Zungenreden aus biblischer Sicht, Ralph Shallis

07/03/2024
von Christ-und-Buch Günter Arhelger

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG
Warum dieses Buch"..............................15
Der einzige Maßstab: Das Wort Gottes ..............17
1.Das ganze Wort Gottes..........................17
2.Nichts als das Wort Gottes......................17
3. Das Wort Gottes, wie es sich selbst auslegt ........18
Die Bibeltexte über die Geistesgaben.................18
Die Bibeltexte über die Sprachengabe ................19
Der einzige Text des Herrn Jesus....................19
DiedreiLukastexte................................19
Der einzige Paulustext.............................19
Bemerkungen zu unserem evangelikalen »Jargon« .....19
Gebet............................................20
ERSTER TEIL DIE TEXTE
Kapitel 1
DIE LEHRE JESU CHRISTI
Der Markustext 16:17 (15 bis 18)....................22
Kommentar......................................22
Worandachte Jesus"..............................22
Jesus blickte auf die Ernte.........................23
»Neue« oder »unverständliche«" ....................23
Jesussiehtweiter..................................24
Evangelisieren... in welcher Sprache" ................24
EinHorizont öffnet sich.............................25
Das Übernatürliche wirkt durch das Natürliche hindurch25
Die Sprache: Das beste Werkzeug des Heiligen Geistes .26
Die Beziehung zwischen Apg.2 und Markus 16........26
Eine fantastische Gabe.............................26
GottesWirklichkeitssinn...........................27
Kapitel 2
DER ERSTE TEXT DES LUKAS
Der Schlüsseltext: Apostelgeschichte 2:1-11 ...........28
Apostelgeschichte 2 nach dem griechischen Urtext .....28
Analyse des 2.Kapitels der Apostelgeschichte .........29
Warum haben sie diese Sprachen gesprochen? ........31
Und die anderen Fälle? ............................32
Korinth: Eine Mustergemeinde? .....................47
Ein Einzelfall? ....................................47
Kapitel 7
Kapitel 3
DER ZWEITE LUKASTEXT
Apostelgeschichte 10:46
im Zusammenhang der Verse 43-48
und mit Bezug auf Apg.11:15-18 ....................33
Warum war Petrus überrascht? .....................34
Der Grund der wunderbaren Sprachen in Cäsarea .....34 
Kapitel 4
DER DRITTE LUKASTEXT
Apostelgeschichte 19:6
im Zusammenhang der Verse 1 bis 7
und mit Bezug auf Apg.18:24-26 ....................36
Die Schlußfolgerung zu den Lukastexten .............38
Bitte gut merken ..................................38


