen es und die Augen meines Bruders Benjamin, dass es mein Mund ist, der zu euch redet“ (Vers 12). Dann sandte Joseph seine Brüder eilends zu seinem Vater mit der beglückenden Botschaft: „So spricht dein Sohn Joseph“ (Vers 9), „berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit in Ägypten, und was alles ihr gesehen habt; und eilet und bringet meinen Vater hierher herab“ (Vers 13). Hier haben wir den Sohn, seinen Vater und seine Brüder, wie auch Josephs Herrlichkeit. Im Evangelium Johannes finden wir ebenfalls den Herrn Jesus in der Mitte Seiner Jünger, die Er Seine Brüder nennt. „Geh aber hin zu Meinen Brüdern“, sagt der Auferstandene zu Maria Magdalene, „und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater, zu Meinem Gott und eurem Gott“. Maria Magdalene verkündigte alsdann den Jüngern die frohe Botschaft, „dass sie den Herrn gesehen und dass Er dies zu ihr gesagt habe“ (Ich. 20, 17. 18). So haben auch wir, die Gläubigen, den Auftrag, das Heil in Christus allen Menschen zu verkündigen. Welch ein großes Vorrecht! Wie erfreut es das Herz des Vaters wie auch unseres Herrn und Heilandes, wenn wir durch den Heiligen Geist die Verherrlichung des Namens Jesus suchen und in Hingabe und Treue dieser hehren Aufgabe nachkommen. Wie gesegnet wird doch solch ein Zeugnis sein; lasst uns darum im öffentlichen Dienst nicht müde werden und des Herrn Wort verkündigen !

Für die Brüder Josephs war es ein überwältigender Augenblick. Jedes Herz wurde weit und brennend.

Psalm 45 tut uns diese Gefühle kund: „Es wallt mein Herz von gutem Worte. Ich sage: Meine Gedichte dem Könige ! Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers“

„Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte ... an seinem Halse“ (Vers 14). Was hatte Joseph für schmerzliche Stunden durchgekostet. Alles war seinerzeit so merkwürdig und unerklärlich, aber keine Gegenrede und kein Murren kam über seine Lippen. „Stille wartete er auf die Rettung Jehovas“; er wusste: „Nachher wirst du es verstehen“ (Joh. 13. 7). Auch Benjamin weinte an seinem Halse. Welch innige Verbindung und Gemeinschaft ! Wir finden sie auch bei den Gläubigen, wenn die Liebe des Christus die Herzen verbindet. (Vergl. 1. Sam. 20, 17. 41; Apostelg. 20, 36. 37; 2. Tim. 1, 4. 5).

„Und er küsste alle seine Brüder und weinte an ihnen; und danach redeten seine Brüder mit ihm“ (l. Mose 45, 15). Im Blick auf Josephs Brüder finden wir nicht die gleichen Gefühle und Beweggründe wie bei Benjamin, wenn auch Joseph keinen Unterschied macht. Der Heilige Geist teilt uns nicht mit, was die Brüder mit Joseph redeten; aber es wird wohl der Ausdruck tiefer Dankbarkeit ihm gegenüber gewesen sein. Ihre Zunge war nun umgewandelt in den „Griffel eines fertigen Schreibers“ (Psalm 45, 1). Alles war neu geworden !

Nun kommt alles an die Öffentlichkeit und wird auch dem Pharao berichtet. „Er (Christus) wird kommen, um an jenem Tage verherrlicht zu werden in Seinen Heiligen“ (2. Thes. 1, 10). Pharao gibt Anweisung, dass das ganze Haus Jakobs nach Ägypten kommen soll, und Micha, der Prophet, tut uns kund: „Wie in den Tagen, da du aus dem Lande Ägypten zogest, werde Ich es Wunder sehen lassen. Die Nationen werden es sehen und beschämt werden über all ihre Macht: sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden taub werden . . . „ (Micha 7,15.16). „Und Ich werde sie reinigen von all ihrer Ungerechtigkeit, womit sie gegen Mich gesündigt haben, und Ich werde alle ihre Missetaten vergeben, womit sie gegen Mich gesündigt haben, und womit sie von Mir abgefallen sind. Und sie sollen Mir zum Freudennamen, zum Ruhm und zum Schmuck sein bei allen Nationen der Erde, welche all das Gute hören werden, das Ich ihnen tue. Sie werden zittern und beben über all das Gute und über all den Frieden, den Ich ihr (Jerusalem) angedeihen lasse“ (Jer. 33, 8. 9). So redet Gott im Blick auf den Überrest am Ende der Tage. „Siehe, Ich und die Kinder, die Gott Mir gegeben hat“ lesen wir im Alten und Neuen Testament (Jes. 8, 18; Hebr. 2, 13). Es ist der „Anbruch eines Morgens ohne Wolken“ (2. Sam. 23, 4).

Joseph schämt sich nicht, die verachteten Hebräer seine Brüder zu nennen, und in Apostelgeschichte 3, 17 sagt Petrus: „Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass Ihr in Unwissenheit gehandelt habt . . . Gott aber hat also erfüllt, was Er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, dass Sein Christus leiden sollte“. Im Propheten Jeremia lesen wir: „Zu jener Zeit, spricht Jehova, wird Israels Missetat gesucht werden und sie wird nicht da sein ... und die Sünden Judas, und sie werden nicht gefunden werden; denn Ich will denen vergeben, die Ich übrig lasse.“ Wir können uns des Eindrucks beim Lesen dieser wunderbaren Szene nicht verschließen, dass Joseph der Glückseligste ist; sein Wunsch und sein Verlangen ist nun gestillt. Gott lässt ihn in der Mitte seiner Brüder die Mühsal seiner Seele vergessen und ihre Gemeinschaft genießen. Es ist im Vorbilde etwas von dem, was uns schon die Propheten Micha und Zephanja kundtaten: „Wer ist ein Gott wie Du, der die Ungerechtigkeit vergibt und die Übertretungen des Überrestes Seines Erbteils übersieht. Er behält Seinen Zorn nicht auf immer, denn Er hat Gefallen an Güte. Er wird sich unser wieder erbarmen, wird unsere Ungerechtigkeiten niedertreten; und Du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werten. Du wirst an Jakob Wahrheit, an Abraham Güte erweisen, die Du von den Tagen der Vorzeit her unseren Vätern geschworen hast“ (Micha 7, 18–20). „Jehova, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein rettender Held; Er freut sich über dich mit Wonne, Er schweigt in Seiner Liebe, frohlockt über dich mit Jubel“ (Zeph. 3, 17).

Alle empfangen Wechselkleider, also geziemte es sich, denn so war es nach dem Herzen Josephs. Jesaja sagt: „Hoch erfreue ich mich in Jehova; meine Seele soll frohlocken in meinem Gott! Denn Er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan.“ Auch Sacharja schreibt: „Ziehet ihm die schmutzigen Kleider aus ... Siehe Ich habe deine Ungerechtigkeit von dir weggenommen, und Ich kleide dich in Feierkleider.“ In Offenbarung 1, 5 hören wir die verherrlichten Heiligen sagen: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in Seinem Blute . . . Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ und in Kapitel 4, 4 sehen wir dieselben Gläubigen droben auf Thronen sitzend, bekleidet mit weißen Kleidern und auf ihren Häuptern goldene Kronen.

