Keine Bewertungen gefunden
Man kann es nicht begreifen, daß der Diakon und Jugendleiter Fred Ritter nun doch das Mädchen heiratet, das ihn bitter enttäuscht hat. Er läßt sich weder von dem Gerede noch von Warnungen beeinflussen, die ihm ein Scheitern der Ehe voraussagen. Bereits am Anfang scheinen mancherlei Hindernisse den Weg des jungen Paares zu verbauen. Nachdem Fred seine bisherige Stelle im Pfarramt aufgegeben hat, findet er aus verschiedenen Gründen nirgends ein Aufgabengebiet, das seinen Vorstellungen entspricht. Besorgt fragt er sich: Was hat Gott mit uns vor?
Doch dann tut sich eine Tür auf, durch die das junge Paar mit Freuden geht: Auf einem in herrlicher Umgebung liegenden Gut werden die zwei Hauseltern eines Heimes, in dem müde, abgekämpfte Männer und Frauen Erholung finden und wo entlassenen Strafgefangenen nicht nur Arbeit gegeben, sondern auch der Start ins Leben ermöglicht werden soll. Natürlich bleiben bei dieser Arbeit Enttäuschungen nicht aus. Aber die beiden jungen Menschen gehen ihren Weg mit Gott und erfahren seinen Beistand tagtäglich.
„Ehrlich gesagt, Herr Ritter, ich begreife Sie nicht! Nehmen Sie mir ein offenes Wort nicht übel. Wir haben doch wahrhaftig genug nette Mädchen in der Gemeinde intelligente, ansehnliche, ja geradezu hübsche Mädchen, und ich könnte Ihnen einige der Väter und Mütter aufzählen, die sich glücklich schätzen würden, Sie ihren Schwiegersohn nennen zu können." Pfarrer Stehfaß machte eine Pause und blieb einen Augenblick vor seinem jungen Mitarbeiter, dem Diakon und Jugendleiter Fred Ritter, stehen, als müsse er sich der Wirkung seiner Worte vergewissern. Aber Fred schwieg, was seinen Vorgesetzten veranlaßte, aufs neue sein Studierzimmer zu durchqueren und in seiner Rede fortzufahren: „Denken Sie doch daran, was für ein Gerede es in unserem Klatschnest gegeben hat, als vor drei Jahren bekannt wurde, daß Friedegard Flemming, die Tochter des angesehenen Studienrats, von einem verheirateten Mann ein Kind erwartete, sie, die einmal Kindergottesdiensthelferin gewesen war, also in der kirchlichen Arbeit gestanden hatte. Haben Sie das denn alles vergessen?"
„Nein, Herr Pfarrer, das nicht - aber ich habe ebenfalls bis zu dieser Stunde keinen Augenblick vergessen, daß ich die junge, unverdorbene Friedegard einmal von Herzen geliebt habe. Und ob Sie das verstehen oder nicht: Nichts, aber auch wirklich nichts, nicht einmal die dazwischenliegenden Geschehnisse haben vermocht, diese Liebe in mir auszulöschen." „Das ist es ja, was ich nicht begreife. Jeder andere Mann hätte sich von einem solchen Mädchen empört und bis ins Innerste verletzt zurückgezogen und es aus seinem Leben gestrichen.
Keine Bewertungen gefunden