Kapitel 5
DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEN TEXTEN VON LUKAS UND PAULUS
Zur Auslegung des Paulustextes.....................39
1. Nichts zur Schrift hinzufügen ....................39
2. Die ganze Schrift nehmen .......................40
3. Die Schrift durch die Schrift auslegen .............40 
Zwei Gruppen von wunderbaren Sprachen? ........... 40 
Die Sprachen: »Zeichen« oder »Gabe«? ..............41
Gott verwirrt uns nicht ............................42
Paulus und Lukas widersprechen sich nicht...........43
Kapitel 6
DIE GEMEINDE IN KORINTH
Eine Problemgemeinde.............................45
Der allgemeine Zusammenhang .....................45
Der direkte Zusammenhang: Der Ablauf der
Gemeindeversammlung.............................46
WAS PAULUS UNTER GEISTESGABE VERSTEHT
Die Geistesgaben nach 1.Korinther 12...............49
Geistesgabe = Organische Tätigkeit des Leibes .......49
Der Zweck einer Gabe: Der Dienst ..................50
Der Leib enthält eine Vielfalt von Organen ...........50
Die Gabe ist für das Wohl des Nächsten da ..........50
Gott bestimmt die Gabe eines jeden .................51
LeiboderSpottbild? ...............................51
Eine Gabe unter vielen anderen .....................52
Die Geistesgaben nach 1.Kor.13.....................52
Gabe=Geschenk=Liebe........................53
Und 1.Kor.1:7?
Warum sagt Paulus zu den Korinthern:
»Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel« ... . ...54
Kapitel 8
UNTERSUCHUNG DER DREI PAULUSTEXTE IN 1.KORINTHER 12
1.Korinther 12:10 und 28..........................56
Was bedeutet der griechische Ausdruck
»geneglosson«7 ...................................56
Sprachen oder Pseudo-Sprachen7 ....................57
1.Korinther12:30.................................58
»Reden alle in Sprachen?«.........................58
Aber sagt Lukas nicht das Gegenteil? ................58
Bemerkung zu1.Kor.12:31.........................59
Kapitel 9
UNTERSUCHUNG DER ZWEI PAULUSTEXTE IN 1.KORINTHER 13
1.Korinther 13:1 ..................................61
Engelsprachen7 ...................................61
Die Sprache: Transportmittel einer gekreuzigten Liebe .62
Das Wunderbare beweist nichts .....................62
1.Korinther 13:8: »Die Sprachen werden aufhören« . . . 63
Die Geistesgaben sind eine vorübergehende Phase .....63
Kapitel 10
EINFUHRUNG IN DAS STUDIUM VON 1.KORINTHER 14
Vers...........................................76
Ein Gebet »in Zungen«? ...........................77
Einwurf: Und der Obersaal in Apg.27 ...............77
Vers...........................................79
Das Ziel der Beweisführung des Paulus ..............66
1. Paulus schreibt, um Ordnung zu schaffen ..........66
2. Paulus steht nicht im Widerspruch zu Apg.2 .......66
3. Unter der Eingebung Gottes betrachtet Paulusdie Sprachengabe im Rahmen der Versammlung . . . .66
4. Paulus vergleicht hier zwei bestimmte Gaben ........67
Unverständliche Sprachen in der Gemeinde? ..........67
Der Heilige Geist vergeudet nicht die ZeitderGemeinde.....................................67
Warum gab es in Korinth Sprachen?................68
Kapitel 11
DIE BIBLISCHE BEDEUTUNG DER BEGRIFFE: »PROPHETIE« UND »SPRACHEN«
Der Prophet im Alten Testament....................69 
Der Prophet im Neuen Testament ...................70 
Einige Irrtümer über Prophetie .....................70 
Die falschen Propheten ............................71 
Die Bedeutung des Wortes »Sprache« im Griechischen .71
Kapitel 12
FÜR EINE AUSGEWOGENE AUSLEGUNG VON 1.KORINTHER 14
Die viel zitierten Halbverse .........................72
Die Halbverse in ihrem Zusammenhang ..............72
1 .Korinther 14 ausgewogen betrachtet................73
Kapitel 13
UNTERSUCHUNG DES TEXTES VON 1.KORINTHER 14:1 BIS 3
Erläuterung der ersten fünf Verse ...................75
Versi...........................................75
Ein falsches Argument .............................76
Kapitel 14 1.KORINTHER 14:4
Vers...........................................81
Die Bedeutung des Wortes »Erbauung« ..............81 
»Wer in Zungen redet, der erbaut sieh selbst« ........82 
Man erwidert: »Das tut mir doch so gut!« ...........84 
wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde............84 
Eine Weissagung in »Zungen«? .....................85