Benjamin wird wieder besonders bedacht. Seinem Vater sandte er dieses: Zehn Esel beladen mit dem Besten Ägyptens, und zehn Eselinnen, beladen mit Getreide und Brot und Nahrung für seinen Vater auf den Weg. Welch schönes Vorbild von der Fürsorge Gottes hinsichtlich unseres Weges dem Herrn entgegen! Der Tod des Christus am Kreuze bewirkte für uns eine ewige Erlösung und Sein Dienst droben beim Vater bürgt uns für unsere Erhaltung und Bewahrung bis ans Ziel. Der Heilige Geist, gesandt im Namen des Vaters, macht es uns kund: „Ich und der Vater sind eins.“ Allen Anforderungen Gottes ist entsprochen. Gott sagt: „Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde Ich nie mehr gedenken“ (Hebr. 10, 14–18).

Das ganze Haus Jakob sollte nach Ägypten kommen und darum sandte Joseph ihnen Wagen, um sie zu holen. Dem Jakob wird von Joseph eine wunderbare Kunde gebracht. Seine verirrten Söhne sind geheilt und zurechtgebracht. Auch sind sie mit Fest– oder Wechselkleidern bekleidet. Benjamin wird besonders beschenkt. Die Augen der Ägypter und selbst des Pharao sind auf sie gerichtet.

Also entließ Joseph seine Brüder und sie zogen heimwärts. Welche Gefühle mögen ihre Herzen erfüllt haben; Gefühle der Freude und des Glücks! Vor allen Dingen, dass der Herrscher und Gebieter über ganz Ägypten ihr Bruder war. Er hatte ihnen alles vergeben und sie so reich beschenkt und vor allem Benjamin zog mit ihnen.

Joseph gab seinen Brüdern ein wichtiges Wort mit auf den Weg: „Erzürnet euch nicht auf dem Wege!“ (Vers 24). Ja, wie leicht hätten gegenseitige Beschuldigungen und Vorhaltungen wegen der Verfehlung und des Verkaufs von Joseph stattfinden können. Dem Satan ist der Friede unter den Brüdern verhasst. Wie leicht hätte das alte Übel, der Neid, im Blick auf den besser gestellten Benjamin einsetzen können, oder Juda hätte sich rühmen und seine eigene Ehre suchen und sein Eintreten für Benjamin hervorheben können usw. Doch die ihnen widerfahrene Gnade, die Liebe Josephs, seine Herrlichkeit, wie auch seine Fürsorge für sie alle und dass sie zu ihm ziehen sollten, das war Grund genug, sich zu freuen. „Wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit“ (l. Kor. 12, 26). Es gilt, sich nicht zu erheben über andere, sondern in Demut einer den anderen höher zu achten als sich selbst. Wie viel Zwietracht hat doch der Neid und die Eifersucht schon in Familien und Versammlungen gebracht. Selbst die von Gott gegebenen Gaben benutzt der Feind, um sich über andere zu erheben. Paulus schreibt an die Philipper: „Ein jeder nicht auf das Seinige sehend, sondern ein jeder auch auf das der anderen.“ In dieser Hinsicht gibt es im Neuen Testament viele Ermahnungen: „Seid in Frieden untereinander.“ „Redet nicht wider einander.“ „Seufzet nicht wider einander.“ „Enthalte deine Zunge vom Bösen und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.“ In Korinth war Ohrenbläserei wie auch Verleumdungen noch außer den fleischlichen Sünden eingerissen. Wie nötig ist Josephs Ermahnung auch für uns alle! Ohne Liebe und Frieden untereinander gibt es keine Auferbauung, kein Wachstum und auch keine Anbetung.

Sollten Josephs Brüder nicht mit dem ihnen gewordenen Auftrag an den Vater daheim beschäftigt sein? Sollte dessen Freude und Glück nicht auch ihre Freude und ihr Glück sein? Es war ein ganz neues Verhältnis entstanden. Dies sollte bewahrt und nicht getrübt werden. Josephs Liebe verband die Herzen, und die Liebe ist das Band der Vollkommenheit. Sie erbaut und denkt nicht an sich selbst, sondern an andere. Die Liebe ist aus Gott. Oft bedurfte es längere Zeit, um zerstörte oder gelockerte Bande wieder in Ordnung zu bringen. Der Wandel im Lichte bewahrt, reinigt, macht demütig und bringt Segen für sich und andere.

Wo die Liebe wirksam ist, denkt man an die Verherrlichung des Herrn. „Wessen Herz voll ist, geht der Mund über.“ So war es bei den Brüdern Josephs.

Sie kamen zu ihrem Vater mit der Botschaft: „Joseph lebt noch !“ Wie schnell mag diese Botschaft von Zelt zu Zelt, von Mund zu Mund gegangen sein. „Unmöglich!“ werden viele Herzen gedacht haben. Jakob erstarrte in seinem Herzen, denn er glaubte der Botschaft nicht. Es war zu unfassbar, und dazu kannte er seine Söhne nur nach ihrem früheren Wesen, wie konnte er ihnen jetzt vertrauen. Doch seine von Schuld befreiten Söhne reden zu ihm alle Worte Josephs, die er zu ihnen geredet hatte, ihn zu holen. „Und der Geist des Vaters Jakob lebte auf; und Israel sprach: Genug! mein Sohn Joseph lebt noch. Ich will hinziehen und ihn sehen, ehe ich sterbe.“

Welch liebliche Szene! Der Becher Jakobs floss über, und sein Haupt wurde mit Öl gesalbt. Es war ein Erwachen nach langer, dunkler Nacht. Ein neuer Morgen und ein neuer Tag war angebrochen. Das bittere Mara wurde zum süßen Elim. Welch eine Freude und welch eine Erquickung für den alten Pilger! Der Name Israel wird ihm in Erinnerung gebracht, der Name, den Gott ihm gegeben; sein Herz wurde weit und bebte. (Vergl. Jes. 60, 1–10.)

So wird später der Geist des ganzen Überrestes Israels aufleben. Die Botschaft vom Messias–Christus dringt durch alle Lande. Er wird Gegenstand und Mittelpunkt sein. Seine Liebe und Gnade und Herrlichkeit zieht mächtig an. Alles ist in Bewegung, um Ihm zu huldigen. Joseph lebt und zu ihm zu ziehen ist nun die Losung, welche Jakob ausgab.

„Denn ein Tag wird sein, da die Wächter auf dem Gebirge Ephraim rufen werden: Machet euch auf und lasset uns nach Zion hinaufziehen zu Jehova, unserem Gott! Denn so spricht Jehova: jubelt über Jakob mit Freuden und jauchzet an der Spitze der Nationen1 Lobsinget laut und sprechet: Rette Dein Volk, Jehova, den Überrest Israels! Siehe Ich bringe sie aus dem Lande des Nordens und sammle sie von den äußersten Enden der Erde. . . Und Ich will ihre Trauer in Freude verwandeln und sie trösten, und Ich will sie erfreuen . . . von ihrem Kummer sie befreien . . . und Mein Volk wird sich an Meinen Gütern sättigen, spricht Jehova“ (Jer. 31, 7–14). Welch ein Wechsel! „Ich, Jehova, werde es zu seiner Zeit eilends ausführen“ (Jes. 60, 22).

