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Das Neue Testament gibt uns keine umfassende Definition des Begriffs Gemeinde. Das im Urtext gebrauchte Wort »Ecclesia« wurde in den griechischen Stadtstaaten für die »Ratsversammlung der freien Bürger« verwendet, wobei diese durch einen Herold »herausgerufen« wurden und »zueinanderkamen«. Der Begriff erhält jedoch erst durch den neutestamentlichen Gebrauch, besonders durch Pau-lus, seine eigentliche Bedeutung und beschreibt dabei sowohl die Gesamtgemeinde (18 mal, z.B. Eph. 1,22.23) als auch eine örtliche Gemeinde (ca. 90 mal, z.B. Apg. 13,1).
Anstelle einer Definition finden wir im Neuen Testa nient eine Vielzahl von Bildern, die uns Wesen und Auftrag der Gemeinde verdeutlichen, so z.B. »Tempel« (Eph. 2,21), »Bau« (Eph. 2,21), »Haus« (1. Petr. 2,5), »Herde« (Apg. 20,28), »Ackerfeld« (1. Kor. 3,9), »Braut Christi« (Eph. 5,25-32). Darüber hinaus spricht Paulus mehrfach und ausführlich von der Gemeinde als dem »Leib Christi«, so z.B. in 1. Kor. 12; Eph. 1,23 und 4,16 u.a.
Aufgrund dieser und anderer Aussagen des Neuen Testaments wird von einem dreifachen Auftrag der Gemeinde gesprochen. Dabei ist uns bewußt, daß all diese Formulierungen nur eine Verstehenshilfe sein können und immer unvollkommen bleiben.
Die Gemeinde in dieser Welt ist zunächst immer Gemeinde für Gott im Sinne von Eph. 2,21-22, »Tempel im Herrn« und »Behausung Gottes im Geist«. Hier empfängt Gott Dank, Lob und Anbetung, und diese Beziehung wird gekennzeichnet durch Liebe und Gehorsam Gott gegenüber.
Die Gemeinde ist zugleich auch Leib Christi, in dem die Glieder füreinander da sind im Sinne von 1. Kor. 12,25; Eph. 4,16; 1. Petr. 4,10 u.a. Hier sind alle Glieder des Leibes Christi herausgefordert, einander mit den ihnen anvertrauten Gaben zu dienen und so zum geistlichen und auch zahlenmäßigen Wachstum des Leibes beizutragen.
Wir sollen jedoch nicht nur einander dienen, sondern Gott will durch die Gemeinde auch in dieser Welt wirksam sein. So ist Gemeinde auch Gemeinde für die Welt im Sinne der Sendung (Joh. 20,21) oder des Lichtes (Matth. 5,14 und Phil. 2,15). Damit ist die Gemeinde zwar nicht »von« der Welt, aber »in« der Welt und hat hier einen dreifachen Auftrag zu erfüllen:
1. den Schöpfungsauftrag, der allen Menschen gegeben wurde, nämlich: in Ehe und Familie (1. Mose 1,27-28 und 2,24; Matth. 19,4-5 und Eph. 5,22-33); im Beruf (1. Mose 2,15; Kol. 3,23.24; Eph. 6,5-9) und in der Beziehung zur Obrigkeit (1. Mose 9,6 und Röm. 13,1-7);
2. den Auftrag der Nächstenliebe, den nur Israel (3. Mose 19) und die Gemeinde (Röm. 13,8-10) erhalten hat und der Ausdruck findet in »guten Werken«, d.h. in der Diakonie (z.B. 2. Kor. 9,8; Eph. 2,10; 2. Thess. 2,17; Tit. 2,14; Gal. 6,9.10);
3. der Auftrag, der allein der Gemeinde gegeben wurde, ist der Dienst der Evangelisation.
Die Priorität und Dringlichkeit dieses Dienstes ergibt sich aus der Tatsache, daß nur die Gemeinde diese Aufgabe erfüllen kann. Dies geschieht im allgemeinen auf dreifache Art und Weise:
a) durch Gebet und Zeugnis aller Gemeindeglieder (Apg. 1,8; Apg. 8,4; 11,19-20; 1. Thess. 1,8; Apg. 4,23; Kol. 4,3-4; 1. Petr. 3,15);
b) durch den Dienst von Evangelisten im Umfeld der Gemeinde (z.B. Philippus, Apg. 8,5-7; Eph. 4,11);
c) durch die Entsendung von Missionaren (Apostel) (Apg. 13,1-4; Röm. 15,22-24; Röm. 10,12-17). Für all diese Bereiche gilt sicher auch der Missionsbefehl Jesu in seinen verschiedenen Ausprägungen in Matth. 28,18-20; Mark. 16,15ff; Luk. 24,45-59; Joh. 20,21; Apg. 1,8 sowie Röm. 10,10-12 und 2. Kor. 5,18-20.
Dies ist nur eine kurze Darstellung der Gemeinde und ihrer Aufgaben. Natürlich ließe sich darüber noch sehr viel mehr sagen. Wir wollen uns jedoch in den folgenden Ausführungen auf den Bereich der Sendung (lateinisch = Mission) beschränken, d.h. auf die diakonischen und evangelistischen Aufgaben.
2. Jerusalem - »Komm- und Geh-Struktur«
Leben und Dienst einer neutestamentlichen Gemeinde werden uns erstmals in der Apostelgeschichte in den Kap. 1-8 geschildert. Lehre, Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet sowie große Einmütigkeit und gegenseitige diakonische Hilfe sind Kennzeichen dieser Gemeinde (Apg. 2,42-47 und 4,32-35).
Wunder und Zeichen begleiten das Zeugnis und die Verkündigung der Apostel (Apg. 5,12-16).
In der Gemeinde wird Sünde offenbar und von Gott selbst gerichtet (Apg. 5,1-11). Interne Spannungen in materiellen Fragen werden überwunden, indem die Apostel bestimmte Aufgaben an Diakone delegieren und selbst »im Gebet und im Dienst des Wortes« verharren (Apg. 6,4).
Das Zeugnis und die Steinigung des Stephanus lösen eine »große Verfolgung« aus; dennoch wird durch Philippus erstmals auch in Samarien das Evangelium verkündigt.
Wie fast unmöglich es jedoch der Gemeinde in Jerusalem erschien, das Evangelium auch über die Grenzen des eigenen Volkes und Landes hinaus den Heiden zu verkündigen, wird an der Erfahrung des Petrus in Apg. 10 deutlich. Durch eine Vision bereitet Gott den Apostel Petrus auf diesen ersten Dienst unter Heiden in Cäsarea vor, der damit im Sinne von Matth. 16,18-19 den Heiden die Tür zum Heil aufschließt
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