Kapitel 15
1.KORINTHER 14:5 UND 13
Vers5(erster Teil)................................86
Vers5(letzterTeil)................................87
Das wahre Wesen der Gabe der Übersetzung .........88
Ein Zeugnis muß überprüfbar sein..................89
Man antwortet mir manchmal: »Du darfst
nichtzweifeln!«...................................90
Eine falsche Auffassung über die Gabe
derÜbersetzung...................................91
Vers13..........................................92
WichtigeBemerkung ...................... . ........92
Kapitel 16
1.KORINTHER 14:6 BIS 12
Warum ruft man diesen Abschnitt nicht von
den Dächern? ..................................... 93 
Der Apostel Paulus packt aus' ......................93 
Vers6...........................................93 
Wie könnte dieser Vers deutlicher sein? ...............94 
Vers ...........................................94 
Vers 8...........................................95 
Vers ...........................................96 
Wollen Sie in die Luft, in den Wind reden? ..........96
Verse 10 und 11. 97
Wollen Sie für einen Barbaren gehalten werden' .....100
Vers12 .........................................100
Anmerkung .....................................101
Kapitel 17
1.KORINTHER 14:14 BIS 17
Vers14.........................................102
Die »Zungen«: Eine Art von Gebet? ................102
Betete Paulus in seiner persönlichen Andacht
»inZungen«7 ....................................103
Vers15(erster Teil)..............................103
Und wie ist Epheser 6:18 zu erklären? ..............105
Und Römer 8:26 und 27.........................105
Ein unnützes Argument ...........................105
Wasanbeten7....................................107
»'In Zungen' beten, damit der Teufel
nichtsversteht«?.................................108
»In Zungen beten« für unbekannte Bedürfnisse? .....108
Vers15(letzterTeil)..................109
»InZungen«singen?.............................109
Und die geistlichen Lieder? ........................109
Vers16.........................................110
Vers17.........................................112
Kapitel 18
1.KORINTHER 14:18 BIS 20
Vers 18 .........................................113
Vers19 .........................................114
Vers20 .........................................115
Kapitel 19
1.KORINTHER 14:21 BIS 25
Verse 21 und 22 .................................116 
Wichtige Bemerkung zu Vers 21 ...................116 
Kommentar zu Vers 22 ...........................117 
Verse 23 bis 25 ..................................118
Kapitel 20
1.KORINTHER 14:26 BIS 38
Verse 26 bis 33 ..................................121 
Kommentar zu den Versen 26 bis 33................122 
Bemerkung zu den Versen 33b, 34 und 35 ...........123 
Verse 36 bis 38 ..................................124
Kapitel 21
1.KORINTHER 14:39 UND 40
Verse 39 und 40 .................................125 
Die Schlußfolgerung des Apostels -
und die meine! ................................... 125 
Warum sagt Paulus »nicht hindern« ... . ............. 125 
Es gibt Größeres' ................................126 
Zusammenfassung................................128
Kapitel 22 1.KORINTHER 14:21
Die Vision des Jesaja und des Paulus...............129
Der Zusammenhang der Weissagung Jesajas .........129
Der hebräische Text von Jesaja 28:11
mit genauer Übersetzung ..........................131
Der Sinn des hebräischen Textes wird durch die
Septuaginta bestätigt..............................132
Jesaja zitiert seinerseits die Weissagung Moses .......132
Die BotschaftJesajas ..............................133
Jesaja33:19.....................................134
Kommentar zu Jeremia 5:15 .......................134
Die Weissagung Jesu Christi.......................135
Ein Zeichen für das ungläubige Israel? ..............135
Wer ist »dieses Volk«9...........................
»Dieses Volk« - das sind auch wir ................137
Eine Weissagung für heute'.......................137
DieStrengeGottes...............................138
Ist es nicht wahr, daß Gott uns heute warnt? ........139
»Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen?« .......139
O Volk Gottes, wach auf' .........................141
Gebet...........................................141

