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Die Diskussion über die charismatische Bewegung ist in den letzten Jahren abgeflaut. Es wäre jedoch schade, wenn sie einfach irgendwo im Sande verliefe, denn es geht um ein wichtiges Thema: das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinde und damit um ihre Lebendigkeit und Vielfalt. Nach der ersten Aufregung über die charismatischen Aufbrüche in den 60er und 70er Jahren sollten wir uns deshalb nicht damit beruhigen, daß alles wieder einen „geordneten Verlauf" nimmt. Das wäre zwar verständlich, weil das Wirken des Geistes sich unserer Kontrolle entzieht und uns deshalb angesichts solchen nicht einpianbaren Geschehens eher Unsicherheit beschleicht. Doch könnten wir mit den besonderen Gaben des Geistes auch sein Wirken in der Gemeinde überhaupt unterdrücken.
Wir sollten uns also nicht damit beruhigen, daß die Diskussion über charismatische Erscheinungen nachläßt, sondern unsere Fragen nüchtern und offen zugleich an die Bibel richten, denn die Gemeinden des Neuen Testaments haben das Wirken des Geistes so unmittelbar erlebt, wie es in unserer Zeit nicht mehr vorzukommen schien. Klaus Haacker untersucht die biblischen Aussagen über den Geist Gottes im Alten und Neuen Testament, insbesondere die lukanisehen und paulinischen Aussagen. Dabei fragt er zunächst nach den Wirkungen der allgemeinen Geistbegabung der ganzen Gemeinde und kommt zu dem Schluß: „Es ist eine ganze Menge, was da allen Christen als Wirkung der Geistesgabe zugesprochen wird.
Ein ‚Streben nach Gaben', das diese Grundbegabung überspringen will oder ihr Abbruch tut, ist sicher nicht vom Heiligen Geist." Abweichend von der in der theologischen Diskussion meist vertretenen Position lehnt Haacker ein Verständnis der Zungenrede als ekstatisches Stammeln ab. Er nennt zwei kritische Maßstäbe für die Entstehung von Ämtern. Es kommt zu ihnen, wo sie den Bedürfnissen der Gemeinschaft dienen und wo erwartet werden kann, daß bestimmte Personen die gestellte Aufgabe auf Dauer erfüllen können.
Die besonderen Geistesgaben nennt Paulus bevorzugt Gnadengaben (charisinata), um zu betonen, daß alle Gaben des Geistes, die in der Gemeinde betätigt werden, Geschenke Gottes sind. Gerhard Hörster untersucht die Vielfalt der in den Gemeinden von Rom und Korinth vorkommenden Gnadengaben. Diese Vielfalt brauchen wir aber nicht nachzuahmen, sondern können Gott bitten um die Gaben, die wir heute brauchen. Dafür zählt Hörster etliche Beispiele auf. Insbesondere in der Diskussion mit pfingstierischen Kreisen spielen die Begriffe „Geistestaufe" und„ Geistesfülle" eine wesentliche Rolle.
Kurt Seidel zeigt auf, daß nach dem Neuen Testament alle, die an Jesus Christus glauben, den Heiligen Geist empfangen haben bzw. mit dem Heiligen Geist getauft worden sind. Die Geistestaufe bedeutet somit ebenso wenig wie die Erfüllung mit dem Geist -- der Begriff „Geistesfülle" kommt im Neuen Testament nicht vor - einen neuen erhöhten Erkenntnis- oder Heilsstand, der das Heilswirken Gottes in der Wiedergeburt überbietet. Manfred Hahn vertritt in seinem Beitrag die These, daß der Dienst bzw. das Amt des Pastors oder Predigers immer nur vom Charisma her verstanden und praktiziert werden kann. Das befreit von einer falschen Rollenerwartung und bewahrt vor Überheblichkeit.
Im letzten Aufsatz unterscheidet Eberhard Schnepper drei Richtungen, die heute als „charismatische Bewegungen" bezeichnet werden: die Pfingstler, die Neupfingstler und die Gemeindeerneuerung in evangelischen und katholischen Kirchen und Gemeinden. Nachdem Schnepper einen Überblick über die Herkunft der drei Bewegungen, ihre Erscheinungsformen und ihre Lehre gegeben hat, geht er ausführlich darauf ein, welche Fragen die charismatische Bewegung heute an Kirchen und Freikirchen stellt.
Er macht Mut, die Charismen in die Gemeinde zu integrieren und ihnen Raum zugeben, um in unserer Zeit neu das Wirken des Heiligen Geistes zu erfahren. Wenn das vorliegende Buch dazu beiträgt, daß die Diskussion um die Charismen nicht einfach versandet, daß sich das Nachdenken über den Geist und seine Gaben neu an der Bibel orientiert und daß in den Gemeinden eine Offenheit für alle Gaben entsteht, die Gott durch den Heiligen Geist der Gemeinde schenken will - dann hat das Buch sein Ziel erreicht.
Witten, im Januar 1983 Wilfrid Haubeck gebraucht Bestell-Nr: BV12182 Autor/in: Klaus Haacker, Gerhard Hörster Titel: Mit Geist beschenkt Preis: 3,40 € ISBN: 9783813701470 (früher: 3813701476) Format: 18,5 x 12,5 cm Seiten: 103 Gewicht: 132 g Verlag: Bundes Erschienen: 1983 Einband: Taschenbuch Sprache: Deutsch Zustand: leichte Gebrauchsspuren
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