Welche Freude löste am Auferstehungstage des Herrn Jesus das Wort aus: „Jesus lebt!“ Wie verschwand auch da wie bei Jakob aller Zweifel, obwohl man es zunächst noch nicht glauben wollte. Aber am Abend desselben Tages hieß es: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden!“ Bald trat Er selbst in die Mitte der jünger. Da wurde es Licht in den bekümmerten Herzen; da lebte ihr gedrückter Geist wieder auf, da war in Jerusalem eine große Freude unter der gläubigen Schar. Auch da hieß es: „Gehet eilends hin und saget Seinen Jüngern, dass Er von den Toten auferstanden ist . . . Und sie gingen eilends von der Gruft hinweg mit Furcht und großer Freude“ (Matth. 28, 7. 8).

Joseph lebt, welch ein kostbares Wort für Jakob! Jesus lebt l Welch ein Wort der Kraft, der Freude und des Trostes für die Erlösten des Herrn für alle Zeiten!

Jesus lebt ! Er hat gesiegt;

Wer kann Seinen Ruhm verkünden?

Meine Sünd' im Grabe liegt,

Keine Schuld ist mehr zu finden.

Ja, Er lebt, ich sterbe nicht,

Denn Sein Tod war mein Gericht.

Auch wir sind gleich Jakob auf dem Wege, um Ihn zu sehen. An Unterpfändern wie auch an sichtbaren Beweisen Seiner Liebe und Treue fehlt es auch uns nicht. Möchte deshalb der Zuruf: „Jesus lebt!“ uns zu eifrigerem Dienst und Hingabe ermuntern!

„Lasset es euch nicht leid sein um euren Hausrat“, hatte Ihnen Joseph sagen lassen. ja, wie oft ist der Hausrat ein Hindernis gewesen, um einen Segen zu empfangen, sei es für sich oder für andere! Was sagt der Prophet Haggai: „Ist es für euch selbst Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus (das Haus Jehovas) wüste liegt“ (Haggai 1, 9).

„Das Beste des ganzen Landes soll euer sein“, lässt Joseph im Auftrage Pharaos Jakob und seinem Hause sagen. Wir kennen den Ruf: „Siehe, der Bräutigam !“ Was hat er bis heute bei uns bewirkt? Sind unsere Herzen gelöst von allem, was in der Gegenwart des bald kommenden Herrn nicht bestehen kann?

Israel zieht nach Ägypten

1. Mose 46

„Und Israel brach auf und alles, was er hatte, und kam nach Beerseba“ (Vers 1). Das erinnert uns an das Wort Jesajas: „Wer sind diese, die wie eine Wolke geflogen kommen, und gleich Tauben zu ihren Schlägen . . . die Tarsis–Schiffe ziehen voran, um deine Kinder aus der Ferne zu bringen, und ihr Silber und ihr Gold mit ihnen, zu dem Namen Jehovas, deines Gottes, und zu dem Heiligen Israels, weil Er dich herrlich gemacht hat“ (Jes. 60, 8. 9). Das Volk Israel wird sich in seinem Lande sammeln.

Beerseba – welche Erinnerungsstätte für Jakob ! (Vergl. 1. Mose 22, 19; 26, 23). „Und Israel opferte Schlachtopfer dem Gott seines Vaters Isaak“ (Vers 1). Jakob hatte gelernt, nicht mehr auf Fleisch zu vertrauen; er war mit seinen Plänen und mit seinen eigenen Wegen zu Ende gekommen. In seinem Herzen entstanden Fragen, ob es nach den Gedanken Gottes sei, nach Ägypten hinabzuziehen. Er erwartet von Gott, dem er naht, auf Grund eines Opfers eine Antwort. „Und Gott sprach zu Israel in den Gesichten der Nacht und sagte: Jakob ! Jakob ! Und er sprach: Hier bin ich!“ Nun erfolgt eine ermutigende Zustimmung und Jakob vernimmt die feierliche Zusicherung: „Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen, Ich will mit dir hinabziehen.“ Diese Zusicherung reichte vollkommen, um Jakob zu beruhigen. Dass Jakob dem Gott seines Vaters opfert, zeigt wohl an, dass er sein ganzes Nichts fühlte. Er rechnet nur mit der Verheißung Gottes. Dass Gott zweimal „Jakob, Jakob!“ ruft, deutet an, in welche Tiefe Gottes Gnade und Erbarmen hinabgestiegen war.

„Aller Seelen des Hauses Jakob, welche nach Ägypten kamen, waren siebenzig“ (Vers 27). Juda wird durch Jakob als Führer bestimmt. Welche Gnade, die Juda als Wegweiser bestimmt. Dann ist Juda aber auch ein Bild vom Herrn Jesus. So wird am Ende der Tage dasselbe Volk, das den Herrn Jesus verwarf, Ihm als ihrem neuen und rechten Führer folgen. Dann wird das ganze Haus Jakob mit dem Messias in Verbindung stehen wie auch hier Juda die Söhne Jakobs mit Joseph verband. Keiner war hierzu so passend wie Juda. Er war in schwerer Stunde persönlich für alle eingetreten und bewirkte dadurch die Befreiung.

Nun folgt die ergreifende Szene des Wiedersehens Josephs mit seinem Vater Jakob. Alles ist hier so natürlich und doch so ergreifend geschildert. Welch ein Wiedersehen nach langem Dunkel und Ungewissheit !

Wie ermunternd ist dies besonders für Gläubige, die durch schwere Übungen und Prüfungen zu gehen haben. Es ist gut und gesegnet, Gott völlig zu vertrauen. Er hat in allen Führungen Seine weise Hand (Psalm 62, 5; 42, 11) und zudem wissen wir, dass die Zeit der Leiden nur kurz ist. Bald sind wir am Ziele, daheim bei Christus im Vaterhause!

Sodann teilt Joseph seinen Brüdern wie dem ganzen Hause seines Vaters mit: „Ich will ... dem Pharao berichten und zu ihm sagen: Meine Brüder und das ganze Haus meines Vaters, die im Lande Kanaan waren, sind zu mir gekommen.“ In Psalm 22, 22 redet der Heilige Geist prophetisch von Christus: „Verkündigen will ich Deinen Namen Meinen Brüdern.“ Und in Johannes 20, 17 sagt der Herr Jesus: „Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater, zu Meinem Gott und zu eurem Gott.“ Auch Joseph schämt sich hier nicht, von seinen Brüdern zu reden, von den in Ägypten so verachteten Schafhirten (Vers 34). Auch gibt der Hebräerbrief uns Kunde, dass der Herr Jesus sich nicht schämt, uns Seine Brüder zu nennen. Welche Herablassung ! Welche Liebe!

Joseph und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters bilden fortan ein Ganzes. Aber die ganze Familie bleibt abgesondert, getrennt von Ägypten; nur als Fremdlinge bleiben sie in ihrer Mitte. Desgleichen auch Joseph.

Unser Herr hat uns über unsere Stellung in dieser Welt nicht im Unklaren gelassen; auch die Apostel betonten immer wieder unsere Fremdlingschaft hienieden. (Vergl. Joh. 15, 18–19; Joh. 17, 18. 19.) Dennoch zeigt sich bei den Gläubigen so oft die Neigung zur Welt, was immer mehr den Zerfall der Christenheit fördert.