Kapitel 23
Gibt ES HEUTE EINE WAHRE SPRACHENGABE?  Wie läßt sich heute das Fehlen der wahren
Sachengabe erklären? ...........................144
Wäre unser Unglaube der Grund? ..................144
Sollte Gott diese Gabe zurückgezogen haben? ........ 144
Dieses Fehlen ist nicht das einzige Rätsel unserer Zeit. 145
Laßt uns einfach ehrlich sein' .....................145
Drei bemerkenswerte Fakten über die Juden .........146
Wir brauchen eine Bestätigung..................... 148
Ein interessanter Fall ..............................149
Bemerkung des Autors............................149

Kapitel 24
FLEISCHLICHE SPRACHEN IN DER GEMEINDE? Einige Unterschiede zwischen der modernen
Glossolalie und den Sprachen in Apg.2 .............150
»Sprachen« menschlichen Ursprungs? ...............152
Warum segnet Gott, was nicht biblisch ist? ..........154
Scheinbarer Erfolg kommt nicht unbedingt von Gott .155
Warum all dies Plappern? .........................155
FelsoderSand? ..................................156
Ein Glaube, der das Licht scheut? ..................156
Wo ist das Vorbild zu finden? .....................156
Ein unglaublicher Fall............................157
Verwechslung von Licht und Finsternis.............157
Anmerkung zum Marienkult.......................157
Das »Zungenreden« beweist nichts.................158
Eine erschreckende Schlußfolgerung ................159

Kapitel 25
DÄMONISCHE SPRACHEN IN DER GEMEINDE?
Laßt uns logisch sein! ............................160
Zwischen Menschlichem und Dämonischem .......... 160
Das Zeugnis der Dämonen über Jesus Christus ......162
Der Feind versteht auch, »Gutes zu tun« ............163
Eine persönliche Erfahrung........................163
Ein indischer Christ berichtet ......................165
Kann ein wahrer Christ von einem Dämon besessen sein'..........166

Kapitel 26
DER LOGOS GOTTES
Im Anfang war das Wort.........................168
DerLogosistlogisch.............................168
In ihm ist gar keine Finsternis.....................168
Vom Rationalismus zum Irrationalen ...............169
Zwei unmögliche Humanismen ......... ............170
Der Existentialismus dringt in das christliche
Denkenein......................................171
1.Eine existentialistische Theologie................172
2. Bis hin zu einem evangelikalen Existentialismus?. . 172
Der Geist Gottes ist intelligent und hellsichtig in
allenseinenWegen...............................174
Der Geist Gottes ist nicht sinnlos...................174
Wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt... ... .175

KAPITEL 27
DIE ZUNGE IST DAS TRANSPORTMITTEL DES WORTES
Das mächtigste Leibesorgan .......................176
Satan zielt vor allem auf die Zunge.................176
Der Kampf um die Zunge .........................176
Größter Irrsinn ...................................177
Gott sagt: Prüft die Geister' .......................178
Zwei ganz verschiedene Wirkungsweisen ............178
Das Göttliche und das Menschliche.................178
Anhang A
DIE GABE DER UNTERSCHEIDUNG DER GEISTER
»Die Unterscheidungen der Geister« ................180
Die Notwendigkeit, zu unterscheiden ...............180
Das Okkulte unterscheiden ........................181
Praktische Hinweise ..............................182

Anhang B
GIBT ES EINE BIBLISCHE BEZIEHUNG ZWISCHEN DER HANDAUFLEGUNG UND DEM »ZUNGENREDEN«? .....183
Anhang C
GIBT ES EINE BEZIEHUNG ZWISCHEN DER GEISTESTAUFE UND DER SPRACHENGABE? 
Zwei unzulässige Texte............................185
Anmerkungen ...................................186

EINLEITUNG
WARUM DIESES BUCH?
Das Thema »Zungenreden« ist nicht nur eine Lehrfrage: Es führt in der Tat zu einer Praxis, die das Leben von Millionen Christen und die Beziehung zwischen Gemeinden beeinflußt. Diese Streitfrage spaltet die Gemeinde in einer Zeit, in der sie es am allernötigsten hätte, den politischen, wirtschaftlichen, sozialen, technischen, religiösen und okkulten Mächten') gegenüber eins zu sein, welche ihre Existenz bedrohen. Dieses Thema geht also nicht nur Akademiker an.
Ich stelle bestürzt fest, daß sogar anerkannte Prediger sich nicht immer im klaren über den Sinn der biblischen Texte sind, die diese Frage behandeln. Wenige Christen bemühen sich, diese Frage gründlich in der Heiligen Schrift zu untersuchen. Dieses Buch soll darum eine vollständige und eingehende Untersuchung der Bibeltexte sein, die sich auf die Gabe des »Zungenredens« beziehen.
Seit einiger Zeit wird die Welt mit Zeugnissen, Behauptungen und Ermahnungen über den Heiligen Geist überschwemmt. Bestimmte Gesichtspunkte dieser Propagandawelle beunruhigen mich aber sehr.
Ich werfe ihr vor allem eine schlechte Auslegung des Bibeltextes vor: Es werden bestimmte Verse oder - noch schlimmer - Halbverse aus ihrem Zusammenhang gerissen, um eine vorgefaßte Meinung zu »beweisen«, ohne Rücksicht auf den Gesamtsinn des betreffenden Abschnittes oder der vollständigen Bibellehre: Schlußfolgerungen werden auf eine oder mehrere im voraus ausgewählte Stellen begründet und andere sehr deutliche Stellen dabei mehr oder minder bewußt beiseite gelassen. Diese Art von Manipulation wird in der Welt Sophismus genannt. Das ist einfach unehrlich. Ich rufe zum Herrn, dem Gott Jesu Christi: Verteidige Dein Wort!
Über den Heiligen Geist und seine Gaben schenkt uns Gott in der Schrift eine Lehre, die in ihrer Gesamtheit äußerst klar ist. Gott hat zugelassen,4aß einige Punkte schwer auszulegen sind (und es gibt mehrere davon!). Dennoch bin ich überzeugt, daß die göttliche Weisheit diese Probleme nicht einfach im Text belassen hat, um uns zu verwirren oder uneins zu

machen. Auch nicht, weil sie sich nicht klar genug hätte ausdrücken können.
Nein! Die Schwierigkeiten dienen dazu, unser Herz zu erforschen, unseren Geist zu prüfen. Menschen, die wirklich vom Heiligen Geist bewegt werden, nehmen vor diesen Problemen eine demütige Haltung ein. Andere dagegen, die von einem eher fleischlichen Geist bewegt werden, sehen in den schwierigen Textstellen einen Grund zur Spaltung.
Paulus sagt, daß die Trennungen vom Fleisch kommen.2 Judas sagt, daß sie von irdisch gesinnten (gr.: psychikos) Menschen kommen, die den Geist nicht haben (gr.: pneuma).3 Jakobus sagt, daß ein bitterer Eifer und ein Geist der Streitsucht eine »Weisheit« sind, die irdisch, sinnlich (gr.: psychi.kos) und teuflisch (gr.: dainioniodes) ist.4
Ich habe keinen Zweifel: Die meisten Gemeinden müssen für Christus erweckt und sogar revolutioniert werden. Aber es gibt eine gute und eine schlechte Art, für Gott zu arbeiten. Ein Eifer kann geistlich oder fleischlich sein. Die Gemeinde Christi wird bestimmt nicht erbaut, indem man sie spaltet oder die Gemeinschaft des Geistes zerstört.
Der Teufel hat ein höllisches Vergnügen daran, die Gemeinde zu zerstückeln. Er weiß, daß ein in sich gespaltenes Reich nicht bestehen kann. Ich wage mich darum nicht in polemischer Gesinnung auf dieses umstrittene Feld. Sollte ich den Leib Christi aufs neue zerreißen? Möge Gott mich davor bewahren! Im Gegenteil: Weil ich diesen Leib schon weltweit durch diese Streitfrage zerrissen sehe, öffne ich nach 25 Jahren schweigender Wartezeit schließlich den Mund. Ich bitte Gott, sein Wort zu erleuchten und uns durch »die Wahrheit in Liebe« zu vereinen.5
Ich weiß, daß meine Brüder, die diese Ausführungen lesen, nicht von vorneherein mit allem, was ich sage, einverstanden sein werden. Es steht ihnen völlig frei, meine Schlußfolgerungen und Überlegungen anzunehmen oder abzulehnen. Ich möchte sie nur um zwei Dinge bitten:
- alles ganz ehrlich selber im Worte Gottes zu überprüfen;
- an meine Liebe zu ihnen zu glauben.
Ich habe Liebe zu meinen Brüdern, und damit auch das Recht und die Pflicht, die Wahrheit zu sagen, wie ich sie durch die Gnade verstehe, die mir Gott in seinem Erbarmen verliehen hat. 6) Wir wollen uns alle gemeinsam ganz neu unter das
16
Wort Gottes stellen. Das ist die beste Art, uns gegenseitig zu helfen. Dieses Buch ist ein Warnruf auf jenen großen Tag hin, an dem unser Glaube durchs Feuer geprüft werden wird. Ich behaupte nicht, alle Fragen beantworten zu können, die durch die Streitfrage über die »Gabe des Zungenredens« aufgeworfen worden sind. Selbst sehr engagierte Christen sind in der Auslegung gewisser Schriftstellen verschiedener Meinung. Darum müssen wir diese Punkte mit Demut und Ehrfurcht angehen.