Diener des Pharao

1. Mose 47

Obwohl Joseph Herrscher und Gebieter über das ganze Land Ägypten ist, bleibt er doch der D i e n e r des Pharao. Er handelt nicht eigenmächtig und wartet auf die Anweisung des Königs. Fünf seiner Brüder stellt er vor Pharao (Vers 2). Die Zahl fünf ist das Symbol der Bedürftigkeit und Abhängigkeit, und sie geben Pharao kund, dass sie Schafhirten sind, und sich in Ägypten aufhalten möchten. Pharao und Joseph sind eines Sinnes, um ihnen das beste Teil Ägyptens, das Land Gosen, zur Wohnung zu geben. „Ich und der Vater sind eins“, sagt der Herr Jesus (Joh. 10, 30). „Denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr Mich geliebt“ (Joh. 16, 27). Das beste Land, das es gibt – das Vaterhaus droben, ist unser ewiges Teil (Joh. 14, 2–4; 17, 22–24).

Tüchtige Männer sollen als Aufseher gewählt werden (Vers 6). Auch in unseren Tagen tun „treue Männer, welche tüchtig sind, auch andere zu lehren“, sehr not. Wie gut, dass der Herr selbst alle notwendigen Gaben gibt zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Jesus Christus. Er selbst sorgt auch heute dafür, dass die Versammlung, welche Er sich „erworben hat durch das Blut Seines Eigenen“, sowohl gehütet als auch erbaut werde. (Siehe 2. Tim. 2, 2; Eph 2, 7–13; Apostelg. 20, 28 u. a. m.)

Joseph schaffte seinem Vater und seinen Brüdern Wohnungen (Vers 11). Auch unser Herr Jesus ist hingegangen, um für uns alle droben im Vaterhause eine Stätte zu bereiten (Joh. 14, 1–3).

Joseph versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus Jakobs mit Brot nach der Zahl der Kinder. So versorgt der Herr auch die Seinigen mit dem „Brote des Lebens“. Er trägt Sorge für alle und alles. Alle Namen der Heiligen sind im Himmel angeschrieben. Er kennt Seine Schafe mit Namen.

Alle Einwohner des Landes werden genötigt, mit Joseph in Verbindung zu treten; sie bitten: „Gib uns Brot!“ (Vers 15). So wird auch nach der Entrückung der Gläubigen Gott alles unterworfen sein. (Eph. 1, 9. 10; Psalm 2, 12; 22, 29). Aber auch heute dürfen hungernde und dürstende Seelen zu Jesu kommen und sie finden bei Ihm Brot und Wasser des Lebens umsonst.

Joseph unterwarf alles dem Pharao und vom Herrn Jesus lesen wir, dass Er Gott dem Vater alles übergeben wird (l. Kor. 15, 24–28). Jakob segnet den Pharao, was zum Ausdruck bringt, dass er als ein Gläubiger vor Gott stand, was bei Pharao trotz seiner irdischen Erhabenheit und seinem Reichtum nicht der Fall war. Jakob war der Höherstehende. Er war damals hundertdreißig Jahre alt – ein hohes Alter, aber dennoch grünte und blühte er auch im Greisenalter (Psalm 92, 13. 14). Er bezeugt seine Fremdlingschaft vor Pharao, doch wagt er keinen Vergleich mit seinen Vätern. Ähnlich redet David (2. Sam. 23, 5). Die Herrlichkeit des Glaubens erstrahlt auch hier im Palast Pharaos. Jakob war der Glückliche. In der Apostelgeschichte 26, 26–29 sehen wir Ähnliches. Paulus stehend vor dem König Agrippa und vor seinen Richtern ist der Glücklichere.

Aber wir sehen noch andere Herrlichkeiten. Jakobs Herz weilt vor seinem Ende im Lande der Verheißung, in Kanaan. Daselbst möchte er im Begräbnis der Väter begraben sein, damit er die Erfüllung der Verheißungen in der Auferstehung im Lande mit Abraham und Isaak teile. Er lässt dieserhalb Joseph schwören (Hebr. 11, 22). Joseph schwur ihm und Jakob betete an. Er war mit dem Verheißenen – mit Christus – beschäftigt und damit schließt unser Kapitel. Es enthält vorbildlich eine Schilderung des Reiches. Alles wird Joseph unterstellt; er verwaltet alles im Interesse Pharaos, so wie es später durch den Herrn Jesus in vollkommener Weise geschehen wird. Die Geschichte Jakobs beginnt und schließt mit Joseph.

Die Herrlichkeit der Gnade zeigt sich bei Jakob in besonderer Weise – alles, was wir von Kapitel 37 an lesen, ist ohne Schatten, alles ist lieblich und anziehend im Leben des alten Jakob. Möchte die Liebe Gottes und die Person des Christus auch unsere Herzen mehr ausfüllen, damit wir, Seine Herrlichkeit anschauend, mehr und mehr „verwandelt werden in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2. Kor. 3, 18).

In der Geschichte Josephs, wie sie uns im Worte Gottes erzählt wird, finden wir sehr oft das Wort „Brüder“. In Verbindung mit Joseph kommt es etwa neunzig Mal vor. Besonders oft finden wir es in den Kapiteln 43 und 44. Dies enthält eine wichtige Belehrung für uns alle. Man kann nicht an die Brüder denken, ohne von Liebe erfüllt zu sein. In dem Briefe an die Epheser finden wir das Wort Liebe in jedem Kapitel. Die Liebe, welche alles für uns gab, sollte nun unter uns gefunden werden.

Jakobs Glauben

1. Mose 48

Der Hauptinhalt dieses Kapitels wird uns in Hebräer 11, 21 in wenigen Worten geschildert. Dort heißt es: „Durch Glauben segnete Jakob sterbend einen jeden der Söhne Josephs und betete an über der Spitze seines Stabes“, d. h. sich über denselben hinbeugend. Jakob ist mit den Verheißungen beschäftigt. Nicht der Erstgeborene empfängt den Segen. Ruben hat ihn infolge seiner Sünde verloren (1. Chronika 5, 1). Auch Manasse, obwohl er der Erstgeborene war, empfing den Segen der Erstgeburt nicht, sondern Ephraim (Verse 13. 14). Es musste alles auf dem Boden, dem Grundsatz der Gnade stehen. Gott band sich nicht an den Erstgeborenen, damit sich kein Fleisch rühme. (Z. B. Kain, Ismael, Ruben; die ältesten Söhne von Isai wurden verworfen, aber der Jüngste, David, wurde erwählt.) Saul wurde vom Volke als König gewählt, aber von Gott verworfen.

In diesem Kapitel finden wir Jakobs schöne, demütige Gesinnung, sowie auch die passenden Gefühle über seinen Weg. Er wagt keinen Vergleich anzustellen mit Abraham und seinem Vater Isaak, welche vor Gott gewandelt sind. Aber er rühmt bewegt die Treue Gottes, die ihn geweidet hat, und redet von dem Engel, der ihn erlöste von allem Übel. Dies alles ist ergreifend und wunderbar. Jakob sieht auf seinem ganzen Wege nur Gnade und rühmt sie. Wir können dies auch wohl in Verbindung bringen mit den Wegen Gottes mit dem Volke Israel am Ende der Tage, wenn Gott sie durch Seine Treue zurechtbringen und erretten wird. Es wird dann der Christus sein, der sie segnet und den sie rühmen werden. Es ist so lieblich, feststellen zu dürfen, wie Gott sich mit Vorliebe der „Gott Jakobs“ – der „Gott der Schwachen“ – nennt.