DER EINZIGE MASSTAB: DAS WORT GOTTES
Das schlechte Verständnis des Wortes Gottes führt unweigerlich zu einem schlechten Verständnis seines Autors, dem Geist Gottes. Die Unkenntnis des Wortes Gottes stellt das größte Unglück unserer Generation dar. In den Gemeinden lehrt man sehr wenig über die Notwendigkeit, persönlich und täglich die Bibel in ihrer Gesamtheit zu studieren. Solange unser Schriftverständnis unzureichend bleibt, kann der Feind unsere Gedanken prägen und sie auf ein ungöttliches Ziel lenken. Deshalb wollte ich in diesem Buch den Hauptton auf die Autorität des Wortes Gottes legen. Der Geist Gottes und das Wort Gottes können nicht voneinander getrennt werden.
Letzten Endes muß die Heilige Schrift selbst die Antwort auf die Fragen geben, die sie aufwirft. Angesichts der Verwirrung, die die Lehre über die Sprachengabe umhüllt, müssen wir vor allem den genauen Sinn des Bibeltextes entdecken. Darum habe ich mir die Disziplin auferlegt, die drei Grundregeln der Schriftauslegung zu befolgen:
1. Das ganze Wort Gottes
Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, ohne Ausnahme alle Bibelstellen, die sich auf die Sprachengabe beziehen, vollständig und klar zu untersuchen. Insgesamt gibt es fünf Stellen. Ich habe also diese fünf Stellen aufs genaueste im griechischen Urtext studiert und sie in ihren wahren Zusammenhang gestellt, um jede falsche Schlußfolgerung zu vermeiden.
2. Nichts als das Wort Gottes
Wir müssen diese Texte mit einem wirklich offenen Geist lesen und auf unsere Vorurteile verzichten. Anstatt uns mit widersprüchlichem Hörensagen zu begnügen, werden wir auf den Verfasser und Eingeber der Texte hören, auf den Heiligen Geist. Diese Regel scheint so einfach. Sie ist aber tatsächlich sehr schwer anzuwenden. Nur mit großer Mühe unterscheiden wir zwischen dem Wort Gottes selbst und den menschlichen Auslegungen dieses Wortes, die wir gewöhnt sind. Ich betone aber: Um eine biblische Wahrheit zu definieren, müssen wir jedesmal zur Quelle gehen. Ich lehne es ab, den göttlichen Logos mit etwas anderem zu vertauschen. Das Wort Gottes ist die Quelle aller Wahrheit: Die Quelle ist reiner als der Teich.
3. Das Wort Gottes, wie es sich selbst auslegt
Zur Auslegung dieser Texte habe ich mich vor allem auf die Schrift bezogen. Über jede Lehre enthält die Bibel mindestens eine völlig klare Stelle, die unserem Geist keinen Zweifel läßt. Ich gebrauchte den klarsten Text als Schlüssel, um diejenigen zu erklären, die zwei oder mehrere Auslegungen erlauben. So überlasse ich meinem Schöpfer die Aufgabe, selbst seine Gedanken klar zu machen: Ich vertraue ihm.