Zuletzt sieht Jakob die endgültige Zurückführung des Volkes in das Land der Verheißung, obwohl die Erfüllung vierhundert Jahre auf sich warten ließ.

Möchte auch bei uns diese demütige Gesinnung gefunden werden, da auch wir vielfach mehr die Spuren eines Jakob und nicht eines Abrahams und Isaaks in unserem Glaubensleben hinterlassen. Dennoch war das Ende Jakobs ein gesegnetes. Zum Schluss gibt Jakob seinem Sohne Joseph ein Stück Feld oder Landstrich, den er mit seinem Schwert zurückerobert hatte. Daselbst begrub man später die Gebeine Josephs (Josua 24, 32). Viele Jahrhunderte später saß in der Nähe dieses Feldes der wahre Joseph, Jesus Christus, ermüdet von der Reise, an der Quelle, um zu rasten und sich zu erquicken (Joh. 4).

Prophetischer Ausblick

1. Mose 49

„Und Jakob rief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, und ich will euch verkünden, was euch begegnen wird in künftigen Tagen. Kommet zusammen, ihr Söhne Jakobs, und höret auf Israel, euren Vater“ (Vers 1). Hier haben wir eine wunderbare prophetische Schilderung von Israels Geschichte. Alle Söhne sind um den Vater geschart; er allein redet. Es gibt keine Unterbrechung noch verlautet eine Einwendung durch die Söhne Jakobs. Jakob ist hier das Gefäß, um Gottes Gedanken mitzuteilen. Er verbindet mit seinem persönlichen Namen den erworbenen Namen Israel, der ihm von Gott im Blick auf die Verheißungen gegeben wurde. Später benutzt Gott hinsichtlich des Volkes ebenso oft beide Namen. So gibt es auch im Leben der Gläubigen eine Seite der persönlichen Verantwortlichkeit, wie auch die Seite der Gnade Gottes.

Zunächst ist uns hier als Gegenstand der Prophezeiung die Geschichte der verantwortlichen Führer und Leiter vor Augen gestellt.

Bei Ruben sehen wir die Verderbnis, schreckliche Sünden, welche nach dem später gegebenen Gesetz den Tod bedingten. Rubens Erstgeburtsrecht ging verloren und es wurde den Söhnen Josephs übertragen (1. Chron. 5, 1–2). Ebenso ging auch Israels Erstgeburtsrecht – seine bevorzugte Stellung – unter den Völkern verloren. Infolge seiner schrecklichen Sünden und wegen des Abfalls von Jehova wurde es von Gott als Volk beiseite gesetzt und hat in dieser gegenwärtigen Zeit der Sammlung der Kirche keinen Vorzug mehr.

Bei Simeon und Levi sehen wir die andere Seite der Sünde: die Gewalttat. Sie hielten geheimen Rat, ohne nach Jehova zu fragen. Jakob hat darin keine Gemeinschaft mit ihnen. „Meine Ehre vereinige sich nicht mit ihrer Versammlung! Denn in ihrem Zorn haben sie den Mann erschlagen, und in ihrem Mutwillen den Stier gelähmt“ (1. Mose 34, 25–31).

So hat man später den „Mann“, Christus, erschlagen. Er ist getötet worden durch die religiösen Führer, welche miteinander geheimen Rat hielten, wie sie Jesus mit List griffen und töteten (Matth. 26, 3–5). Auch wurde das Zeugnis des Heiligen Geistes verworfen, indem man Stephanus, „einen Mann voll Gnade und Kraft“, der große Wunder und Zeichen unter dem Volke vollbrachte (Apostelg. 6, 8 – 7, 60). steinigte. Jakob sagt: „Verflucht sei ihr Zorn, denn er war gewalttätig, und ihr Grimm, denn er war grausam! Ich werde sie verteilen in Jakob und sie zerstreuen in Israel.“ So ist es geschehen. Simeon wurde in dem Erbteil Judas verteilt. Levi hingegen erwarb sich durch seine spätere Entschiedenheit besonderen Dienst, wiewohl er als Stamm kein Erbe erhielt. Auch ist der spätere Tempeldienst nicht geblieben. Ja, das ganze Volk ist heute noch unter die Nationen zerstreut, obwohl sich Zeichen der Sammlung bemerkbar machen. Noch ist Israel ohne Tempel, ohne Opfer, ohne Gottesdienst. Simeon und Levis Verderbnis und Gewalttat sind die zwei Charakterzüge der Sünde. Beides sehen wir in den Nachkommen Jakobs, wie uns dies Gottes Wort vielfach mitteilt.

Bei J u d a – sein Name bedeutet Lobpreisung wird von Sieg über die Sünde Judas geredet. Wir finden hier einen sehr klaren Hinweis auf Christus. Dreimal wird das Wort „Löwe“ und dreimal das Wort „Juda“ gebraucht. Seine Hand wird auf dem Nacken Seiner Feinde sein und niemand kann vor ihm bestehen. Dann wird das Szepter in der Hand des Messias sein, es wird nicht mehr weichen, wie es infolge der Verwerfung Jehovas und der Verwerfung des Christus von Juda gewichen war. Selbst in den Tagen Jesu regierte ein Herodes, der nicht einmal ein echter Jude war. Doch wird der einst verworfene Messias alle Feinde niederwerfen und als Schilo, der Ruhebringende, im Charakter eines David und eines Salomo den reichen Segen herbeiführen (Vers 10). Alle Prophezeiungen werden dann erfüllt sein (Vers 11. 12). Die Edelrebe ist der gläubige Überrest. Durch ihn allein kann und wird der Segen kommen. Es wird große Freude, Friede im Himmel und Friede auf der Erde sein. Auch in Offenbarung 5 sehen wir den Herrn Jesus als den Löwen von Juda; der Löwe, der überwunden hat als der große Sieger von Golgatha. Juda ist das Bild der Macht, der Würde und der Herrschaft, wie es im Reiche unter dem Szepter des Herrn Jesus sein wird. Bei Juda ist nicht die Rede von Sünde und Schuld – alles ist gerichtet und hinweggetan. So wird es auch im Reiche sein, der „Unflat der Tochter Zion“ wird beseitigt sein.

Bei Sebu1on sehen wir die Folgen der Verwerfung des Christus. Israel ist unter die Nationen zerstreut. Sebulon verfolgt nur irdische Interessen. Wo Handel und Gewerbe blüht, da finden wir auch den Juden. Aber seine Seite ist nach Sidon hin eine Anspielung auf die kommenden Gerichte.

Bei Issaschar sehen wir die Ausdauer im Bilde des knochigen Esels. Da gibt es etwas zu verdienen. Der geübte Scharfblick findet die Plätze, wo man zwischen den Hürden lagern kann. Der Psalmist sagt: „Wenn ihr zwischen den Hürden lagert, werdet ihr sein wie die Flügel einer Taube, die überzogen sind mit Silber, und ihre Schwingen mit grüngelbem Golde.“ „Er sieht, dass die Ruhe gut und das Land lieblich ist.“ Es ist ihm einerlei, wo man lagert; er hat kein Bedürfnis, in die wahre, dem Volke verheißene Ruhe einzugehen, in das liebliche Land, welches er verlor. Er ist Lastträger irdischer Dinge geworden und steht im Dienste Pharaos, das Bild des Gottes dieser Welt. Er ist fronpflichtiger, abhängiger Knecht geworden; er muss anderen dienen, statt dass andere ihm dienen, wie es im messianischen Reiche der Fall sein wird (Jes. 61, 5; 60, 10). Darum sieht er auch das herannahende Gericht nicht, das als Folge seiner irdischen Gesinnung und seiner vorherrschenden finanziellen Machtstellung über ihn hereinbricht.