DIE BIBELTEXTE ÜBER DIE GEISTESGABEN
Wir können nur den wahren Sinn der Sprachengabe verstehen, indem wir die vollständige Bibellehre über die Geistesgaben in ihrer Gesamtheit berücksichtigen. Die Sprachengabe ist nur eine Gabe von vielen: Wir müssen sie in ihrem Rahmen betrachten. Um den Wert einer Musiknote zu schätzen, muß man sie innerhalb der ganzen Melodie hören. Um die biblische Lehre von der Sprachengabe genau einzuschätzen, ist es unerläßlich alles zu studieren, was Gott insgesamt über die Frage der Geistesgaben sagt.
Bevor Sie dieses Buch lesen, rate ich Ihnen dringend, die Bibeltexte über die Geistesgaben neu zu lesen:
- Römer 12:3-8
- 1. Korinther Kapitel 12 bis 14 Epheser 4:1-16
- 1. Petrus 4:10+ 11
All diese Stellen untersuche ich gründlich in Explosion de Vie.7
Die Bibeltexte über die Sprachengabe
Es gibt in der ganzen Bibel nur fünf Stellen, die das »Zungenreden« erwähnen Drei davon sind äußerst kurz. Ich gebe sie hier an (die genaue Anzahl der Erwähnungen befindet sich in Klammern):
Der einzige Text des Herrn Jesus - Markus 16:15-18 (lx) Die drei Lukastexte
- Apg. 2:4-11 (4x mit 2 verschiedenen Worten) - Apg. 10:44-48 (lx)
- Apg. 19:1-7 (lx)
Anmerkung: Obwohl Apg.1, Apg.8 und Apg.9 oft als Lehrstellen (übrigens zu Unrecht) angeführt werden, erwähnen sie das »Zungenreden« nicht einmal. Ich habe sie in meinem Buch »Das Wunder des Geistes« erläutert.8
Der einzige Paulustext
1 .Korinther Kapitel 12-14 bildet eine einzige Stelle: - Kap. 12:10,28,30 (3x)
- Kap. 13:1,8 (2x)
- Kap.14:33,39-40 (15x und 4x das Wort »Stimme«, das in einigen Übersetzungen mit dem Wort »Zunge« wiedergegeben wird)
Bemerkungen zu unserem evangelikalen »Jargon«
1.) Das griechische »glossei lalein« (im Singular) bedeutet ganz einfach eine Sprache sprechen. Man würde dies nicht von seiner Muttersprache sagen: Die spricht man. Mehr nicht. Wenn man eine Sprache spricht, so handelt es sich um eine Fremdsprache, eine andere als die eigene.
Es wäre darum sehr viel vorteilhafter, den griechischen Ausdruck des Paulus in 1.Kor. 14 jedesmal mit dem deutschen Ausdruck »eine Sprache sprechen« (d.h. eine Fremdsprache) zu übersetzen. So könnten wir jenen fremdartigen Ausdruck ins Vergessen geraten lassen: »In einer Zunge reden«.
»In Zungen reden« (im Plural) hat keinen größeren Wert. »In Zungen reden« ist eine schlechte Übersetzung des griechischen Ausdrucks »glossais lalein«, der einfach bedeutet: »zwei oder mehr Sprachen sprechen«.
Paulus erwähnt in 1.Kor.12:10 und 28 »die Gabe, in verschiedenen Sprachen zu sprechen«. Den selben Ausdruck gebrauchen wir heute, um eine zwei- oder mehrsprachige Person zu bezeichnen.
Das wahre biblische Geheimnis besteht nicht darin, daß die Sprache unverständlich wäre, sondern darin, daß der Sprechende sich mit der Weisheit und übernatürlichen Macht Gottes ausdrückt. Der Vorgang ist wunderbar. Die Sprache ist aber eine menschliche Sprache.
2.) Seit einigen Jahren gehört das Wort »Glossolalie« zu unserem christlichen Wortschatz. Dieser Begriff ist aus zwei griechischen Worten zusammengesetzt: glossa (= die Sprache, Zunge) und lalia (= das Reden; das Geschwätz; der Dialekt). Das griechische »Glossolalia« steht nicht im Wörterbuch. Es ist ein erfundenes Wort. Es bedeutet: »mit der Zunge reden« oder »eine Sprache sprechen«. Das Wort »Glossolalie« wirft im Grunde kein neues Licht auf die biblische Auffassung der Sprachengabe. Es verwirrt die Gedanken noch mehr. Ich gebrauche es nie, um die wahre biblische Gabe zu beschreiben, verschiedene Sprachen zu sprechen.