Bei Dan sehen wir das Volk im Gericht. Gott lässt es zu. Der Reiter auf schnellem Ross zeigt an, wie schnell man wohl zur Macht gelangen, aber auch ebenso schnell von dem Gericht hinweg gerafft werden kann. Die Hornotter am Wege weist auf den Antichristen hin. Sie beisst in die Fersen des Rosses und rückwärts fällt sein Reiter. Die satanisch–antichristliche Herrschaft findet ein furchtbares, jähes Ende. Seine Führerschaft, unterstützt durch andere himmlische und irdische gottfeindliche Mächte, sowohl seine religiöse wie auch seine weltliche Machtstellung wird plötzlich beendet sein (Hes. 21, 30–32; Sach. 11, 16–17). „Der Fallstrick wird seine Ferse erfassen, die Schlinge ihn ergreifen“ (Hiob 18, 9). „Der Herr Jesus wird ihn verzehren durch den Hauch Seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung Seiner Ankunft“ (2.Thes 2, 8).

Wir finden in jenen Tagen im Volke Israel zwei Gruppen; der erste größere Teil folgt dem Antichristen und kommt mit ihm um in den Gerichten. Der andere kleinere Teil, der gläubige, fromme Überrest, der in Verbindung mit dem wahren Messias steht, geht ein in die Segnungen und Wohltaten des Reiches. Sein Rufen: „Auf Deine Rettung harre ich! Jehova!“ wird in der so dunklen und schweren Zeit Erhörung finden (Jes. 25, 9; 26, 8–13).

Bei Gad sehen wir den gläubigen Überrest verfolgt und in Bedrängnis, aber auch er wird befreit von allen seinen Feinden. Christus wird alle Seine Feinde auf die Knie zwingen und über Seine Widersacher herrschen (Psalm 110, 2), der gläubige Überrest empfängt die Macht (Sach. 12, 6).

Bei Aser sehen wir einen Segen–Vermittler, austeilend aus der göttlichen, unerschöpflichen Fülle. Wir sind berufen, Segen zu vermitteln; im Dienste zur Auferbauung der Gemeinde des Herrn eifrig zu sein. Wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten. „Königliche Leckerbissen“ sagen uns, wie süß und kostbar das göttliche Wort ist.

Bei Naphtali sehen wir die Befreiung. Die Ketten Satans, die Bande, die uns fesselten, sind gesprengt. Der Befreier Jesus–Christus empfängt Lob und Anbetung. Die „schönen Worte“ versinnbildlichen das mündliche Zeugnis des Herrn. Der Psalmist sagt: „Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers“ (Psalm 45, 1).

Bei Joseph – sein Name bedeutet: „Er füge hinzu“ – sehen wir die volle Erfüllung aller Verheißungen; seine Schösslinge treiben über die Mauer, d. h. die Segnungen des Reiches kommen auch den Nationen zu gute. Wohl wurde Christus auf Erden befehdet und durch die Bogenschützen verwundet; ja, Er ging in den Tod, aber Sein Bogen blieb und bleibt fest in Ewigkeit (Römer 1, 4). Auch wird Er der „Hirte“ genannt. Als solcher hat Er sich erwiesen in alten Zeiten in bezug auf Sein irdisches Bundesvolk Israel; Er ist der Mächtige Jakobs. Als der „Gute Hirte“ hat Er Sein Leben dahingegeben und als der „große Hirte der Schafe“ pflegt und weidet Er jetzt die Seinen (Hes. 34, 23–31; Psalm 23; 77, 20). Er wird der „Stein Israels“ genannt, obwohl einst verworfen, ist Er jetzt zum Eckstein für Sein Volk geworden (Eph. 2, 20; 1. Petrus 2, 4). Alles kommt von dem Allmächtigen, Der uns hilft und uns segnet mit himmlischen wie auch mit irdischen Segnungen. Alles reicht in wunderbarer Harmonie weit über das Reich hinaus bis zur „Grenze der ewigen Hügel“ es endet nie! (Offenbg. 21). Dies alles ruht auf dem Haupte des Christus, von dem Joseph nur ein Vorbild, allerdings ein treffliches, ist. In Christus ist alles befestigt und gesichert, in Ihm, dem droben für ewig Gekrönten und Verherrlichten. Er ist jetzt verherrlicht im Himmel und Er wird verherrlicht werden auf Erden. Beide Träume Josephs sind dann erfüllt, Himmel und Erde anerkennen Ihn und werden Ihm huldigen.

Welch ein großes Vorrecht ist es, Ihn schon jetzt zu ehren und Ihm heute schon Lob und Preis und Ehre darbringen zu dürfen! Ja, wir lieben Ihn und dürfen Ihn außerdem mit glücklichem Herzen aus dem Himmel erwarten, von wo Er kommen wird, um Seine Kirche, Seine Gemeinde, heimzuholen, dass sie für immer bei Ihm sei.

Bei Benjamin – sein Name bedeutet „Sohn der Rechten“ – sehen wir Christus, unseren Herrn, der am Morgen des neuen Tages, am Anfang des Reiches, alle Feinde niederwerfen und „mit Gewaltigen die Beute teilen“ wird. Das wird die Antwort sein auf das Rufen des jüdischen Überrestes, wie wir es im Psalm 80, 17 finden: „Deine Hand sei auf dem Manne Deiner Rechten, auf dem Menschensohne, den Du Dir gestärkt hast“. Am Abend jenes langen Tages des Segens, nachdem Satan aus dem Abgrund, wo er gebunden war, wieder losgelassen sein wird und eine ungeheure Zahl von Anhängern gewinnt, führt Christus den völligen und auch endgültigen Sieg herbei (Offenbg. 20, 7–10). Moses nennt Benjamin den „Liebling Jehovas“ (5. Mose 33, 12). So ist auch er ein Vorbild von Christus und zwar als der Richter.

Damit schließt der Heilige Geist diese wunderbare prophetische Schilderung der Geschichte des Volkes Israel. Es sind die Worte, die Jakob zu seinen Söhnen redete und womit er sie segnete. Wir finden also zwei Gegenstände vor Augen gestellt: Erstens die persönliche Darstellung, je nach dem Wandel und der Gesinnung jedes einzelnen, und zweitens das daraus hervorgehende prophetische Bild dessen, was in späteren Tagen geschehen wird.

Anfang, Ende und Mittelpunkt der Geschichte Jakobs ist Joseph, wie wir immer wieder gesehen haben, das Bild von Christus. Jakob sieht in Ihm das Herannahen jener herrlichen Zeit, da der Fluch von der Erde weggenommen sein wird. Christus regiert und das bedeutet Segen. Dann sind auch alle Verheißungen im Blick auf die z w ö 1 f Stämme Israels erfüllt. Wir stehen heute ganz nahe der Grenze jener Erfüllung. Dann wird es tief empfunden werden: „Seine Güte währet ewiglich !“ Alle Wege Gottes haben in dieser kostbaren Wahrheit und Tatsache ihr herrliches Ziel erreicht. Christus ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.

So sehen wir Jakob am Ende Seines Weges mit Christus beschäftigt. Sein letzter Wunsch ist, begraben zu werden in der Höhle im Felde Machpela vor Mamre im Lande Kanaan; dort will er warten auf die Auferstehung. Den Lebensabend verbrachte er in Ägypten, der Tod brachte ihn wieder in das Land der Verheißung, nach Kanaan, zurück.

Jakob nennt die Namen aller, welche bereits in jener Höhle beigesetzt waren. Er hatte daselbst auch die Lea begraben ( 1Mo 49,31 ) , welche Juda gebar. Auch er wurde versammelt zu seinen Völkern, zu denen, welche im Glauben gestorben waren, aber die Verheißung noch nicht empfangen, sondern von ferne sahen und begrüßten und bekannten, dass sie Fremdlinge und ohne Bürgerrecht auf Erden seien (Hebr. 11, 13).

Die Gnade Gottes

1. Mose 50, 1–21

„Und Joseph fiel auf das Angesicht seines Vaters und weinte über ihm und küsste ihn“ (Vers 1). Welch ein ergreifendes Bild! Welch ein lieblicher Beweis für das Verhältnis Josephs zu seinem Vater. Seine Einstellung und seine Gefühle zu seinem Vater sind noch immer dieselben, wie wir sie zu Anfang gesehen haben. Es war ein Verhältnis nach den göttlichen Gedanken und wie wir sie beim Herrn Jesus Seinen Eltern gegenüber auch wahrnehmen (Lukas 2, 51). Die anderen Söhne Jakobs standen nicht in solchem Verhältnis zu ihrem Vater wie Joseph, es wird uns von ihnen diesbezüglich nichts mitgeteilt.

Nachdem Jakob gestorben war, trägt Joseph Sorge für ein würdiges und ehrenvolles Begräbnis. Er setzt sich mit Pharao in Verbindung, um dessen Zustimmung für dieses Begräbnis zu erhalten. Jakobs Leiche wird wie die eines Fürsten auf seinem Wege aus Ägypten nach Kanaan begleitet, ein „Staatsbegräbnis“ würden wir heute sagen. Auf der Tenne von Atad fand auf Anordnung von Joseph eine Trauerfeier von sieben Tagen statt (Vers 10). Die Tenne Atad erweckt den Gedanken an die Ernte und dies vor allem im Blick auf Kanaan. Atad lag jenseits des Jordan. Der Jordan ist das Bild des Todes wie auch der Auferstehung. Der Herr Jesus musste in den Tod gehen, sonst wäre Er allein geblieben. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein.“ Aus Seinem Kreuzestod ging viel Frucht hervor. Aber es kommt noch eine große Ernte. Die Gläubigen der Jetztzeit sind nur eine gewisse Erstlingsfrucht Seiner Geschöpfe (Jak. 1, 18).

Der Augenblick naht, wo die Ernte der gegenwärtigen Zeit eingeheimst wird. Dann kommt das Einsammeln des gläubigen Überrestes aus den Juden und aus den Heiden (Offenbg. 7). Dann ist alle Trauer beendet und es folgt ein „achter Tag“, an dem die Freude besonders groß sein wird (Psalm 97, 1). Der „achte Tag“ ist ein Bild der Ewigkeit. Das Laubhüttenfest findet dann seine Erfüllung. Satan ist in dieser Zeit gebunden.

Obwohl die Gläubigen aufgefordert werden, im Herrn sich „allezeit zu freuen“, trauern sie doch im Blick auf alles, was sich ihren Augen darbietet. „Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“, sagt der Herr in Seiner „Bergpredigt“ (Matth. 5, 4), und Paulus schreibt an die Korinther : „Denn wir freilich, die in der Hütte noch im irdischen Leibe – sind, seufzen beschwert“ (2. Kor. 5, 2; Römer 8, 23). Doch auch für sie folgt ein „achter Tag“, ein Tag der Herrlichkeit, wo sie im Vaterhause droben Wonne und Freude erlangen, und Kummer und Seufzen aufgehört haben werden.

Die Söhne Jakobs begruben ihren Vater, die Ägypter hatten kein Teil daran. Danach kehrten sie alle zurück nach Ägypten. Aber ihr Herz war trotz aller erfahrenen Liebe und Gnade voller Argwohn und Misstrauen gegen Joseph. Ach, was ist der Mensch doch für ein armes Geschöpf! Sie kamen zu Joseph und baten nochmals um Vergebung, was ihn nur betrüben konnte.

„Und Joseph weinte, als sie zu ihm redeten.“ Das ist hier zum siebenten Male gesagt. Sie fallen vor ihm nieder und sprachen: „Siehe, wir sind deine Knechte.“ Ach, wie oft betrüben auch wir unseren Herrn mit unserem Unglauben und mit unserem Misstrauen!

„Joseph sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht; denn bin ich an Gottes Statt? Ihr zwar hattet Böses wider mich im Sinn; Gott aber hatte im Sinne, es gut zu machen . . . um ein großes Volk am Leben zu erhalten. Und nun, fürchtet euch nicht; Ich werde euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete zu ihren Herzen“ (1.Mose 50, 18–21). Joseph hatte ihnen vor siebzehn Jahren alles vergeben und sie alle geküsst; er konnte nicht zweimal vergeben. Was bei ihnen vielleicht noch fehlte, das konnte er ruhig Gott überlassen. Sollten wir nicht auch, statt die Mängel und Fehler anderer zu kritisieren, mehr füreinander beten und vor dem Throne der Gnade einstehen? (l. Petrus 2, 21–23; Kol. 3, 12–14; Phil. 2,1–3).

Gewiss, es ist nicht immer böse Absicht der Grund verkehrten Denkens und Urteilens. Joseph sucht in Treue seine Brüder Gott näher zu bringen. Wenn Gläubige durch allerhand Nöte und Prüfungen gehen, dann wirken milde Worte der Liebe und Gnade besser als harte, kalte Worte des Vorwurfs. Gütige Worte sind Balsam für ein entmutigtes Herz. Joseph hatte sich völlig Gott überlassen und Er machte alles wohl und gut. Das kam ihnen und dem ganzen Hause Jakobs zu Gute und war ihnen zum Nutzen und Segen.

Hinsichtlich des späteren Überrestes Israels wird auch eine ernste und schwere Kasteiung ihrer Seelen in Erinnerung an ihre Verfehlungen und Sünden ihrem Messias gegenüber stattfinden und auch ihnen wird ihre Blutschuld vergeben werden. (Vergl. 3. Mose 16, 29–31; Psalm 51, 14; Sach. 12, 10–14; Jer. 31, 34,9 Micha 7, 1–20.)

Die Geschichte der Brüder Josephs ist somit ein wunderbares Denkmal der Gnade Gottes. Sie haben Busse getan und sind geheilt worden. Stephanus nennt sie „Patriarchen“ (Apostelg. 7, 8). Nach ihrem Tode kamen sie alle in die Grabstätte nach Sichem, welche Abraham von Hemor, dem Vater Sichems, gekauft hatte (Apostelg. 7, 15. 16). Wie ist alles doch so wunderbar! Joseph selbst bestätigt, dass alles gut war (Vers 20).