Gebet
o himmlischer Vater! Wirf dein Licht auf die Texte, die dein Heiliger Geist eingegeben hat! Schenke uns ein göttliches Verständnis und ein ehrliches Herz, um den wahren Sinn zu verstehen! Gib uns außerdem den Wunsch und die Kraft, ganz der Offenbarung deines Willens zu gehorchen! Lehre uns durch dein eigenes Wort die Wahrheit über das Thema, mit dem wir uns beschäftigen! Im Namen deines teuren Sohnes Jesus, des Christus und Herrn.
Ich lege diese Studie vertrauensvoll in die Hände des allmächtigen Gottes, des Vaters unseres Herrn Jesu Christi. Möge er sich ihrer bedienen, wie es ihm gefällt!

Kapitel 1
DIE LEHRE JESU CHRISTI DER MARKUSTEXT 16:17 (15 BIS 18)
Das ist das einzige Wort, das der Herr Jesus Christus uns zu diesem Thema hinterlassen hat. »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung« (V. 15).
» Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht gläubig geworden ist, wird verdammt werden« (V. 16).
»Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden« (V.17).
»Sie werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden« (V.18).

KOMMENTAR
Halten wir folgende Tatsachen fest: Soweit wir wissen, hat der Herr Jesus niemals selbst »in einer Zunge« geredet. Außerdem lehrt er uns in seinen so ausgedehnten Unterweisungen nichts über diese Frage.
Woran dachte Jesus?
»Sie werden in neuen Sprachen reden«, sagt er (V. 17). Ich denke, daß wir uns alle einig sind, in den Ereignissen von Apg.2 und 10 eine Erfüllung dieser Prophetie zu sehen. Und doch findet dort die Voraussage Jesu nur eine stückweise Verwirklichung. Denn in keiner dieser beiden Stellen ist die Rede von Schlangen, noch von Gift, noch von Geisteraustreibungen und nicht einmal von Heilungen.
Es scheint mir genauso gewiß, daß der Herr in dieser Weissagung die gesamte Geschichte seiner Gemeinde voraussieht. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich alle diese Dinge tatsächlich erfüllt. Die Lebensläufe der großen Missionare enthalten allerlei außerordentliche Berichte.
Aber nichts in diesem Markustext erlaubt uns zu behaupten, daß jeder Jünger Jesu Christi unbedingt alle diese Dinge vollbringen wird. Diese Stelle wird jedoch oft angeführt, um ein allgemeines »Zungenreden« zu rechtfertigen und sogar um es allen Christen aufzuerlegen. Warum sagt man dann nicht, daß jeder nicht nur Kranke und Besessene heilen, sondern auch Schlangen aufheben und Gift trinken müße? Das wäre logisch ... und grauenhaft!
Nein! Der Herr Jesus Christus sagt einfach voraus, daß die wunderbaren Sprachen ein Zeichen unter anderen wären, welche die Gemeinde im allgemeinen erfahren würde, aber nicht unbedingt jeder Glaubende.
Jesus blickte auf die Ernte
Jesus sieht viel weiter als die Sprachen in Apg.2. Sogar noch weiter als bis zu all den wunderbaren Ereignissen zur Zeit der Apostel. Die Worte des Herrn (die wir studieren) sind im Blick auf die Evangelisierung der Welt gesprochen und nicht im Rahmen von Lobpreisung oder der Erbauung der Ortsgemeinde. Im Augenblick, wo Jesus sagt: »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung«, fügt er hinzu: »Sie werden in neuen Sprachen reden.«
»Neue« oder »unverständliche«?
Der Herr gibt keine Definition oder Erklärung über die Sprachen, die er in seiner Prophetie meint. Er bezeichnet sie nur - und..

ISBN:9783878572299
Format:18 x 11 cm
Seiten:192
Gewicht:160 g
Verlag:Schriftenmissions Verlag
Erschienen:1986