Liebe gläubige Eltern! Blicket vertrauensvoll auf zu eurem Herrn! Vielleicht sind eure Kinder in Sünde, Ungerechtigkeit, Hass und Neid auf dem breiten Pfade in dieser bösen Welt. Betet, rufet zum Herrn wie Jakob es tat im Blick auf seine Söhne. Gott allein konnte helfen. Er hörte auf Jakobs Rufen und sein Flehen fand Beachtung und Erhörung. In manchen Fällen erleben es die Eltern nicht mehr, dass alle ihre Kinder errettet werden. Dennoch dürfen wir im Glauben festhalten, dass Gott alles vermag. Wie manche Fälle sind uns bekannt, wo solche Kinder, nachdem die Eltern nicht mehr da waren, errettet wurden. Ebenso dürfen wir auch alle anderen Schwierigkeiten und Anliegen im Gebet Gott darbringen. Er vermag zu tun über Bitten und Verstehen. Welch eine Stärkung bietet die Geschichte Jakobs und Josephs für unseren Glauben!

Die Verheißungen Gottes

1. Mose 50, 22–26

Joseph und das Haus seines Vaters bildeten Ägyptens Mittelpunkt. Da liefen alle Fäden der Verwaltung des Landes zusammen, von da aus wurde alles geregelt und geleitet. Gleicherweise wird heute alles vom Himmel aus regiert, wohin Christus, nachdem Er das Werk vollbracht hatte, zurückgekehrt ist. Obwohl die äußere Regierung noch in den Händen der Nationen ist, leitet doch der Herr alles von oben her (Joh. 17,2; Matth. 28, 18). Dieses ist vollkommen wahr und wird völlig offenbar, wie wir Jesaja 53, 11 vom Herrn Jesus lesen, wenn Epheser 1, 9. 10 in Erfüllung gekommen sein wird, wo die Verwaltung der Fülle der Zeiten unter ein Haupt – Christus –gebracht sein wird. (Siehe auch Hebräer 2, 5–8; 1. Korinther 15, 25–28).

Der Glaube Josephs zeigt sich am Ende seines bewegten, wechselvollen Lebens, wie bei Jakob, in seinem höchsten Glanze. Auch sein Herz weilt angesichts seines nahen Endes im Lande Kanaan. Er beschäftigt sich mit Gottes Verheißungen. Wenn auch das äußere Leben – wie herrlich und schön es auch gewesen sein mag – ihn an Ägypten band, doch nach seinem Tode sollte sein Leib im Lande der Verheißung ruhen. Am Sterbebett seines Vaters hatte er wunderbare Aussprüche gehört. Er vernahm den Wunsch seines Vaters, im Lande Kanaan begraben zu sein. Auch Joseph wollte dort ruhen, und dort die Auferstehung erwarten; er sah die Verheißung von ferne und begrüßte sie (Hebr. 11, 13).

Jesus Christus würde kommen, der Löwe aus Juda, so hatte sein Vater gesprochen und von den Segnungen des Himmels droben geredet; alles dieses stand ja in engster Beziehung zu seinen beiden Träumen.

1. Petrus 1, 11 sagt uns, dass im Alten Bunde der Geist stets auf Christus hinwies. jene Gläubigen haben ohne Frage viel mehr verstanden und genossen, als man im allgemeinen annimmt. Freilich konnte erst nach dem vollbrachten Werke des Christus und nachdem der Heilige Geist hernieder gekommen war, alles in der Fülle verstanden werden, wie es denn auch nach dem Pfingsttage also geschehen ist. Es gab schon im Alten Bunde solche, die auf eine zeitliche Befreiung vom Tode verzichteten, um eine „bessere“ Auferstehung zu erlangen (Hebr. 11, 35).

Bemerkenswert ist, dass in dem so wunderbaren Leben Josephs uns in Hebräer 11, 22 nur seine letzte Äußerung mitgeteilt wird: „Gott wird euch gewisslich heimsuchen; so führet meine Gebeine von hier hinauf“ (Vers 25). Ein menschlicher Schreiber hätte uns viel mehr von Joseph geschrieben. Doch dies war das Wichtigste, es war der Ausdruck des wunderbarsten Glaubens angesichts des Todes, so wie wir es in 1. Korinther 15,55 lesen: „Wo ist, o Tod, dein Stachel? Wo ist, o Tod, dein Sieg?“ Sterbend gedachte also Joseph des Auszuges der Kinder Israel, welcher erst viel später stattfand, dann sollten sie seine Gebeine mitnehmen. Welch ein großer, wunderbarer Glaube! Joseph lässt dieserhalb seine Brüder schwören, so wichtig war es ihm, in Kanaan beigesetzt zu werden. Dies alles zeigt uns, dass auch diese Gläubigen wiedergeboren waren und neues Leben aus Gott hatten.

In 2. Mose 13, 19 wird uns berichtet, dass Mose die Gebeine Josephs mitnahm. Vierzig Jahre trug sie das Volk durch die Wüste. Gott selbst wachte darüber und trug Sorge dafür, denn andernfalls wäre das halsstarrige Volk des Tragens menschlicher Gebeine müde geworden. Nach Einnahme des Landes Kanaan wurden die Gebeine Josephs auf dem Felde begraben, welches Jakob von den Söhnen Hemors, des Vaters Sichems, gekauft hatte um hundert Kesita (Josua 24, 32).

„Gott wird euch gewisslich heimsuchen; so führet meine Gebeine von hier hinauf“ (Vers 25). Sicherlich mag dies für seine zurückbleibenden Brüder eine große Ermunterung gewesen sein, im Glauben auszuharren. Josephs Leiche wurde einbalsamiert und in eine Lade gelegt, damit sein letzter Wunsch in Erfüllung gehen konnte. Den Leib unseres Herrn Jesus legte man in eine „neue Gruft“, „wo noch nie jemand gelegen hatte“ (Lukas 23, 53; Joh. 19, 41). Er kam weder in eine „Lade“, noch wurde Er einbalsamiert; denn Sein Leib kannte keine Verwesung. „Du wirst nicht zugeben, dass Dein Frommer die Verwesung sehe“ (Psalm 16, 10).

Es ist bemerkenswert, dass in Ägypten weder Jakob noch Joseph besondere Mitteilungen oder Offenbarungen von Gott empfingen. Das nächste große und eine Ziel Gottes für jene Gläubigen war: der Auszug aus Ägypten (l. Mose 15, 13. 14). Auch im zweiten Buch Mose knüpft Gott daran an und das Volk Israel erwartete es. Dies alles stand vor dem Glaubensauge Josephs. So gibt es auch für den Gläubigen der Jetztzeit keine neuen Mitteilungen oder Offenbarungen mehr, denn das Wort Gottes ist vollendet. (Siehe Kol. 1, 24–27.) Auch der Herr Jesus, als Er zum Vater zurückkehrte, knüpfte an das an, was Er den Seinigen bereits gesagt hatte, nämlich dass Er wiederkommen würde, um die Seinigen zu sich zu nehmen, auf dass, wo Er ist, auch sie seien (Joh. 14, 2. 3).

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